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Nordwestmecklenburg Entlanghangeln zwischen Zaun und Bahndamm
Lokales Nordwestmecklenburg Entlanghangeln zwischen Zaun und Bahndamm
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13:50 21.12.2015
Karl-Heinz Fandrich steht auf dem schmalen Pfad, der einzigen Zuwegung zu seinem Grundstück — links die Bahn, rechts der Zaun als neue Grenze zum Nachbarschaftsgrundstück. Quelle: Haike Werfel

Es ist beschwerlich zu Familie Fandrich Am Bahnhaus 2 in Gallentin zu gelangen. Ein schmaler Pfad führt zwischen der Böschung des Bahndamms und einem Drahtzaun die gut hundert Meter zu dem von der Gallentiner Chaussee abgelegenen Grundstück. Zwischendurch steht der Zaun so dicht an der Böschung, dass der Pfad verschwindet. Da ist es schwierig, am Hang das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Und es gibt vom Regen aufgeweichte Stellen, wo es schon am helllichten Tage schwerfällt, im Matsch nicht auszurutschen.

Hier müssen sich jeden Morgen vier Schulkinder entlanghangeln, ausgestattet mit einer Akkustablampe. Es sind die Enkel von Ramona und Karl-Heinz Fandrich, die ihre Tochter mit drei weiteren Kindern in ihrem Haus aufgenommen haben. Die neuen Nachbarn, Susanne und Sebastian Leschke, haben ihr Grundstück vermessen lassen. Danach wurde der Zaun versetzt. Mit der Folge, dass die Fandrichs ihre Zufahrt zum Anwesen verloren. „Deshalb können zwei meiner Kinder jetzt nicht gefördert werden“, sagt Doreen Stegemann. Die Jungen haben ein Handicap. Einer muss in den integrativen Kindergarten nach Grevesmühlen, der andere in eine Sonderschule nach Schwerin gebracht werden.

Die Familie muss sämtliche Einkäufe auf dem beschwerlichen Weg buckeln. Die Autos kommen ja nicht vom Gehöft. „Unser Sohn Mathias hilft uns“, sagt Karl-Heinz Fandrich. Auch Kevin, mit 16 Jahren der älteste Enkel, packt mit an. „Wir können keine Kohlen anliefern lassen. Die Klärgrube muss regelmäßig ausgepumpt werden“, zählt Karl-Heinz Fandrich auf. Zudem wollte der 60-Jährige das Dach reparieren. Materialanfuhr ist nicht möglich.

Er und seine Frau haben mithilfe ihres Anwalts versucht, mit einer einstweiligen Verfügung ein Notwegerecht am Amtsgericht Wismar zu erwirken. „Ein Notwegerecht, das laut Bürgerlichem Gesetzbuch so schonend wie möglich ausgeübt wird“, erläutert Dennis Heidemann. Das heißt, der Nachbar hätte seinen Zaun wieder zurückgebaut und würde einen finanziellen Ausgleich bekommen, dass er ein paar Quadratmeter für die Zufahrt zum Fandrich-Grundstück zur Verfügung stellt. Das Amtsgericht hat die Klage am 27. Oktober abgewiesen.

„Es ist aber der einzige Weg, den wir nutzen können“, erklärt Karl-Heinz Fandrich. Dass es der offizielle Zugang zu seinem Grundstück ist, das er 1996 von der Deutschen Bahn gekauft hat, beweise das Straßenschild. Die Gemeinde hat es vor 15 Jahren aufgestellt und die Anschrift der Fandrichs von Gallentiner Chaussee 30 in Bahnhaus 2 geändert. Eine andere Zufahrt gab es zwar früher aus Richtung Bahnhaus 1 kommend, aber die wurde überpflügt und müsste erst neu geschaffen werden.

Nachbar Sebastian Leschke sieht sich im Recht. Wie er Bad Kleinens Gemeindevertretern in dieser Woche erklärte, soll die betreffende Zufahrt von den Fandrichs angelegt worden sein und über sein Grundstück, das er als Acker nutzen will, führen.

Familie Fandrich hat Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts eingelegt. Ihr Fall liegt jetzt beim Landgericht Schwerin. Verhandlungstermin: 20. Januar.

Haike Werfel/peter Täufel

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