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Nordwestmecklenburg Störche bekommen ein neues Zuhause
Lokales Nordwestmecklenburg Störche bekommen ein neues Zuhause
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06:00 07.12.2018
Sanierung in luftiger Höhe: Die ehrenamtlichen Storchenbetreuer Martin Bauer und Rolf-Rüdiger Strache entfernen das alte Storchennest. Quelle: KARL-ERNST SCHMIDT
Welzin

„Einsatz in vier Wänden“ würde es im Fernsehen heißen, „Einsatz mit vier Händen“ eher im wahren Leben in Welzin: Der ehrenamtliche Storchenbetreuer Rolf-Rüdiger Strache und der ehrenamtliche Naturschützer Martin Bauer wagten sich in dieser Woche bei einem Grad Lufttemperatur in zehn Meter Höhe, um es Meister Adebar auf einem ausgedienten Strommast in Welzin im kommenden Jahr wieder wohnlich zu machen. Ein komplett neues Zuhause ist für Störche entstanden, die sich jedes Jahr in das kleine Dorf verirren. Mit einem vom KfL in Grevesmühlen gesponserten Kran ging es in luftige Höhe. Das Duo entfernte mit Forke und Spitzhacke bewaffnet den alten Horst. Auf 300 Kilogramm schätzte Martin Bauer das Gewicht des Nestes, das es seit Jahren in Welzin gibt. „Hier waren sogar mal zwei. Eines auf einem Schornstein und eines auf dem Strommast“, weiß Rolf-Rüdiger Strache. Doch nun ist nur noch der Mast die Frühjahrs- und Sommerresidenz der Tiere.

Sanierung in luftiger Höhe: Die ehrenamtlichen Storchenbetreuer Martin Bauer und Rolf-Rüdiger Strache entfernen das alte Storchennest. Quelle: JANA FRANKE

Im vergangenen Jahr erkannte Rolf-Rüdiger Strache anhand der Ringe an den Krallen der Tiere ein Männchen aus Polen und ein Weibchen aus Schleswig-Holstein. Erfolgreiche Migration in der Storchenwelt, könnte man es auch nennen. In diesem Jahr fanden unberingte Störche den Weg nach Welzin. Der Ort kann von Glück reden, dass er regelmäßig solch tierischen Besuch bekommt. Denn: „Dem Weißstorch geht es hierzulande schon lange nicht mehr gut“, resümiert er. Seit Jahren würden die Brutbestände zurückgehen und kaum noch Jungvögel flügge werden. Vor fünf Jahren gab es im Altkreis Grevesmühlen noch 15 Brutpaare, „von denen immerhin 14 erfolgreich insgesamt 26 Junge aufzogen“, zitiert Rolf-Rüdiger Strache aus der Statistik. „Seit 2017 sind es nur noch acht Brutpaare, von denen vier erfolgreich nur noch sechs Junge aufzogen.“

Acht künstliche Nisthilfen in der Umgebung kann er benennen: Welzin, Warnow, Groß Pravtshagen, Groß Neuleben, Roggenstorf, Wüstenmark, Roduchelstorf und Vierhausen. „Die müssen nach mehreren Jahren ersetzt werden“, so Strache. So wie jetzt in Welzin. Der alte Weidenkorb samt Astgeflecht ist entfernt und einer neuer Korb – gesponsert vom Landkreis – auf den Mast gesetzt worden. Ins sprichwörtlich gemachte Nest werden sich die Störche, auf die die beiden Ehrenamtler Strache und Bauer nun hoffen, aber nicht setzen. „Die Tiere bauen immer wieder frisch. Deshalb werden die Nester höher und größer“, berichtet Rolf-Rüdiger Strache. Und genau da ist das Problem. In Wüstenmark zum Beispiel baute Martin Bauer ein Nest ab, das mehr als 500 Kilogramm wog und 40 Zentimeter hoch war. Kann das Wasser dadurch nicht mehr richtig ablaufen, ertrinken die Jungen jämmerlich. So sei es in Warnow gewesen, erläutert Martin Bauer. „Und das müssen wir vermeiden“, erklärt er seinen Enthusiasmus, als ehrenamtlicher Naturschützer Horste zu erneuern.

Der ehrenamtliche Storchenbetreuer Martin Bauer bringt in Welzin ein neues Storchennest an. Quelle: JANA FRANKE
Sanierung in luftiger Höhe: Die ehrenamtlichen Storchenbetreuer Martin Bauer und Rolf-Rüdiger Strache entfernen das alte Storchennest. Quelle: KARL-ERNST SCHMIDT

Damit die sanierten Horste wieder zum Wohnort für Störche werden, muss ein wenig getrickst werden. Eichenzweige werden eingeflochten und das Nest nicht selten mit Kalkfarbe bespritzt. Ankommende Störche denken dann, dass das Nest besetzt ist und wollen es, von Neid geplagt, erobern. Die Welziner dürfen gespannt sein.

Jana Franke

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