Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Die größte Barriere ist der Vorbehalt
Lokales Nordwestmecklenburg Die größte Barriere ist der Vorbehalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 18.10.2012
Nordwestmecklenburg

Grevesmühlen – Es klingelt zum Unterricht. Die Schüler laufen die Treppe hoch in ihren Klassenraum. An der Tafel stehen die Aufgaben. Sie nehmen ihre Hefter raus und notieren ihre Ergebnisse. Klingt nach Alltag in der Schule – der über Bord geworfen werden muss, wenn das realisiert wird, was in aller Munde ist: Inklusion. Der Rollstuhlfahrer würde an der Treppe scheitern, der Sehbehinderte an den Aufgaben an der Tafel. Von der Politik mit Eifer verfolgt, sind längst noch nicht alle pädagogischen Einrichtungen darauf vorbereitet. „Die Schule muss barrierearm sein, das Lehrmaterial wird umfangreicher und damit kostenintensiver“, zählt Simone Oldenburg vom Verein zur Förderung des kulturellen und sozialen Gemeinschaftsleben der Gemeinde Gägelow (KuSo) nur einige Sachen auf. Zusammen mit dem Landkreis und dem Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg lädt dieser am 26. Oktober von 9 bis 15 Uhr zu einer Inklusionsveranstaltung mit Fachreferaten und Erfahrungsberichten in die Malzfabrik in Grevesmühlen ein – vorrangig, um Vorbehalte abzubauen. „Inklusion ist keine ansteckene Krankheit“, umschreibt Simone Oldenburg. Es gebe aber auch kein Backrezept dafür. Es sei ein Prozess des Wachsens.In Nordwestmecklenburg lernen zwei behinderte Schüler an einem Gymnasium; einer ist sehbehindert, der andere Schüler sitzt im Rollstuhl. Der Landkreis als Schulträger war gefragt, an den Schulen bauliche Veränderungen vorzunehmen. Das Blindenlesegerät allein hat nach Aussage von Gudrun Sturmheit, Leiterin des Fachdienstes Bildung und Kultur, 15 000 Euro gekostet. Im Interesse des Schülers hat der Landkreis diese Ausgabe getätigt. „Aber das Schulsystem“, moniert Karin Laudon als Leiterin der Evangelischen Inklusiven Schule in Schönberg, „ist an seine Grenzen geraten.“ Nicht nur politische, auch pädagogische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden. Alles Unbekannte macht Angst, und so bei manchen Pädagogen auch das Thema Inklusion. Nicht zuletzt, weil es nach Aussage von Simone Oldenburg „durch Henry Tesch (ehemaliger Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes, Anm. d. Red.) übereilt begonnen worden ist.“ Sie will das Bewusstsein schaffen: Es ist normal, verschieden zu sein.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wasserspritzen, Discgolf, Boccia – das bunte Programm der 8. Strandspiele am Sonnabend in Boltenhagen.

18.10.2012

Grevesmühlener Lidahilfe erreicht Weißrussland. Bei den Empfängern herrscht große Freude über die Hilfsgüter.

18.10.2012

Sigrid und Holger Jaschinski sind für die schnelle Hilfe nach dem Feuer in einem Eckhaus in der Altstadt dankbar.

18.10.2012