Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg „Es geht um die Zukunft“
Lokales Nordwestmecklenburg „Es geht um die Zukunft“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 29.08.2018
Dietrich Schmoldt (vorn) und Wolfgang Kaletta vor der Blühwiese in der Nähe von Goldbeck. Quelle: Fotos: Michael Prochnow
Klütz

Das Summen ist nicht zu überhören, Tausende Bienen schwirren zwischen den lilafarbenen Blüten hin und her. „Genauso soll es sein“, sagt Dietrich Schmoldt und blickt über die knapp einen Hektar große Wiese zwischen Goldbeck und Arpshagen bei Klütz. Sonnenblumen ragen zwischen den Pflanzen hervor, die Sonne malt Bilderbuchfarben in die Natur – und Dietrich Schmoldt und Wolfgang Kaletta ein Lächeln ins Gesicht. „Sie müssen Bauer Nölck nicht sagen, dass das von uns kommt. Aber diese Blühfläche ist schon einmalig gut“, sagt Schmoldt. Der 78-Jährige ist Tierarzt, Bienenzüchter und so etwas wie der grüne Zeigefinger im Klützer Winkel. Gleiches lässt sich über Wolfgang Kaletta sagen. Der 80-Jährige hat sich Jahrzehnte um den Park von Schloss Bothmer gekümmert, auch zu Zeiten, als niemand wusste, ob und wie es mit der Anlage weitergeht. Beide sind Hobbyimker und beide kümmern sich um die Bienen. Und um die Lebensräume der Insekten.

Dietrich Schmoldt (78) und Wolfgang Kaletta (80) setzen sich für Schutz der Bienen ein.

„Die werden immer kleiner“, sagt Wolfgang Kaletta. „Solche Blühflächen sollten an jedem Acker vorhanden sein, unser Landwirtschaftsminister hat versprochen, sich darum zu kümmern.“ Doch viel passiert sei nicht. Und deshalb wollen Schmoldt und Kaletta über das Thema sprechen. „Das muss in die Öffentlichkeit. Wir wollen, dass unsere Enkel auch noch Vögel und Insekten in freier Natur erleben können“, sagt Schmoldt. Denn mit den Insekten würden auch die Vögel verschwinden.

3000 Bäume zu DDR-Zeiten gepflanzt

Vor mehr als 40 Jahren haben die beiden knapp 3000 Linden rund um Klütz gepflanzt. Die Setzlinge haben sie sich vom Tannenberg und vom Pelzerhain in Grevesmühlen geholt, in selbst angelegten Baumschulen großgezogen und anschließend an Straßenränder und auf den Äckern rund um die Schlossstadt eingepflanzt. Die Verantwortlichen der LPG gaben an, wo die Bäume hinkommen. Dafür gab es dann 9,35 DDR-Mark für jeden neuen Baum. Etliche Straßen und Hecken gehen auf ihr Konto. Die Schläge auf den Feldern des Klützer Winkels hat Wolfgang Kaletta mit Sträuchern bepflanzt, die teilweise ihren Ursprung im Park von Bothmer haben. „Die Schneebeere dort wurde zwei Meter hoch und hielt auch Schnee stand, die haben wir dann in die Hecken gesetzt. Für die Insekten ist sie aufgrund der späten Blüte hervorragend geeignet.“ Noch heute stehen die Büsche dort dicht an dicht. Doch neue dürfen nicht gepflanzt werden.

Nur einheimische Gehölze sind erlaubt

„Die Untere Naturschutzbehörde hat gesagt, das sei kein einheimischen Gehölz, das dürfe nicht verwendet werden. Was für ein Quatsch“, kommentiert Dietrich Schmoldt diese Entscheidung des Landkreises.

Für Wolfgang Kaletta ist das Argument mit den einheimischen Gewächsen völlig überholt. „Die Schneebeere wurde im 18. Jahrhundert im Park des Schlosses angepflanzt, inzwischen wächst sie hier überall“, argumentiert der Garten-Experte. „Wir wollen doch nur helfen, dass bei den neuen Anpflanzungen auch Sträucher und Büsche verwendet werden, die den Insekten und damit den Bienen helfen.“ Das Problem sei, dass die vorhandenen Pflanzen zur selben Zeit im Frühjahr blühen wie der Raps, es gebe ein Überangebot für ein paar Wochen. „Aber danach finden die Insekten keine Nahrung mehr, und ohne Insekten gibt es auch weniger Vögel. So einfach ist das“, so Kaletta weiter.

Die beiden Männer legen sich nicht nur mit Behörden an, auch die Naturschutzverbände können ein Lied davon singen. Auseinandersetzungen mit dem Nabu über die Nutzung bestimmter Habitate in der Region gab es nicht nur einmal. Doch Schmoldt und Kaletta geben nicht auf. „Ärger gab es und gibt es immer wieder“, sagt der 78-Jährige. Und warum tut er sich das in seinem Alter trotzdem an? Schmoldt zuckt mit den Schultern und schaut Wolfgang Kaletta an. „Einer muss es ja machen.“ Kilometerlang ziehen sich die Hecken durch den Klützer Winkel. Und zu fast jeder Hecke können die Männer eine Geschichte erzählen und eine Jahreszahl nennen. Windräder gibt es nicht hier in Klütz. „Zum Glück haben wir die Radarstation in Elmenhorst, fünf Kilometer im Umkreis darf nichts stehen. Hat auch was Gutes so ein Teil“, erklärt der Tierarzt.

Dass so wenig Insekten unterwegs sind in diesem Sommer, freut zwar die Urlauber. Doch für den Tierarzt und den Gärtner ist das auch ein Zeichen, dass die Natur Hilfe braucht. Nur: Ohne die Behörden kommen Schmoldt und Kaletta nicht viel weiter. Zwar werden immer wieder Flächen neu bepflanzt und Hecken angelegt, weil für größere Bauvorhaben Ausgleichspflanzungen vorgeschrieben sind. Doch bislang sind sie mit ihren Vorschlägen, was die Auswahl der Pflanzen anbetrifft, gegen eine Wand gelaufen. Gemauert von der Unteren Naturschutzbehörde in der Kreisverwaltung Nordwestmecklenburgs.

Michael Prochnow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In Damshagen eröffnet Manufaktur „Tropfen Kontor“ / Saft und Schaumwein aus Äpfeln und mehr.

29.08.2018
Nordwestmecklenburg Dassow/Warnow/Rüting/Klütz - Das Wochenende der Feste!

Gefeiert wird in Dassow, Klütz und in Warnow / Festwoche in Diedrichshagen beginnt.

29.08.2018

Liebes Team der Lübecker Nachrichten, ich habe von Eurer Aktion „Unvergessliche Konzerte“ gelesen, als ich am Sonnabend mit zwei Freundinnen nach Hamburg zu Johannes Oerding fuhr.

29.08.2018