Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Ein Dorf für Jung und Alt
Lokales Nordwestmecklenburg Ein Dorf für Jung und Alt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:04 19.05.2017
Eindrücke aus Zierow: Das ehemalige Gutshaus spielt im Dorfleben so gut wie keine Rolle. Noch lernen darin Berufsschüler. Die Zukunft aber ist ungewiss. Am Horizont und mit einigem Abstand zum Dorfkern liegt die Poeler Drift. Dort sind 140 Wohneinheiten für Feriengäste entstanden. Eine der alten Scheunen im Dorf ist heute ein Wohnhaus. Sie erinnert an die Zeit der Landwirtschaft in Zierow. Quelle: Nicole Buchmann

Was es braucht, um das Leben in Zierow perfekt zu machen – Thomas Gürtler überlegt nur kurz. „Nichts“, sagt der 37-Jährige. Er habe alles, was er brauche. Gürtler lebt mit seiner Familie seit fünf Jahren in Zierow und ist damit einer von vielen jungen Menschen, die in dem Dorf ihre private Zukunft sehen.

Zahl der Einwohner in Zierow hat sich seit der Wende mehr als verdoppelt.

„Bis vor zehn Jahren waren wir noch komplett überaltert“, erzählt Bürgermeister Franz-Josef Boge (parteilos). Mit Fertigstellung eines neuen Wohngebietes seien dann aber viele Familien mit Kindern hergezogen. Dabei gibt es in Zierow seit Jahren weder Kindergarten noch Schule. Die einzige Kita in der Gemeinde wird privat betrieben und ist so begehrt, dass selbst die Wismarer ihre Kinder dorthin bringen und mitunter kein Platz mehr ist für die Zierower Kinder. Für Thomas Gürtler kein Problem. Zierow sei so dicht an Wismar, der Weg nicht weit und die Ruhe auf dem Land nun mal angenehmer als in der Stadt. „Dafür nehme ich das gern in Kauf.“

Boge macht indes einen anderen Trend aus. „Die älteren Zierower denken darüber nach, das Dorf zu verlassen und in die Stadt zu ziehen. „Das Leben im Alter ist dort einfacher“, sagt Boge im Hinblick auf Betreuung, ärztliche Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten.

Helga Balten ist ein Mal in der Woche im Supermarkt und packt dann die Vorratskammer voll. Ihr Enkel fährt. Die 78-Jährige wurde im Ortsteil Eggerstorf geboren, ist dort aufgewachsen zwischen Kuh- und Schweineställen, Schnitterkaten und reetgedeckten Scheunen. Die Straßen waren noch Feldwege, Pferdewagen rumpelten dort entlang statt Autos.

Heute spaziert sie durch das Dorf, erfreut sich an den hergerichteten Vorgärten, daran, dass der Gemeindearbeiter die Straßen und Wege sauber hält, Gras mäht oder im Winter Schnee schippt. „Es hat sich ganz schön was verändert“, sagt Helga Balten. „Ich fühl’ mich wohl in Zierow – die Wiesen, der Wald, die Ostsee.“ Sie lächelt. Aber Zierow habe auch ganz schön was einstecken müssen. „Keine Post, kein Arzt – aber das geht ja nicht nur den Leuten hier so. Das ist ja ganz gleich, egal, wo auf dem Land.“

Entgegen dem landläufigen Trend aber hat sich in Zierow die Zahl der Einwohner seit der Wende mehr als verdoppelt. Das freut auch Thomas Gürtler. Der Berufsfeuerwehrmann ist auch Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Zierow. Und auch dort fehlt noch der Nachwuchs. Zudem arbeiten die meisten Zierower auswärts – für schnelle Einsätze denkbar schlecht. Aber, sagt Gürtler, bei dieser Entwicklung im Dorf könne man irgendwann auch über eine Jugendfeuerwehr nachdenken. Und vielleicht sind seine beiden Söhne dann auch dabei.

Zahlen und Geschichte

Die Gemeinde Zierow besteht aus den Ortsteilen Zierow, Eggerstorf, Fliemstorf, Landstorf und Wisch. Sie hat eine Fläche von rund zehn Quadratkilometern. 792 Menschen leben in der Gemeinde, die zum Amt Klützer Winkel gehört.

Das Wappen ist Blau über silbernem Wellenschildfuß, darin fünf Lindenblätter. Darüber ein springendes goldenes Pferd, begleitet von einer sechsblättrigen silbernen Blüte.

Der Ortsname ist slawischen Ursprungs (Sirrowe) und geht zurück auf die Besiedlung durch die Obotriten. Erste Erwähnung im Ratzeburger Zehntregister (1230 bis 1234). Der Name Zierow findet sich erstmals im 14. Jahrhundert, als die Dorfbewohner Holz an Wismar liefern mussten für den Bau der großen Backsteinkirchen.

 Nicole Buchmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige