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Nordwestmecklenburg Ehrenamtlich im Tierpark
Lokales Nordwestmecklenburg Ehrenamtlich im Tierpark
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21:02 15.01.2018
Die Tiere haben ihr Winterfell, sind deutlich dunkler als in den Sommermonaten. Quelle: Fotos: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Langsam bewegt sich die Herde auf die Tür des Futterhauses zu. Die 19 Tiere heben die Köpfe, als Adriana Krohn aus der Tür tritt und den Mais in die Futterkrippe schüttet, die Rehe weichen vorsichtig zurück, die Hirsche strecken neugierig die Köpfe vor. „Die weiblichen Tiere sind immer ein wenig ängstlicher, sie trauen sich nicht heran, die Hirsche fressen aus der Hand“, sagt die 31-Jährige. Seit einem Jahr kümmert sich die zweifache Mutter ehrenamtlich um das Wildgehege im Questiner Wald. Seit mehr als 40 Jahren gibt es das Gehege, nachdem der letzte Futtermeister aus Altersgründen ausschied, startete das Forstamt einen Aufruf. Fünf Bewerber gab es, die 31-Jährige, die bei ihrem Schwiegervater im Busunternehmen Krohn arbeitet, erhielt den Zuschlag. „Wie viel Arbeit dahinter steckt, und was das wirklich bedeutet, das lernt man mit der Zeit. Es war nicht immer einfach, aber jetzt genieße ich diese Arbeit“, erklärt die junge Frau. Zwei- bis dreimal pro Woche schaut sie nach den insgesamt 19 Tieren, kontrolliert die Zäune und das Futterhaus. „Ab und an kommen meine Söhne mit, für sie ist das immer ein Höhepunkt, es ist schön zu sehen, wie sie sich freuen.“ Zwar gelten die Rehe und Hirsche im Gehege offiziell als Haustiere, deshalb dürfen sie auch nicht ausgewildert werden. Zahm sind sie allerdings nicht. „Sie kennen mich und wissen, dass es Futter gibt, wenn ich komme. Aber um sie zu zähmen, müsste man viel mehr Zeit investieren.“

Das Wildgehege im Questiner Wald wird seit einem Jahr von Adriana Krohn betreut. Die 31-Jährige hatte sich Ende 2016 für das Ehrenamt beworben.

Für Adriana Krohn, die aus Neumünster stammt und für die Liebe nach Grevesmühlen gezogen ist, ist der Job als Futtermeisterin auch eine kleine Auszeit von ihrem Bürojob. „Die Ruhe hier, die Natur, manchmal sitze ich hier einfach nur und schaue den Tieren zu, es ist einfach schön hier.“ Manchmal kommen Schulklassen oder Kindergartengruppen zum Gehege, dann erklären die Förster die Regeln in der Natur. Seit vielen Jahren hat das Tradition in Grevesmühlen.

Umso ärgerlicher ist es, wenn das Gehege beschädigt wird. „Warum Leute versuchen, in das Futterhaus einzubrechen, ist mir ein Rätsel, außer Rüben und Mais gibt es dort nichts“, berichtet Adriana Krohn. „Ein anderes Mal wurde der Zaun einfach runtergedrückt, das muss man alles nicht verstehen.“ Aber ansonsten halten sich die Schäden in Grenzen. Auch wenn die letzten Stürme einige Bäume gefällt haben, den Tieren ist auf dem sechs Hektar großen Gelände nichts geschehen. „Die wissen genau, wo sie sich aufhalten müssen bei Sturm.“

Gefüttert werden die Tiere mit Kastanien, Rüben, Mais und dem, was die Leute bringen. „Es gibt viele Helfer, die Futter für die Tiere bringen. Leider aber auch Fälle, in denen Südfrüchte oder vergammelte Sachen dabei sind. Das schadet den Tieren.“

Namen gibt sie ihren Schützlingen nicht. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer besteht darin, dass das Forstamt die Zahl der Tiere im Gehege immer wieder regulieren muss. „Auch wenn es ein großes Gehege ist, aber der Platz ist begrenzt“, erklärt die Futtermeisterin. „Dann werden einige Tiere herausgeholt.“

Ihre Vorgänger haben Jahrzehnte in dem Ehrenamt verbracht. „Na, dann habe ich ja gut zu tun für die Zukunft. Nach einem Jahr kann ich sagen, dass ich auf jeden Fall weitermachen will.“

Das Wildgehege im Questiner Wald

Das Damwildgehege wurde usprünglich gebaut, um einen Damwildbestand zu entwickeln und einzubürgern, den es Anfang der 1970er Jahre im Questiner Wald nicht gab. Heute ist es nur noch ein Schaugatter.

Im Dezember 2005 brannte das Futterhaus nieder. Im Rahmen einer Brandserie wurde das Holzgebäude komplett zerstört. Die Täter wurden wenige Tage später ermittelt, über die Motive für ihre Taten sagten sie nichts.

Der Questiner Wald ist übrigens für Pflanzenforscher ein beliebter Ort. Weil zu DDR-Zeiten dort eine Schweinezucht aufgebaut werden sollte, wurden die Tiere mit Import-Futter ernährt. Die exotischen Samen aus aller Welt sorgten dafür, dass dort Pflanzen wachsen, die es in dieser Region nur im Questiner Wald gibt.

Michael Prochnow

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