Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Erinnerung an die Grenze und ihr Ende
Lokales Nordwestmecklenburg Erinnerung an die Grenze und ihr Ende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:18 10.07.2018
An der neuen Info-Tafel stehen Nina Jakubczyk vom Kulturbüro der Hansestadt Lübeck, Architektin Vera Detlefsen, Eckhard Erdmann vom Verein „Gemeinschaft der Priwallbewohner“, Autorin Christine Müller-Vogt, Koordinatorin Angela Radtke und die Übersetzerin Jennifer Pieper. Quelle: Foto: Jürgen Lenz

„Es ist die 13. Stele“, erläutert Angela Radtke. Die Einwohnerin von Dassow-Vorwerk hat das grenzüberschreitende Projekt initiiert und koordiniert es. Sie sagt: „Es ist schön, dass jetzt auch die Stadt Lübeck mitgemacht hat.“ Die östlichste Stele steht im Klützer Winkel unweit von Brook am ehemaligen Kolonnenweg. Weitere Infotafeln werden nach Angela Radtkes Auskunft in Redewisch, Tarnewitz und an der Seebrücke in Boltenhagen platziert. „Außerdem sind mehrere Stelen in der Gemeinde Selmsdorf geplant“, sagt Angela Radtke.

Die 13. Stele des Projektes „Grenzenlos von Lübeck bis Boltenhagen“ steht westlich von Pötenitz.

Ein Urlauber regte die Stadt Lübeck dazu an, die jüngste Informationstafel aufzustellen. Er hatte Stelen in Nordwestmecklenburg gesehen und meinte, so etwas solle es doch auch zwischen der zu Lübeck gehörenden Halbinsel Priwall und dem mecklenburgischen Pötenitz geben – dort, wo sich einst der Eiserne Vorhang befand. Aufgestellt wurde sie dann schließlich im Auftrag des Fachbereichs Kultur und Bildung der Hansestadt. Fachbereichsleiterin Nina Jakubczyk erklärt: „Auch Gedenkkultur gehört zu unserem Arbeitsbereich.“ Die Lübecker Architektin Vera Detlefsen entwarf die Konstruktion und überwachte die Bauarbeiten. Ein Betonfundament sichert die Stele, die wenige Meter von einer Düne entfernt steht. Nina Jakubczyk berichtet: „Auch der Bereich Naturschutz hat seine Genehmigung gegeben.“

Die Texte für die neue Stele hat Christine Vogt-Müller geschrieben. Sie wohnt in Dassow und ist Co-Autorin des Buches „Über die Ostsee in die Freiheit“.

Fotos und Informationen steuerten die Bundespolizei, die Lübecker Nachrichten und das Archiv der Hansestadt bei. Sie zeigen den nördlichsten Abschnitt der innerdeutschen Grenze ab den 50er Jahren und die Öffnung eines Grenzübergangs an der Stelle am 3. Februar 1990.

Nach der Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen überwachten sowjetische Soldaten die Grenze. Sie war zu dieser Zeit noch durchlässig. 1950 übernahm die Grenzpolizei Nord der DDR die Überwachung.

Auf sie folgten die Grenztruppen der DDR. Sie bauten die Sperranlagen zwischen Pötenitz und dem Priwall immer weiter aus. 1969 ersetzten sie dort ihre Holztürme durch einen elf Meter hohen Turm aus Beton mit Kanzel und Scheinwerfern. Er stand etwa 100 Meter östlich der Grenze. Die DDR sicherte sie auch mit einer Lichttrasse, einer Hundelaufanlage, Suchscheinwerfern und Signaldrähten, die sie quer über den Pötenitzer Strand spannte Damals kamen viele Touristen, um von westlicher Seite aus auf die Grenzanlagen zu schauen. In dem Text der Stele wird auch berichtet: „Travemünde im freien Westen war nah, der Weg für Flüchtlinge über Wasser kurz. Pötenitz/Priwall war folglich der am stärksten gesicherte Grenzabschnitt.“

Jürgen Lenz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige