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Nordwestmecklenburg Einer von hier: Unternehmer kandidiert für Bürgermeisteramt
Lokales Nordwestmecklenburg Einer von hier: Unternehmer kandidiert für Bürgermeisteramt
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11:39 20.01.2016
Der Vierte im Bunde: Uwe Wandel (ptl.) zieht für die Fraktion Die Linke in Grevesmühlen in den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt.

Vielen Grevesmühlenern dürfte Wandel (58) bekannt sein. Er wurde in der Stadt geboren, absolvierte seine Lehre zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser beim Kraftfahrzeugbetrieb für Landtechnik (KFL). Im Jahr 1991, ließ er sich als Unternehmer in Grevesmühlen nieder. „Das ist kein Wahlkampfgetöse“, sagt Wandel, „wenn ich sage: Ich bin zu 100 Prozent ein Jung von hier.“

Mit acht Mitarbeitern und der „Uwe Wandel Kommunal- und Landtechnik“ fing Wandel als Unternehmer an. Inzwischen sind es 35 Mitarbeiter und zwei Autohäuser in Grevesmühlen (Mercedes) und Wismar.

Angesichts der beruflichen Vita drängt sich die Frage auf: Warum will der Unternehmer nun für Die Linke in den Wahlkampf ziehen und Bürgermeister von Grevesmühlen werden? Zumal er, sollte er die Wahl gewinnen, kaum noch Zeit für andere Geschäfte haben dürfte?

Wandel lacht: „Die Antwort ist leicht: Die Linke hat angefragt, ob ich kandidieren würde und ich habe ‘ja‘ gesagt.“ Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Tatsächlich ist Uwe Wandel schon seit vielen Jahren nicht nur Unternehmer, sondern auch Kommunalpolitiker. Seit zehn Jahren leitet er als ehrenamtlicher Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Gägelow.

Dort leben um 2500 Einwohnerund circa 150 Gewerbetreibende, dazu gehört das MEZ in Gägelow mit seiner großen Verkaufsfläche und das medien- und bundesweit bekannte Dorf Jamel. „Ich bin gut gerüstet für die Herausforderungen des Amtes in Grevesmühlen“, sagt Wandel. „Mein größtes Anliegen ist, die Stadt als zweites Mittelzentrum von Nordwestmecklenburg zu erhalten.“

Dass der Unternehmer und Kommunalpolitiker bereit ist, weit für seine Überzeugungen zu gehen, hat er erst vor fünf Jahren bewiesen — als er im Kampf gegen eine Sonderumlage, die seine Gemeinde an die Stadt Wismar zahlen sollte, bis vor das Verfassungsgericht zog und damit dem Land einiges an Kopfschmerzen bereitete. Angst vor Kontroversen hat Wandel also nicht.

Stattdessen viele Ideen, wie er die Arbeit des amtierenden Bürgermeisters von Grevesmühlen nach dessen Abschied erfolgreich weiterführen will. „Jürgen Ditz verdient Respekt“, so Wandel, „für das Geleistete und verantwortet ohne Frage das am besten funktionierende Amt in Nordwestmecklenburg“.

Wandel ist sich aber sicher, dass es für die sich in dieser unruhigen Zeit immer weiter potenzierenden politischen Herausforderungen von Vorteil sein könnte, dass er kommunalpolitische und unternehmerische Erfahrungen vereint. Dass es immer mehr darum gehen könnte, Mittelwege, die sowohl sozial verträglich, wie einträglich und praktikabel sind, einzuschlagen. „Themen wie altersgerechtes Wohnen und Leben werden weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt Wandel. Es ginge aber auch darum, so der Kommunalpolitiker, die Voraussetzungen für den Zu- und Rückzug junger Familien in die Stadt zu verbessern. „Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist das Bereitstellen von ausreichend Kita- und Hortplätzen. Die Stadt hat bereits ein Problem auf dieser Strecke.“

Gemäß seiner Vorgabe, auch Neues andenken zu wollen, könnte sich Wandel zum Beispiel vorstellen, Kitas zu privatisieren. „Die Kommune muss nicht alles alleine leisten. Manchmal sind Sozialunternehmer besser in der Lage, schnell auf sich verändernden Bedarf zu reagieren.“ In Gägelow hat Wandel damit bereits gute Erfahrungen gemacht. „Anfangs war die Sorge groß, dass es zu teuer wird. Jetzt haben wir dort einen Kneipp-Kindergarten mit gesunden Kindern und einem Konzept, das die Eltern lieben, plus Beiträge, die im unteren Mittelfeld liegen.“

Dass er seinen Chefsessel im Autohaus räumt, wenn er die Wahl gewinnt, ist klar. Einer seiner beiden Söhne ist bereit, den Posten des Geschäftsführers zu übernehmen. Mit seiner Ehefrau ist Uwe Wandel seit 30 Jahren verheiratet.

Bürgermeisterwahl am 4. September
Die Wahl des neuen Bürgermeisters in Grevesmühlen hätte ursprünglich im Frühjahr stattfinden sollen, die offizielle Amtszeit von Jürgen Ditz endet Mitte August. Die Stadtvertreter haben sich allerdings für einen Zusammenlegung des Wahltermins mit der Landtagswahl im September entschieden. Da es mittlerweile vier Kandidaten gibt, gehen die Verantwortlichen von einer Stichwahl der beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen aus. Es sei denn, einer der Kandidaten erreicht im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent. Jürgen Ditz ist bis Ende November im Amt.

Annett Meinke

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