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Nordwestmecklenburg „Egal, was kommt: Plüschow bleibt Plüschow“
Lokales Nordwestmecklenburg „Egal, was kommt: Plüschow bleibt Plüschow“
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20:53 22.06.2017
Dorfkirche Friedrichshagen: Radwandererziel und Ort von Veranstaltungen.
Plüschow

Eine ehemals Einheimische, zwei „Noch-immer-Einheimische“ und eine einhellige Meiung: Plüschow ist ein romantisches, ruhiges Dorf, umgeben von wundervoller Natur – und egal, was kommt, auch wenn es demnächst zu Upahl gehören sollte – Plüschow bleibt Plüschow. Noch eines wird klar, wenn man sich mit Plüschowern unterhält: Das Schloss ist das Herz des Dorfes und der Gemeinde – nicht erst, seit es das Mecklenburgische Künstlerhaus beherbergt.

Ehemalige und Einheimische erzählen, was sie am Dorf besonders lieben.

Aufgewachsen, weggegangen – immer wiederkommen

Regina Hacker (60), Pressesprecherin von Grevesmühlen, ist in Plüschow aufgewachsen. „Das Schloss“, erzählt sie, „war schon immer Mittelpunkt des Lebens hier.“ Auch deshalb ist sie froh, sagt sie, dass die Künstler das geschichtsträchtige Gutshaus erhalten. In Regina Hackers Kindheit und Jugend befanden sich im Schloss noch Wohnungen, eine Kneipe, der Kindergarten und das Büro der Gemeinde.

Wenn sie heute das Schloss besucht, sagt sie, „ist es noch immer der gleiche Geruch, dasselbe Gefühl wie damals“.

Ihre Eltern haben sich im Dorf kennengelernt. Ihr Vater, ein „echter Plüschower“, wie sie sagt. Regina Hackers Mutter gelangte in den Wirren des Zweiten Weltkrieges nach Plüschow. Sie wohnte damals zunächst im Schloss, wie so viele Kriegsflüchtlinge. Nach der Hochzeit zog sie in das Elternhaus ihres Mannes – dort, wo Regina Hacker und ihre beiden Brüder aufgewachsen sind, links hinter dem Schloss. „Von dort aus hatten wir einen guten Blick auf das Schloss von hinten, auf seinen Park und die Wiesen rundherum“, erzählt sie. Es ist genau dieser Blick, an den sie sich heute noch gern erinnert. Auch an die Geborgenheit, die ihr Aufwachsen in Plüschow geprägt hat. „Das Dorf war – und ist es heute noch – so romantisch eingebettet in die Natur“, sagt sie. „Wir Dorfkinder haben damals immer draußen gespielt, zusammen und bei jedem Wetter.“ Sie liebt es immer noch, sagt sie auch, im Frühjahr im Everstorfer Forst unweit Plüschows spazieren zu gehen. „Wundervoll, die Teppiche aus Anemonen“, schwärmt sie. Nach dem Studium in Berlin kehrte sie in ihre Heimat zurück und lebt seitdem in Grevesmühlen, nicht weit von Plüschow entfernt.

Schöner Ort, um in Ruhe zu leben

Zwei andere Plüschower, denen ihr Dorf ebenfalls viel bedeutet, sind hier geblieben.

Ulf-Peter Schwarz (56), der den Nordwestmecklenburg-Verlag in Grevesmühlen leitet, ist in Naschendorf – das, wie die Ortsteile Hilgendorf, Meierstorf, Friedrichshagen und Waldeck zur Gemeinde Plüschow gehört – aufgewachsen. Seit 1985 wohnt er direkt in Plüschow, „im Kerndorf“, wie er sagt. Er schätzt Ähnliches an Plüschow wie Regina Hacker: „Die Ruhe und die Natur, ich möchte nirgendwo anders leben.“ Auch er erinnert sich noch genau daran, wie es früher auf dem Schloss zuging, als er noch ein Kind und dann ein Jugendlicher war. „Das war ganz klar das Herzstück des Dorfes. Da wurde im Erdgeschoss Kino gemacht, Disko fand da statt. In den 60er Jahren habe ich im Schloss Mandoline spielen gelernt. Damals kam extra ein Lehrer mit dem Zug angefahren.“ Die Bahnstation gibt es noch heute, inzwischen allerdings halten Züge hier nur noch auf Bedarf. Früher, erzählt Ulf-Peter Schwarz, befand sich auch noch ein Friseur, ein Arzt, eine Bücherei in den Häusern links neben dem Schloss, die ein Landesfürst einmal für kinderreiche Familien, die auf dem Gut arbeiteten, hatte bauen lassen. Dort, wo auch Regina Hacker in ihrer Kindheit wohnte.

Andreas Arndt (35) ist im „Kerndorf“ Plüschow aufgewachsen und lebt heute mit Frau und zwei Söhnen (6 und 2 1/2 Jahre alt) in Meierstorf – das auch zur Gemeinde gehört. Als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Plüschow engagiert er sich ehrenamtlich für seine Gemeinde. „Auch ich mag ganz besonders die Ruhe hier“, sagt er, „und ich konnte meine Frau sogar davon überzeugen, dass sie hierherzieht.“ Andreas Arndt und seine Frau haben sich jung kennengelernt – er war 18, sie erst 15 und überzeugte Wismaranerin – „up’s dörp“ wollte sie früher nie. Inzwischen, sagt ihr Mann, liebt sie es.

Das mit der Feuerwehr in der Familie Arndt ist „Tradition“, sagt Andreas Arndt. Schon sein Großvater und Vater waren mit dabei. Inzwischen ist Andreas Arndt sogar Wehrleiter. Ob einer seiner Söhne mal in seine Fußstapfen tritt, das wird sich zeigen. „Man weiß ja nicht, wo und welche Berufe sie mal erlernen, ob sie aus der Gegend wegmüssen oder wollen“, sagt er – und setzt dann hinterher:

„Man darf auch nicht vergessen, Feuerwehr ist ein Ehrenamt, das viel Zeit erfordert, die nicht honoriert wird. Es wird immer schwerer, den Nachwuchs davon zu begeistern.“

Nerven braucht man außerdem dafür. Der schlimmste Vorfall, an den er sich als Feuerwehrmann erinnern kann, passierte im Jahr 1997. Damals war er erst 16 Jahre alt. Durch den Ausbruch eines Feuers in einem Haus – wieder links hinter dem Schloss – kam eine ganze Familie ums Leben: Vater, Mutter und eine vierjährige Tochter. Die Bilder hat Andreas Arndt immer noch im Kopf.

Vier Wünsche für die Zukunft von Plüschow

Käme eine gute Fee vorbei und würde Ulf-Peter Schwarz und Andreas Arndt vier freie Wünsche gewähren, was die Zukunft ihres Dorfes und ihrer Gemeinde angeht, so müssten sie nicht lange überlegen. „Ob nun als Teil von Upahl oder weiter eigenständig“, sagt Ulf-Peter Schwarz: „Ruhig soll es bleiben und die Einwohner sollen in Entscheidungen einbezogen werden.“ Außerdem müsste die Straße von Plüschow nach Naschendorft unbedingt saniert werden, sagt Schwarz. Was Zuzug angeht, wünscht sich Andreas Arndt keine großen Erweiterungen: „eher überlegte Lückenbebauung und die Sanierung von Altbeständen, die es noch gibt.“

Dörfer der Region: Plüschow

Egal, wie die Gespräche zwischen Plüschow und Upahl verlaufen – der Standort der freiwilligen Feuerwehr bleibt. Damit kann eine jahrhundertalte Tradition weitergeführt werden – wenn sich genug Nachwuchs findet.

Bereits im Jahre 1876 erhielt die Gemeinde eine Handdruckspritze, welche im Spritzenhaus am Dorfteich Naschendorf untergebracht war. Zu diesem Zeitpunkt bestand eine Feuerwehrpflicht – bedeutet, bei einem Feuer war jeder männliche Einwohner im Alter von 16 bis 60 Jahren verpflichtet, sich einzufinden. Die Leitung an der Brandstelle hatte der Brandmeister, welcher Bürgermeister war. Am 8. Mai 1949 wurde im Lokal „Henning“ (später Schäper/Wolfshöhle) in Naschendorf eine freiwillige Feuerwehr gegründet. Im Jahre 1960 erfolgte eine Gebietsreform, die Gemeinde bestand aus den Ortsteilen Hilgendorf, Naschendorf, Waldeck, Meierstorf, Plüschow und Friedrichshagen. Die Wehren aus Naschendorf und Plüschow wurden zu einer Gemeindewehr mit zwei Kommandostellen vereinigt.

mei

Daten und Fakten

Plüschow liegt neun Kilometer

entfernt südöstlich von Grevesmühlen und etwa 17 Kilometer

von Wismar entfernt. Die Umgebung wird von zahlreichen Gräben durchzogen, die als Mühlenbach vereint zur Stepenitz fließen.

Im Norden der Gemeinde

schließt sich ein sehr waldreiches Endmoränengebiet an. Im

Everstorfer Forst sowie

südlich der Bundesstraße 105

befinden sich Großsteingräber.

Zu Plüschow gehören die

Ortsteile Friedrichshagen,

Hilgendorf, Meierstorf,

Naschendorf und Waldeck.

Die Gemeinde Plüschow hat

insgesamt 502 Einwohner,

der Ortsteil Plüschow selbst

hat 107 Einwohner.

Friedrichshagen wurde durch

den deutschen Kolonisten

Fredebern (Wredebern) um das Jahr 1230 gegründet. Der Name Vredeberneshagen wandelte

sich in Frebbershagen und

in Friedrichshagen.

Das Dorf gehörte zum Kirchspiel Gressow. Die Dorfkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Meierstorf war ein kleines Gut oder Domäne. Ein schlichtes

Herrenhaus mit Mittelgiebel

liegt erhöht.

Naschendorf: Hier stehen

vier Megalithanlagen

verschiedenen Typs.

Plüschow: Das Schloss ließ

Phillip Heinrich von Stenglin

im Jahre 1763 bauen. Heute

beherbergt es das Mecklenburgische Künstlerhaus.

Annett Meinke

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