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„Die Welt ist aus den Fugen geraten“

Wismar „Die Welt ist aus den Fugen geraten“

Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) steht den Lübecker Nachrichten Rede und Antwort.

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Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) im Rathaus der Hansestadt.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. Das neue Jahr 2016 ist angelaufen. Die Lübecker Nachrichten sprachen mit Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) über Vergangenes, aber auch über die Probleme, die auf die Hansestadt Wismar zugekommen sind. Ebenso wagte der Verwaltungschef einen Ausblick in die Zukunft.

Wenn Sie zurückblicken, was ist 2015 gut, aber auch schlecht gelaufen, was fällt ihnen dabei ein?

Thomas Beyer:  Es ist eigenartig, auf der einen Seite hat sich unsere Stadt gut entwickelt. Das zeigen die Stadtentwicklungsdaten, die Arbeitslosenquote ist unter zehn Prozent, die Anzahl der Beschäftigten und die Kaufkraft sind gestiegen, viele Unternehmen investieren, die Infrastruktur in der Stadt ist weiterentwickelt worden. Auf der anderen Seite ist die Welt aus den Fugen geraten. Stichwort: Terror, Krieg und Flucht. Das haben wir auch zu spüren bekommen, beispielsweise die Unternehmen, denen plötzlich Kunden weggebrochen sind. Ich denke da an die Sanktionsmaßnahmen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise. Und außerdem sind viele geflüchtete Menschen auch zu uns gekommen.

Wie viele Flüchtlinge gibt es zurzeit in Wismar?

Beyer:  Mit dem heutigen Tag sind es etwa 700 Menschen, die in Wismar entweder vorübergehend oder dauerhaft eine neue Heimat gefunden haben.

Die Menschen aus den verschiedenen Kulturkreisen sollen in Wismar integriert werden. Wie groß sind die Chancen, dass das auch gelingt?

Beyer: Mir ist bewusst, dass das aus unterschiedlichen Gründen nicht so einfach passieren wird. Aber das Entscheidende ist die Haltung und der Wille — und zwar auf beiden Seiten. Mir sagen beispielsweise viele Unternehmer, dass sie ihren Beitrag leisten wollen. Dass Ehrenamtler zur Verfügung stehen, haben wir bereits 2015 eindrucksvoll erlebt. Jetzt müssen auch Behörden, auch wir als Stadt, nachziehen und in einem guten Zusammenspiel zwischen Haupt- und Ehrenamt die Integration organisieren. Aber das wird ein langer Prozess sein, der nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist.

Integration heißt auch, die Menschen in Arbeit zu bringen. In Wismar fehlen doch Arbeitsplätze. Woher sollen die Jobs für die Flüchtlinge herkommen?

Beyer: Das ist etwas komplizierter. Natürlich brauchen wir weiter zusätzliche Arbeitsplätze. Deswegen wird beispielsweise investiert, auch im Jahr 2016, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. Das gilt für die Stadt, beispielsweise den Hafen, und für die Unternehmen gleichermaßen. Auf der anderen Seite aber können die bestehenden Firmen teilweise kaum ihren Arbeitskräftebedarf decken. Und das ist die Chance unter anderem auch für die Flüchtlinge.

An welche Berufsgruppen denken Sie da?

Beyer: Im gewerblichen Bereich der Industriebetriebe besteht dieser Bedarf, aber auch im Bereich Dienstleistungen, zum Beispiel im Hotel- und Gaststättenbereich. Voraussetzung und A und O ist das Erlernen der deutschen Sprache. Die angebotenen Einstiegskurse der Agentur für Arbeit werden in Wismar besonders stark von den Geflüchteten nachgefragt. Das ist ein gutes Zeichen!

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland reißt nicht ab. Wie viele kann die Hansestadt Wismar noch verkraften?

Beyer: Eine genaue Zahl kann ich gar nicht nennen. Außerdem hatte ich bisher nicht das Gefühl, dass die Stadt, damit meine ich die Stadt insgesamt, überfordert ist. Im Gegenteil! Aber wenn wir an Grenzen stoßen sollten, dann werden wir es auch klar sagen.

Falls die Zahl der Flüchtlinge im Sommer deutlich wieder ansteigen sollte, werden Sie dann Turnhallen als Notunterkünfte sperren lassen?

Beyer: Das hab ich bisher ausschließlich als allerletzte Möglichkeit gesehen. Und dabei wird es auch bleiben. Also, möglichst nein!

Die Silvesternacht in Köln hat die Willkommenskultur auch in Wismar verändert. Nun gibt es auch Zahlen, wonach Asylbewerber hier in Deutschland straffällig geworden sind. Diese Zahlen wurden bisher unter der Decke gehalten. Gibt es auch Fälle, die sich hier in Wismar ereignet haben, aber verschwiegen wurden?

Beyer: Solche Fälle kenne ich nicht. Ich halte auch nichts davon, irgendetwas zu verschweigen. Regelmäßig treffe ich mich mit unterschiedlichen Behörden, auch mit der Polizei, und frage nach der Sicherheitslage. Das wird mir auch offen beantwortet. Aber ich möchte noch was zur Willkommenshaltung sagen. Auch nach Köln gibt es keinen Grund, hier etwas zu verändern. Was in Köln passiert ist, ist schlimm und muss geahndet werden. Aber zu denken, dass alle Flüchtlinge genauso sind, ist doch Unfug. Nach Wismar ziehen in jedem Jahr circa 2500 Menschen, etwas weniger ziehen wieder weg.

Das verändert die Stadt, aber das ist nichts, wovor wir Angst haben müssten. Gleiches gilt für die Flüchtlinge.

Das Jahr 2016 hat vor wenigen Tagen begonnen. Wie wird sich Wismar in diesem Jahr infrastrukturell verändern?

Thomas Beyer: In diesem Jahr wird wieder kräftig gebaut. Die Brücke Bohrstraße wird fertiggestellt. Mit der Erneuerung der Kreuzung Schweriner Tor werden wir beginnen, genauso mit dem ersten Bauabschnitt in der Mecklenburger Straße und der Sanierung der Zeughausstraße. Am Kagenmarkt wird das neue Feuerwehrgerätehaus gebaut. Der Altstadttreff wird aus der ABC-Straße in das ehemalige Café Lindengarten, das auch saniert wird, umziehen. Im Alten Hafen werden wir mit der Investition Kreuzfahrtanleger beginnen. Ein privater Investor will den Ohlerich-Speicher sanieren und umbauen. Dort sollen Ferienwohnungen entstehen. Und der Entsorgungs- und Verkehrsbetrieb wird mit dem Bau des neuen Parkhauses am Alten Hafen beginnen. Wir setzen die Sanierung des Museums fort, die städtischen Seniorenheime bauen neue altengerechte Wohnungen im Stadtteil Friedenshof. Im gleichen Stadtteil wird die Perspektive gGmbH eine neue Kindertagesstätte, auch mit 24-Stunden-Plätzen, errichten. Eine der größten Investitionen beginnt mit der Erweiterung des Seehafens. Außerdem sollen weitere Wohnbauflächen, zum Beispiel durch die Wohnungsbaugesellschaft, am Friedenshof erschlossen werden.

In der Bürgermeister-Haupt-Straße wollen Investoren eine neue überdachte Sportarena für 10000 Menschen bauen. Viele Wismarer halten das für einen Aprilscherz. Ist das einer?

Beyer (lacht): Wir sind da noch sehr am Anfang. Der Investor will in diesem Monat ein Konzept, insbesondere ein Finanzierungskonzept, auf den Tisch legen. Ist das Konzept schlüssig, sollten wir es unterstützen. Ich hatte schon bisher den Eindruck, dass der Investor es ernst meint. Das muss er jetzt belegen.

Was passiert mit den alten Sportanlagen?

Beyer: Bezüglich des Kurt-Bürger-Stadions und der großen Sporthalle an der Bürgermeister-Haupt-Straße hoffen wir auf Fördermittel, dann werden auch dort dringend notwendige Sanierungen vorgenommen.

Stichwort: Veranstaltungen! Was kann sich die Stadt 2016 leisten?

Beyer: Das Veranstaltungsprogramm, das ja von vielen Vereinen, Privatpersonen und auch von der Stadt getragen wird, kann sich wirklich sehen lassen. Wir werden wieder fantastische Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern erleben. Natürlich werden wieder das Schwedenfest, aber auch das Straßentheaterfest „boulevART“ sowie die Jedermann-Festspiele, diesmal zusätzlich mit dem „Faust“, stattfinden. Das sind nur einige Beispiele. Es gibt so viele gute kleine und große Veranstaltungen. Allerdings können wir nicht alles finanzieren. Insofern freue ich mich, dass viele Sponsoren zur Verfügung stehen.

Zum Schluss noch eine Frage: Das Thema Parken in der Altstadt erregt nach wie vor die Gemüter. Werden die Politessen bezahlt, wie viele Knöllchen sie am Tag verteilen?

Beyer (lacht): Nein, ganz gewiss nicht! Sie haben das Recht durchzusetzen. Mehr nicht. Es gibt hier immer unterschiedliche Auffassungen: Die einen fordern mehr Fingerspitzengefühl, die anderen wiederum ein härteres Durchgreifen gegen Parksünder. Deshalb ist es richtig, dass sich unsere Politessen an die gesetzlichen Vorgaben halten!

Interview von Peter Preuß

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