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Nordwestmecklenburg Die Tafel in Grevesmühlen: Ist das Projekt vorzeitig beendet?
Lokales Nordwestmecklenburg Die Tafel in Grevesmühlen: Ist das Projekt vorzeitig beendet?
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22:04 15.02.2016
Seit Monaten hängt der Zettel am Eingang in der Wismarschen Straße. Hier soll die Tafel eröffnen. Nur der Zeitpunkt ist unklar. Quelle: OZ

„Hier eröffnet demnächst die Tafel“, steht auf dem Zettel an der Scheibe des ehemaligen Jeans-Ladens in der Wismarschen Straße. Der Hinweis prangt dort seit mittlerweile einem Jahr. Stellt sich die Frage: Was bedeutet demnächst? „Die Tafel wird auf jeden Fall aufmachen, aber ein Datum kann ich im Moment noch nicht nennen“, sagt Jürgen Schulte, einer der Initiatoren des Projektes. Nachdem die Arbeiterwohlfahrt in Grevesmühlen aufgrund von Personalproblemen Ende 2014 das Projekt aufgab, wurde lange Zeit nach einem Nachfolger gesucht. Doch die karitativen Organisationen winkten ab, zu viel Aufwand.

2015 keimte wieder Hoffnung auf, als mehrere Grevesmühlener, darunter einige Lokalpolitiker einen Verein gründeten, um die Tafel wieder zum Leben zu erwecken. Der ehemalige Jeans-Laden in der Wismarschen Straße wurde als künftige Räumlichkeit auserkoren, alles lief wie am Schnürchen.

Bis sich herausstellte, dass bei der Gründungsversammlung einiges schiefgelaufen war. Jedenfalls verweigerte das Amtsgericht die Eintragung ins Vereinsregister. Als sich die Beteiligten schließlich in die Haare gerieten, drohte das Projekt zu scheitern, bevor es überhaupt begonnen hatte. Von den ursprünglichen Gründungsmitgliedern sind heute nicht mehr viele übrig, aber laut Jürgen Schulte gab es eine neue Gründungsversammlung. „Die Unterlagen sind alle beim Notar, warum es jetzt nicht weitergeht, weiß ich leider auch nicht.“ Beim Amtsgericht Wismar, beziehungsweise der Zweigstelle in Grevesmühlen, wo das offizielle Vereinsregister geführt wird, heißt es nur, dass der Verein „Die Tafel“ nach wie vor nicht eingetragen ist. Der Vorgang ist nach wie vor nicht abgeschlossen.

Nach OZ-Informationen liegt der Ball aktuell bei den Gründungsmitgliedern, die in der Pflicht sind, die Unterlagen vollständig vorzulegen. Und zwar beim Notar Wolfgang Hölscher. Der gibt sich hilfsbereit, was das Vorhaben in Grevesmühlen anbetrifft: „Ich bin gern bereit, das Projekt auch privat zu unterstützen. Ich kenne die Tafel aus Wismar und weiß, wie wichtig dieses Angebot ist.“

Das allerdings ist nur eine der Voraussetzungen, um das Projekt in Grevesmühlen umzusetzen. Eine weitere ist der Antrag beim Bundesverband der Tafeln in Berlin. Denn es handelt sich dabei um einen geschützten Begriff, wie Günter Hoffmann vom Landesverband der Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern erklärt. „Soviel ich weiß, wurde der Antrag aus Grevesmühlen noch nicht gestellt.“ Der ist aber dringend notwendig. „Es geht dabei auch darum, dass sich die einzelnen Gebiete der Tafeln nicht überschneiden“, erklärt Günter Hoffmann einen Punkt, der durch den Bundesverband geregelt wird.

Im Grevesmühlener Rathaus betrachtet man die Entwicklung der Tafel mit gemischten Gefühlen. Das Hickhack um die Vereinsgründung ist nicht ohne Folgen geblieben. Doch noch gibt es Hoffnung, dass die Tafel eröffnet wird — demnächst.

Die Tafel in Deutschland

Derzeit gibt es mehr als 900 Tafeln in Deutschland. Alle sind gemeinnützige Organisationen. Bundesweit unterstützen sie regelmäßig über 1,5 Millionen bedürftige Personen mit Lebensmitteln — knapp ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

Bedürftig sind für die Tafeln alle Menschen, die nur über wenig Geld im Monat verfügen können, z.B. weil sie eine kleine Rente haben, Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen. Damit die Hilfe auch da ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird, lassen sich die Tafeln die Bedürftigkeit ihrer Kunden durch offizielle Dokumente nachweisen.

Grundsätzlich gilt jedoch: Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen.

Der Großteil der Tafeln reicht die gespendeten Lebensmittel mit festen Tafel-Läden bzw. Ausgabestellen an die Bedürftigen weiter. Einige bieten auch warme Mahlzeiten an oder beliefern soziale Einrichtungen, die Mahlzeiten zubereiten. Viele lokale Tafeln bieten mehrere Arten der Unterstützung an, zugeschnitten auf den Bedarf vor Ort. Jeder gibt, was er kann Die Tafeln finanzieren sich durch Spenden. Bundesweit setzen sich zahlreiche Unternehmen für die Tafeln ein. Nach dem Motto „Jeder gibt, was er kann“ geben die einen Lebensmittel oder Reifengutscheine, die anderen reparieren kostenlos Tafel-Fahrzeuge oder gestalten Werbeanzeigen — vom örtlichen Einzelhandel bis zum international agierenden Konzern.

Zusätzlich engagieren sich rund 60000 Menschen in Deutschland ehrenamtlich und spenden ihre Freizeit und ihr Know-how: als Helfer vor Ort, Fahrer, Berater oder Dienstleister.

Ein paar Stunden am Tag, in der Woche oder im Monat, so wie es die persönlichen Möglichkeiten zulassen. Damit gelten die deutschen Tafeln als eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit.

Unterstützung wird immer gesucht. Jede Hilfe ist willkommen. Quelle: Tafel Deutschland e. V.

Michael Prochnow

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