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Nordwestmecklenburg Dörfer der Region: Hohen Schönberg
Lokales Nordwestmecklenburg Dörfer der Region: Hohen Schönberg
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20:35 11.01.2018
Susanne Braun vor dem Teil des ehemaligen Waldarbeiterkatens, den sie jetzt selbst bewohnt. FOTOS (6): CORNELIA ROXIN

Die Vorfahren der Familie Göllnitz in Hohen Schönberg waren Schmiede und Gastwirte, die immer auch ein klein wenig Landwirtschaft betrieben. Jetzt sind auf dem Flecken Erde an der Kalkhorster Straße in dem Gebäudekomplex mit den Hausnummern 13 und 14 schon in zweiter Generation Tierärzte zu Hause. Manfred Göllnitz mit Blick auf seine drei Enkelkinder: „Ich hoffe, dass ein Göllnitz die Tradition weiterführt.“ 1990 eröffnete der heute 71-Jährige die Tierarztpraxis. Sohn Knut hat die Praxis übernommen.

Die Vorfahren der Familie Göllnitz in Hohen Schönberg waren Schmiede und Gastwirte, die immer auch ein klein wenig Landwirtschaft betrieben.

Die Serie

Jede Woche stellen die LN ein Dorf aus dem Landkreis vor. Dabei werden Geschichten von Menschen erzählt, die dort leben, über Veränderungen berichtet, die sich vollzogen haben, über die Sorgen der Einwohner, was sich entwickelt hat oder noch entwickeln soll. Metelsdorf ist im nächsten Teil an der Reihe.

„Aus einer Wald-und-Wiesenpraxis ist eine moderne und hoch spezialisierte Einrichtung geworden“, sagt Manfred Göllnitz stolz. Er und seine Frau Regina (70) sitzen auf der Veranda ihres Hauses. Sie ist dort entstanden, wo sich einst der Saal des noch bis 1975 „Zum Lindenkrug“ genannten Gasthauses befand. Die Praxisräume gegenüber stünden auch auf Saalboden, verdeutlicht Manfred Göllnitz die Ausmaße das Raumes, der lange Zeit als der größte zwischen Klütz und Dassow galt. 1975 wurde eine Außenwand abgerissen, sodass der kleine Innenhof zwischen Veranda und Praxis entstand.

Wie sich das Aussehen der Göllnitz-Immobilie im Laufe der Jahrhunderte veränderte, dokumentieren historische, im Hause Göllnitz ausgehängte Fotografien. Sorgsam in einer Mappe abgelegt hingegen befindet sich eine Urkunde aus dem Jahr 1771. Da war der Erbpachthof aus der Grafschaft Bothmer abgelöst worden. Die Namen Wendland und Godknecht tauchen als Vorfahren auf, bevor mit dem 1854 in Brook geborenen Heinrich Heinsz der Urgroßvater von Manfred Göllnitz aktenkundig wird. Er kann heute von sich behaupten, der letzte noch in Hohen Schönberg geborene Einwohner zu sein.

In einem Fotoalbum blätternd, erzählt Göllnitz auch über den Bau des trigonometrischen Turmes 1956 auf der „Hoher Schönberg“ genannten Erhebung. Heute steht nicht weit entfernt von dem Punkt eine Aussichtsplattform. Die Vermessungsingenieure wohnten 1956 in der elterlichen Gastwirtschaft. Die übrigens hatte auch seine Eltern zusammengeführt. Sein Vater war 1935 für die Deutsche Reichsbahn als Stückgutzubringer unterwegs und machte in der Schmoockschen Wirtschaft immer um 10 Uhr Pause, lernte dabei seine Gerda kennen. Auch dieses Paar führte Schmiede und den „Lindenkrug“

weiter.

Dass Manfred Göllnitz später nicht auf der erweiterten Oberschule sein Abitur machen durfte, führt er darauf zurück, dass die Familie die Gastwirtschaft immer noch privat führte. Der später diplomierte Veterinär machte trotzdem sein Abitur, zeitgleich mit der Berufsausbildung zum Rinderzüchter. Nach dem Staatsexamen stieg er 1972 in die staatliche Tierarztgemeinschaftspraxis in Klütz ein. Nach der Wende war Manfred Göllnitz einer der ersten Tierärzte, die sich in der Region niederließen. Kein einfacher Weg. Er erzählt von abnehmenden Tierbeständen mit dem Niedergang der LPGen.

Bis nach Ribnitz-Damgarten dehnte er seinen Wirkungsbereich aus. Familie Göllnitz vermietete zusätzlich wieder, um sich über Wasser zu halten. „Ich habe sogar Wäsche für die Pension gewaschen“, erzählt der Tierarzt, der auch zu den Mitbegründern des Tierärzteverbandes in der Region gehörte und sich ebenfalls in die Gemeindevertretung einbrachte. Von seinen Kindern wollte er sich später nicht nachsagen lassen, sich nicht beteiligt zu haben.

Auch das gibt’s im Dorf

Das landwirtschaftliche Geschehen dieser Tage wird vom Gut Hohen Schönberg und dem Landwirtschaftsbetrieb Tralau bestimmt. Auf Bio-Qualität wird bei Acker- und Gartenbau sowie Tierzucht auf dem Hof Hoher Schönberg gesetzt, auch ein Hofladen ist dort eingerichtet worden. Das Ostseehotel „Klützer Winkel“ und auch die Tischlerei Wulff ist aus dem Ort nicht mehr wegzudenken.Die Outdoor-Galerie „Mooin“ macht an der Ortsdurchgangsstraße auf den Bildhauer und Tischlermeister Thomas Brokopp aufmerksam. Die Galerie eröffnete er 2014 mit seiner Frau Petra Schwermer-Brokopp, die eine Praxis als Heilpraktikerin betreibt. Die Aussichtsplattform Hoher Schönberg gibt es ebenfalls seit 2014. Aus gut 92 Metern Höhe bietet sich dort ein Rundblick bis zur Ostsee hin. coro

Sanierungsfall über Jahre hinweg: Waldarbeiterkaten

Als Garten- und Landschaftsplanerin im Forstweg und dann auch noch in einem ehemaligen Waldarbeiterkaten zu leben, das hat schon was. Das alles trifft auf Susanne Braun zu. Der 51-Jährigen gehört das wahrscheinlich 1866 gebaute Haus, das sie 1997 gekauft und in jahrelanger Kleinarbeit mit vielen Eigenleistungen, aber auch finanzieller Unterstützung über die Dorferneuerung, saniert hat. Heute leben neben der gebürtigen Dresdenerin, die schon im Frühjahr 1993 in eine leerstehende Wohnung einzog, noch zwei weitere Parteien im Haus. Auch ein altes Stallgebäude gehört zum Gehöft, es ist ebenfalls zum großen Teil saniert worden.

Wird Susanne Braun nach dem Zustand des Katens vor der Sanierung gefragt, fallen immer wieder die Worte „abenteuerlich“ und „dramatisch“. Selbst der Kauf des Hauses vom Land gestaltete sich so. Der Kaufinteressent nämlich musste nachweisen, dass die Immobilie dem Land gehört. Das war in Ermangelung eigener Kapazitäten damals nicht in der Lage, den Eigentumsnachweis zu führen. Also fuhr Susanne Braun nach Schwerin und setzte sich ins Landesarchiv. Alles, was sie dort zusammentrug und erfuhr, „hat die Bindung zum Haus noch mehr gestärkt“, sagt sie heute. Seitdem weiß sie auch, dass die Immobilie einst zum Fideikomiss der Bothmers gehörte und damit als unveräußerlich und unteilbar galt.

Anschaulich berichtet Susanne Braun außerdem von einer dubiosen Abflussgrube an der Hausaußenseite, wo innen der Wasserhahn war, und von einer Treppe, die über den Küchenherd hinweg ins Obergeschoss führte. Hinzu kam, dass sie offenbar in grober Sägearbeit anderenorts entfernt und für den Katen passend gemacht worden war. Die Treppe führt von Susanne Brauns Küche aus immer noch nach oben, allerdings an anderer Stelle.

Zu den Dingen, die bleiben durften, gehören auch die verschiedenen Türeinfassungen, die im Katen wohl ebenfalls nicht ihre erste Verwendung fanden. Die Stalltüren darin haben immer noch ihre schneckenförmig geschmiedeten Riegel, die nur ein Meister seines Faches so kunstvoll hinbekommen haben kann, weiß Susanne Braun von einem Schmied.

Nach dem intensiven Bauen hat sie 2017 das erste Mal gesagt: „Jetzt bin ich fertig.“ Und warum das Ganze? „Weil alte Häuser schön sind.“ coro

Zahlen und Geschichte

Hohen Schönberg gehört zu den elf Orten, die die Gemeinde Kalkhorst bilden. Das jetzt 100 Einwohner zählende Dorf (Stichtag: 28. Dezember 2017) wurde urkundlich das erste Mal 1230 als Sconeberge im Zehntenregister des Bischofs von Ratzeburg erwähnt.

1639 gilt der Ort nach dem Dreißigjährigen Krieg als völlig zerstört und verlassen. Knapp 40 Jahre später kehren die ersten Einwohner zurück und beginnen mit dem Wiederaufbau. Drei Männer der Familie Tralau (Daniel, Johann und Peter) sowie deren Angehörige sind es. Noch heute leben Nachfahren von ihnen im Dorf. 1800 werden in der Geschichtsschreibung erstmals Schule und Schmiede erwähnt. Acht Hauswirte soll es damals im Dorf gegeben haben.

Geht es um Besitz von Grund und Boden, tauchen über die Jahrhunderte immer wieder die Familiennamen von Parkentin, von Both, von Plesse und von Bothmer auf.

1855 hat Hohen Schönberg nur elf Einwohner mehr als heute, 1945 aber war die Anzahl durch Flüchtlinge und Vertriebene auf 525 angestiegen. 1966 wird eine junge Verkäuferin auf dem Heimweg von Kalkhorst nach Hohen Schönberg brutal ermordet. Der Täter wird erst ein Jahr später gefunden.

Quelle: Chronik Gemeinde Kalkhorst, III, von Manfred Rohde

Cornelia Roxin

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