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Die geheimnisvolle Schönheit

Serie „Ungelöste Kriminalfälle“ Die geheimnisvolle Schönheit

Kaum ein Ereignis hat in Boltenhagen so für Aufsehen gesorgt wie das Auftauchen der Nymphe am Neujahrstag 2005. Bis heute gibt es mehr Fragen als Antworten.

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Dieses Motiv ging damals bundesweit durch die Medien.

Quelle: Prochnow

Boltenhagen. Am Neujahrstag im Jahr 2005 tauchte die Nixe von Boltenhagen auf einem Stein am Strand von Redewisch auf. Niemand wusste, wie die Skulptur dorthin gekommen und wer dafür verantwortlich war.

Die geheimnisvolle Schönheit ging bundesweit durch die Medien, denn das Rätsel um die Hintergründe der Nixe ist bis heute nicht vollständig geklärt. Dieter Dunkelmann war damals Kurdirektor in Boltenhagen. In den ersten Tagen des Jahres 2005 gab er Interviews im Stundentakt. Die Nixe, soviel steht fest, hat Boltenhagens Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Der ehemalige Kurdirektor, der mittlerweile im Ruhestand ist, erinnert sich im Interview an die turbulente Zeit im Ostseebad.

Wie war Ihre Reaktion, als die Nixe aufgetaucht ist?

Wir waren alle angenehm überrascht, da es etwas Neues für Boltenhagen war und zudem noch zu unserem Ostseebad passte. Die Nixe war ein riesiger Touristenmagnet.

Die wichtigsten Zahlen

Januar 2005: Am Neujahrsmorgen taucht die Nymphe/Nixe auf. Tausende strömen in den Tagen darauf an den Redewischer Strand. Viele halten die Meldung für einen Scherz.

April 2005: Souvenirartikel werden auf den Markt gebracht.

Juli 2005: Ein Verkaufspavillon in der Nähe des Standortes öffnet.

August 2005: Das Grevesmühlener Bauordnungsamt schreitet ein, der Pavillon hat keine Genehmigung und wird wieder geschlossen.

Dezember 2005: Widerstand gegen die Vermarkter der Nymphe regt sich.

Februar 2006: Die damalige Bürgermeisterin äußert sich öffentlich über die Meerjungfrau, kritisiert den Hype um die Skulptur.

27./28. Februar 2006: Die Nymphe verschwindet aus Boltenhagen.

April 2007: In Travemünde taucht die Nixe am Strand wieder auf.

Juni 2007: Ein betrunkener Autofahrer rammt die Skulptur, sie verschwindet daraufhin spurlos.

LN

War der Touristenanstieg denn deutlich zu merken?

Ja, das war er durchaus. Zwar nicht gleich am ersten Tag, aber die Presse (OZ, LN, Bild, ARD, ZDF, RTL und viele andere Medien) hat viel darüber berichtet, weil dieses Geschehen etwas Einmaliges und Interessantes war. Die Gästezahlen sind schnell gestiegen, vor allem was Tagesbesucher betraf. Selbst Busreisen sind organisiert worden, um die Nixe zu betrachten. So etwas brachte die Besucherzahlen positiv nach oben.

Was hatte das Auftauchen der Nymphe für Folgen für Boltenhagen?

Erst einmal hatte dieses Ereignis vor allem positive Auswirkungen auf uns. Nur leider hat dieser Effekt nicht lange durchgehalten, weil Neid und Missgunst der Gewerbetreibenden in den Vordergrund gerieten. Viele haben versucht, durch und mit der Nixe Geld zu verdienen, zum Beispiel mit Postkarten und anderen Souvenirartikeln. Die damaligen Urheber wollten sich daran beteiligen und es entstand ein Streit wegen der Urheberrechte, bis die Nixe dann verschwand.

Wie stehen Sie persönlich zu diesen Streitigkeiten? Denken Sie, dass es wirklich nötig war?

Ich fand es sehr schade, da die Nixe ja schon sehr schön war. Jedoch ist es ja bis heute noch nicht raus, wer die Nixe dort hingestellt und sie abmontiert hat.

Wie war Ihre Reaktion, als die Nixe genauso plötzlich verschwand, wie sie auftauchte?

Ich war schon ein wenig enttäuscht, da sie später noch kurze Zeit in Travemünde wieder auftauchte. Dort wurde sie zerstört, das ist kein gutes Ende der Geschichte.

Werden Sie heute noch oft mit diesem Thema konfrontiert?

Da ich nicht mehr aktiv als Kurdirektor tätig bin, eher weniger. Aber ich bin viel unterwegs und wenn man auf seinen Reisen Leute kennenlernt, die fragen, wo man herkommt, erinnert sich schon so mancher an dieses Ereignis. Allgemein erinnern sich viele noch daran, weil es,wie man heute sagen würde, einen großen Hype ausgelöst hat.

Würden Sie sich wünschen, dass die Nixe wiederkommt?

Ich weiß nicht, ob es noch mal denselben Effekt auslösen würde wie damals vor zwölf Jahren. Der Überraschungseffekt mit der Nixe war natürlich positiv, man kann so etwas nicht wiederholen. Dennoch wäre dieselbe Nixe auf demselben Stein vielleicht ein Hingucker. Wer weiß.

 Interview von Antonia Wigger

Die Nixe als Geschäftsmodell

Mit dem Auftauchen der Nixe am Neujahrstag 2005 setzte in Boltenhagen ein bis dahin unbekannter Hype ein. Hunderte Besucher strömten an den Redewischer Strand, bundesweit wurde über die Skulptur berichtet. Es dauerte nicht lange, da kamen die ersten Geschäftsleute auf die Idee, die Nixe zu vermarkten. Auf Tassen und Souvenirs wurde die Damen gedruckt und verkauft.

Dann kam der Ärger.

Zwar wusste immer noch niemand, wer die Nixe auf den Stein gesetzt hatte. Doch die Firma Nymphenworld, bestehend aus Kathrin Nonnenmacher (später Kathrin Neuffer) und Markus Neuffer, hatte sich die Rechte an der Nixe gesichert und kassierte kräftig ab.

Im Juli 2005 tauchte in der Nähe des Nymphen-Standortes ein Verkaufspavillon auf, der alles vermarktete, was mit der Skulptur zu tun hatte. Einziges Problem: Der Betreiber, die Firma Nymphenworld, hatte die Rechnung ohne das Bauamt gemacht. Ohne Genehmigung musste der Pavillon schließen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich ein heftiger Streit um die Rechte an der Boltenhagener Attraktion. Der Besuchermagnet wurde zum geschäftlichen Problem in der Gemeinde. Die damalige Bürgermeisterin Christiane Meier erklärte schließlich, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn die Nixe niemals aufgetaucht wäre.

In der Nacht auf den 28. Februar 2006 verschwand die Nixe genauso unerwartet, wie sie aufgetaucht war. Die Polizei ermittelte, doch es gab weder Spuren noch Hinweise. Dafür jede Menge Gerüchte. Die erhielten noch einmal Nahrung, als die Ostsee-Nymphe im April 2007 auf einem Findling in Travemünde auftauchte, wo sie im Sommer schließlich durch einen betrunkenen Autofahrer zerstört wurde.

Die Idee, eine neue Nixe aufzustellen, gibt es immer noch . . .

LN

Echt oder Fake: Die Nymphe vor Gericht

Das Medienaufgebot war gewaltig. Als im November 2009 das Verfahren vor dem Grevesmühlener Amtsgericht gegen Kathrin und Markus Neuffer begann, richteten sich alle Augen auf die ehemalige Schönheitskönigin, die unter ihrem Mädchennamen Nonnenmacher Modell gesessen hatte für die Plastik.

LN-Bild

Kathrin Neuffer gilt als Vorbild für die Skulptur.

Quelle: Foto: Michael Prochnow

Sie hatte zusammen mit ihrem späteren Ehemann Anzeige wegen Diebstahl erstattet, als die Nixe im Februar 2006 von ihrem Stein verschwand. Die Auffassung, dass es sich dabei im eine PR-Aktion handelte, vertrat auch die Staatsanwaltschaft. Was schließlich zur Anklage und zur Verhandlung führte. Und zu dem Ergebnis, dass bis heute niemand weiß, wie viele Skulpturen eigentlich existierten und wo die echte Nixe abgeblieben ist. Am Ende wurden Kathrin und Markus Neuffer freigesprochen.

Ein Gutachter hatte im Auftrag der Staatsanwaltschaft die zweite Nixe in Travemünde untersucht und abschließend festgestellt, dass mehr dafür als dagegen spreche, dass es nur eine Statue gebe. Dieses Fazit zog der Gutachter überraschend zurück, nachdem der Geschäftsführer einer Bronzegießerei und Hersteller der Nymphen, beteuert hatte, dass er vor etwa acht Jahren die erste Figur im Auftrag der Familie Neuffer hergestellt hatte und nach dem Diebstahl im Frühjahr 2006 die zweite – für Travemünde, die kurz darauf bei einem Unfall zerstört worden war.

Die Definition: In der Presse heißt die Skulptur die „Nixe von Boltenhagen“, doch die Experten ließen nicht lange auf sich warten. Sie sei nämlich keine Nixe. Denn: Eigentlich würde es sich um eine Meerjungfrau handeln. Nixen und Nymphen seien Fabelwesen, die zwar – vor allem die Nixen – auch mit einem Fischschwanz dargestellt würden, aber ansonsten auf zwei Beinen laufen würden.

Die Folge war eine rege Debatte um die Begriffe, die es für eine solche Fabelgestalt gibt. Allen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz setzte sich der Begiff „Nixe von Boltenhagen“ am Ende durch. Auch wenn es einigen Experten ein Gräuel ist – so heißt die geheimnisvolle Schönheit bis heute.

LN

 

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