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„Er war so echt, so sympathisch“

Boltenhagen „Er war so echt, so sympathisch“

Das sagt der Boltenhagener Joachim Clausen über den Schauspieler Joachim Król, dem er im Frühjahr einen Tag lang das Ostseebad zeigte.

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Schauspieler Joachim Król (l.) gemeinsam mit dem Boltenhagener Joachim Clausen am Strand in Boltenhagen.

Quelle: Foto: Philippwente.com

Boltenhagen. Für den Boltenhagener Joachim Clausen (65) war die Begegnung mit dem Schauspieler Joachim Król (60) im Mai dieses Jahres auf gewisse Weise magisch: „Er war so echt, so sympathisch“. Direkt vertraut wäre ihm Król vorgekommen, so Clausen weiter – was wohl daran gelegen hätte, dass der Schauspieler so gewesen sei, wie man ihn aus seinen Filmrollen kennt: „Joachim Król ist ein nachdenklicher Mensch. Er kann gut zuhören.“

Alte Drehorte und neue Zeiten

Zu dem Treffen zwischen den beiden „Joachims“ – deren Ehefrauen auch noch beide Heidi heißen – kam es, weil der Berliner Journalist Lucas Vogelsang für eine Reportage nach einem ortskundigen Boltenhagener gesucht hatte – der ihn, den Schauspieler und den Fotografen Philipp Wente einen Tag durch das Ostseebad und seine Umgebung führen könnte.

Es sollte ein Einheimischer sein, der auch mit Król reden würde – über sein Leben in Boltenhagen von vor 25 Jahren, davor und inzwischen. Vogelsangs Geschichte wurde vor Kurzem veröffentlicht in der „Welt“.

Der Grund für die Reportage und – unter anderem – Króls Reise nach Boltenhagen war, dass das Seebad einer der Drehorte war, an denen der Schauspieler vor 25 Jahren – kurz nach der Wiedervereinigung Deutschlands – gedreht hatte.

In Detlev Bucks Film „Wir können auch anders“ spielt Król eine der Hauptrollen – als einer von zwei Analphabeten-Brüdern aus dem Westen, die in Mecklenburg ein Haus von ihrer Großmutter geerbt haben.

Diese Rolle wird allgemeinhin als Joachim Króls schauspielerischer Durchbruch bezeichnet. Die meisten Fernsehzuschauer werden ihn aber vermutlich als Hauptkommissar Frank Steier beim Frankfurter Tatort kennen. Eine Rolle, die der für seine sehr eigenbestimmten Entscheidungen bekannte Schauspieler inzwischen auch aufgab.

Für Król, der im nordrhein-westfälischen Herne geboren wurde und heute in Köln lebt, war die Reise eine Rückkehr an Drehorte, die er seitdem nicht mehr besucht hat. Es ging also auch um eine Bestandsaufnahme des Ostens und seine Veränderung – und natürlich kam auch dieses Ossi-Wessi-Ding zur Sprache. Ist es noch da?

Was die Begegnung des Schauspielers mit Clausen angeht, traf Król – anders als im Brandenburgischen zuvor, wo damals auch gedreht wurde – auf einen „Ossi“, für den dieses Klischee keine Rolle spielt.

„Ich bin froh, dass es die DDR nicht mehr gibt“, ist Clausen der Meinung.

Kein Wunder, einfach hatte es Clausen in der DDR nicht. Kurz nur Seemann, dann in Ungnade bei der Staatssicherheit gefallen – aufgrund nur einer unbedachten, jugendlichen Äußerung über die guten Verdienstmöglichkeiten in Kanada – stand der damals 24-Jährige plötzlich „auf der Straße“. Seefahrtsbuch weg und kein anderer sozialistischer Betrieb wollte den gelernten Dreher zunächst einstellen.

Vom Staatsfeind zum Aktivisten

Ja, auch das gab es in der DDR, erfuhr der „Wessi“ Joachim Król, – arbeitslos. Was nur dann unter den sogenannten „Assozialen-Paragraphen“ fiel, wenn man nichts hatte, wovon man leben konnte. Zwei Monate reichte das Geld aus Seefahrerzeiten, dann zog Clausen los, um wieder Arbeit zu finden – und fand sie schließlich – als Hausmeister in Boltenhagen. Später, nachdem die Stasi festgestellt hatte, dass er wohl doch kein „Staatsfeind“ gewesen war, ging es jobmäßig zumindest auch wieder einigermaßen bergauf. Clausen fand bei „Diamant“ in Grevesmühlen Arbeit, konnte später im Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) sogar noch seinen Meister machen – und wurde plötzlich als „Aktivist der sozialistischen Arbeit“ auszeichnet. „Absurd“, wie er fand, „weil ich einfach nur das getan habe, was ich auch als Seemann getan habe, vernünftig arbeiten.“

Vom Staatsfeind zum Aktivisten – diese und andere ein wenig kuriose Geschichten aus seinem DDR-Leben hat der Boltenhagener dem Schauspieler erzählt. Und machte dabei klar, dass er weder in der DDR noch danach dazu neigte, herumzujammern, sondern immer versuchte, irgendwie klarzukommen mit dem, was eben ist. Dass Nordwestmecklenburg mit seiner Nähe zu Travemünde und Lübeck Glück hatte, brauchte Clausen dem Schauspieler nicht zu erklären. Der sah den Unterschied zu Uckermarkschen Welten, wie man in Vogelsangs Reportage nachlesen kann, von allein. Clausen jedenfalls findet, dass, egal, was noch alles nicht richtig gut funktioniert, Nordwestmecklenburg durchaus zu den „blühenden Landschaften“ gehört. Und was noch fehlt, da hält es Clausen eher mit dem amerikanischen Spruch: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag, was du für dein Land tun kannst.“ Der Boltenhagener zumindest hat immer genug zu tun und Ideen – wie die zum Beispiel mit einem historischen alten Ford, dem Locomobile, historische Rundfahrten durch das Ostseebad anzubieten. Wer Mecklenburg kennenlernen will, für den ist Clausen da. Und jetzt hat er eben dem Schauspieler Joachim Król sein Mecklenburg gezeigt.

Dass Król die Begegnung mit dem umtriebigen Boltenhagener auch seinerseits erfreulich fand, kann man vielleicht daran ermessen, dass er Clausen einlud, ihn samt Ehefrau Heidi, einmal zu besuchen – sollte Clausen mal zufällig in Köln vorbeischauen.

Annett Meinke

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