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Nordwestmecklenburg Drei-Gänge-Menü für das Zeugnis
Lokales Nordwestmecklenburg Drei-Gänge-Menü für das Zeugnis
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23:41 20.01.2017
Koch-Azubi Ricardo Weber (19) beim Braten von Dorschfilet. Er machte sein Hobby zum Beruf. Quelle: Fotos: Peter Preuss
Gägelow

Der 19-jährige Ricardo Weber steht in der Küche des Wyndham Garden Hotels in Gägelow und hebt mit einer Gabel vorsichtig ein Stück Dorschfilet aus einer Blechform in die Pfanne. Er muss den Fisch für das Drei-Gänge-Menü zubereiten. Allerdings nicht für die Hotelgäste. Denn es ist Prüfungstag. Der Koch-Auszubildende aus dem Tarnewitzer Hof in Boltenhagen muss wie seine drei anderen Mitstreiter für die Prüfungskommission der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin (IHK) drei Gänge auf den Tisch bringen, die aus einem vorgegebenen Warenkorb kreiert werden müssen.

Sieben Azubis im Hotel- und Gastgewerbe absolvieren ihre Abschlussprüfung.

Ricardo Weber hat sich für eine Brokkoli-Samtsuppe mit pochiertem Ei und gerösteten Brotwürfeln als Vorspeise entschieden. Gebratenes Dorschfilet in Kräuterkruste mit Lauch-Apfel-Gemüse und Thymianrisotto ist der Hauptgang. Als Dessert wird Mohn-Panna-Cotta mit Erdbeersauce und Vanillecreme und Schokoladenfäden zubereitet.

Thomas Hönsch (49), Prüfungsleiter und Chefkoch der Ostsee-Klinik Poel, schaut den Auszubildenden über die Schulter. „Die machen ihre Sache ganz gut“, meint der 49-Jährige, den es mit seiner Frau vom Bodensee an die Ostsee verschlagen hat. Trotzdem grummelt er. „Wir haben nicht nur ein Fachkräftemangel in der Gastronomie, sondern auch einen Fachkräftemangel in der Ausbildung“, sagt Thomas Hönsch.

„Viele Auszubildende werden heute in den Betrieben als billige Arbeitskräfte gesehen. Da bleibt die fachliche Anleitung auf der Strecke“, sagt er enttäuscht. „Hier muss sich schnell was ändern.

Schließlich will ja Mecklenburg-Vorpommern Tourismus- und Gesundheitsland sein“, ergänzt der Prüfungsleiter. Während Thomas Hänsch weiter kritisch in die Runde schaut, schwenkt Ricardo Weber weiter die Bratgabel. „Ich habe schon als Junge gerne für meine Oma gekocht. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. So habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen. Anna Zirkel (24) steht an der Arbeitsplatte und knetet aus einem Brei Thronenkartoffeln, die aber für das andere Menü bestimmt sind. Die Thronenkartoffeln werden zur Wildschweinkeule gereicht. Ihre Ausbildung absolviert Anna Zirkel im Bio-Hotel in Stellshagen. „Da fange ich nicht mehr an. Ich will auf Reisen gehen, zuerst nach Rheinlandpfalz und Hessen, später nach Frankreich und Italien“, sagt die 24-Jährige.

Während in der Küche fleißig gearbeitet wird, legen die angehenden Hotelfachfrauen und ein Hotelfachmann im Saal letzte Hand an. Falten Servietten, legen die Bestecke zurecht und schauen, ob die Gläser richtig in Position stehen. Unter ihnen ist Javier Arnal Ucles (28) aus Spanien. Er ist seit August 2013 in Deutschland und wird in Boltenhagen im Tarnewitzer Hof als Hotelfachmann ausgebildet. „Ich fühle mich hier sehr wohl, obwohl die Deutschen einen ganz anderen Lebensstil haben als wir. Sie sind pünktlich, sehr für Ordnung. Bei uns geht es gelassener zu“, schmunzelt er.

Dann kommt der Moment, wo alles klappen muss. 16 geladene Gäste nehmen an den vier Tischen Platz. Susanne Schulz, Ausbildungsberaterin für gastronomische Berufe bei der IHK, erläutert, welche Aufgaben die Auszubildenden vorher gestellt bekommen haben. Am Ende bestehen alle sieben Auszubildenden ihre Prüfung. „Die Noten lagen zwischen zwei und vier“, lüftet Jane Richter, Teamleiterin vom Jugendförderverein Parchim-Lübz, Standort Wismar, das Prüfungsgeheimnis.

 Peter Preuß

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