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„Es gibt Einsätze, die lassen einen nicht mehr los“

Grevesmühlen „Es gibt Einsätze, die lassen einen nicht mehr los“

Kerstin Kokoschke und Dirk Becker arbeiten auf der DRK-Rettungswache in Grevesmühlen — die LN durften ihnen und ihren Kollegen gestern Vormittag über die Schulter schauen.

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Rettungsassistent Dirk Becker (49) am Steuer des Einsatzfahrzeugs. Der Grevesmühlener arbeitete zuvor bei der Rettungswache in Schönberg.

Grevesmühlen. Ihre Schicht auf der Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Grevesmühlen beginnt erst in fünf Minuten. Die Klamotten sind noch nicht ganz übergestreift, da geht schon der Pieper. Die Uhr zeigt 6.55 Uhr. Die Rettungsassistenten Kerstin Kokoschke und Dirk Becker überfliegen die Zeilen auf dem Display, die verraten, dass eine Frau aus Grevesmühlen über den Notruf, der in der Rettungsleitstelle Schwerin aufläuft, den Sturz ihres 76-jährigen Mannes gemeldet hat.

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Die Feuerwehr musste gestern aufgrund einer unwegsamen Treppe mit einer Rettungsschale für einen Patienten aushelfen.

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Das Duo geht zunächst von einem Oberschenkelhalsbruch aus und macht sich auf den Weg. Vor Ort stellt sich die Lage anders dar. Der Rentner ist nicht ansprechbar. Umgehend wird die Notärztin nachgefordert — und die Feuerwehr. Denn: Das Treppenhaus ist eng. Sehr eng. Die Trage aus dem Rettungswagen passt nicht zwischen die beiden Geländer.

Mit der Beatmungseinheit und dem Defibrillator eilt Dirk Becker die Treppe hinauf. Ein Gerät davon wiegt mehr als 20 Kilogramm. Kerstin Kokoschke legt beim Patienten einen venösen Zugang. Die Notärztin kommt hinzu, intubiert. Alles muss schnell gehen. Zeit für tröstende Worte für die Ehefrau bleiben dennoch. Die Feuerwehr trifft ein und der Patient wird in einer Tragetasche und einer Trageschale liegend die Treppe hinuntergehoben. Die Notärztin entscheidet: Ab nach Lübeck in die Neurochirurgie. Es besteht der Verdacht einer Hirnblutung.

Kurz vor halb elf: Der Rettungswagen rollt zurück in die Wache. Kerstin Kokoschke und Dirk Becker füllen Medikamente auf, laden die technischen Geräte via Ladekabel nach, reinigen das Innere des Fahrzeugs. Dann nehmen sie im Aufenthaltsraum Platz — und atmen durch, bevor sie das Protokoll fertigen. „Frühstück fällt heute aus“, sagt Dirk Becker und füllt die von seiner Frau zubereitete Soljanka in einen Topf. „Dazu gibt es Nudeln“, verrät der 49-Jährige. Und zwar für alle, die heute in der Rettungswache arbeiten — die Notärztin, vier Rettungsassistenten und später der Wachleiter.

Dirk Becker und Kollegin Kerstin Kokoschke kennen sich schon mehrere Jahre, arbeiteten zusammen auf der Rettungswache in Schönberg, bevor sie nach Grevesmühlen wechselten. Neben ihrer Tätigkeit als Rettungsassistentin — sie fährt eine 24-Stunden-Schicht pro Woche — ist Kerstin Kokoschke Anästhesie-Schwester im Grevesmühlener Krankenhaus. Bis heute um 7 Uhr hat die 51-Jährige in der Rettungswache Dienst, muss dann noch für das Weihnachtsfest einkaufen, das sie bis morgen genießen kann. Am Sonnabend hat sie im Krankenhaus Dienst.

Sie liebt ihren Job. Dennoch gibt es auch Momente, die sie über Tage nicht loslassen. „Es ist immer schlimm, wenn Kinder im Spiel sind“, sagt sie und nippt an ihrem frisch aufgegossenen Kaffee.

Einige von ihr genannte Beispiele lassen für einen Außenstehenden nur erahnen, was sie verarbeiten muss: plötzlicher Kindstod, überfahrene Kinder, schwere Verkehrsunfälle mit toten Jugendlichen . . .

„Im Team reden wir über die Einsätze, ich finde auch immer ein offenes Ohr bei meiner Chefärztin. Es gibt aber auch Kollegen, die nie über ihre Einsätze reden. Jeder verarbeitet das so, wie es für ihn am besten ist“, erklärt sie und nippt erneut an ihrem Kaffee. Auch Dirk Becker kennt Einsätze, die er nicht vergisst — und welche, von denen er persönlich mehrere Stunden etwas hatte, nämlich Schmerzen. So hat ihn mal ein aggressiver Betrunkener körperlich angegriffen. Er rührt die Nudeln im Wasserbad um und nutzt die freien Minuten bis zum nächsten Einsatz auch für Gedanken zum Weihnachtsfest. Der 49-Jährige spielt dieses Jahr wieder den Weihnachtsmann in mehreren Familien, doch am Vormittag wird mit seinen eigenen Kindern der Tannenbaum geschmückt. Das hat Tradition, wie er sagt. Seine Kinder sind heute 17 und 24 Jahre alt und machen den Spaß gern mit.

Die Notärztin sitzt in ihrem kleinen Büro und schreibt den Bericht vom Einsatz am Morgen bis ins kleinste Detail auf — welche Schritte wurden eingeleitet, welche Medikamente wurden verabreicht. Für ihren Dienst reiste sie morgens aus ihrem Heimatort Hamburg an. Die Fahrten zu ihren 24- bis 48-Stunden-Schichten nutzt sie um abzuschalten — auch wenn sie Einsätze kennt, die ihr schlaflose Nächte bereiteten. So erlebte sie einen Fall, in dem ein Baby so sehr geschüttelt wurde, dass es kaum noch Reaktionen zeigte. Der Rettungswagen mit der Notärztin an Bord wurde alarmiert, der Säugling schließlich in die Uniklinik nach Lübeck gebracht. Wie es dem Knirps geht, kann sie nicht sagen. Denn mit der Übergabe des Patienten im Krankenhaus ist der Einsatz beendet.

Torsten Kurschat betritt den Raum. Der 48-jährige ist Wachleiter und springt heute für einen erkrankten Kollegen ein, der den Krankentransport von Patienten übernehmen sollte. Sein Dienst geht von 12 bis 20 Uhr. So wird er mit einem weiteren Kollegen Dialyse-Patienten oder Patienten ins Krankenhaus oder zu Arztpraxen fahren — je nachdem, wie gebraucht wird. Bis zu 40000 Kilometer im Jahr rollt ein Krankentransportfahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes, wovon es zwei in der Rettungswache gibt. „Auch Fernfahrten nach Berlin oder ins Ruhrgebiet werden gemacht, wenn Patienten zum Beispiel in Spezialkliniken gebracht werden müssen“, erzählt Torsten Kurschat.

Es ist kurz vor zwölf. Die Nudeln sind gekocht, die Soljanka heiß. Kerstin Kokoschke und Dirk Becker genießen die Ruhe. Sie wissen: Der Pieper könnte jeden Moment wieder losgehen.

Zahlen und Fakten

16Rettungsassistenten arbeiten auf der DRK-Rettungswache in Grevesmühlen. Der Rettungsassistent assistiert — wie es der Name verrät — dem Notarzt.
6 Rettungswachen hat das DRK im Landkreis: Grevesmühlen, Klütz, Schönberg, Gadebusch, Wismar und Reinstorf. Insgesamt gibt es im Kreis neun. Jede hat ihr Einzugsgebiet. Die Regel besagt: In zehn Minuten müssen sie am Einsatzort sein. Sind alle Kräfte der zuständigen Wache im Einsatz, alarmiert die Rettungsleitstelle die nächstgelegene.
4 Rettungsassistenten der DRK-Wache in Grevesmühlen haben sich bereits zum Notfallsanitäter ausbilden lassen, ein fünfter ist in Ausbildung.
Ein weiterer startet als Sechster im kommenden Jahr. Mit der Ausbildung sind mehr medizinische Kompetenzen für das Rettungsdienstpersonal verbunden, das in vielen Fällen bisher nicht ohne Notarzt handeln durfte.
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