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„Es ist ein Gebot der Pietät, Menschen würdig zu bestatten“

Grevesmühlen „Es ist ein Gebot der Pietät, Menschen würdig zu bestatten“

Heinz Erich Karallus ist Standesbeamter in Grevesmühlen — und damit verantwortlich für die Bestattung von Menschen, die niemanden haben, der sich um ihre Beerdigung kümmert.

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Heinz Erich Karallus von der Stadt Grevesmühlen — oft der einzige Trauergast auf Bestattungen von Menschen ohne Angehörige.

Quelle: Annett Meinke

Grevesmühlen. Viele Menschen haben Berührungsängste mit dem Tod. Nicht so Heinz Erich Karallus, angestellt beim Standesamt Grevesmühlen. Er ist zum einen zuständig für all die Formulare, die das Leben der Menschen begleiten — Geburtsurkunden und Eheurkunden zum Beispiel, aber auch Sterbebescheinigungen. Zum anderen, was den Tod angeht, ist Heinz Erich Karallus sogar noch für einiges mehr verantwortlich. „Ich erfülle sozusagen eine Doppelfunktion im Amt“, erklärt er. „Ich bin nicht nur für standesamtliche Angelegenheiten zuständig, sondern auch für das, was man ,ordnungsbehördliche Bestattung‘ nennt.“

Das bedeutet, er kümmert sich um die Organisation der Beerdigung von Verstorbenen im Amtsbereich, die offensichtlich niemanden mehr haben, der das für sie regelt. Und nicht nur das, er begleitet die Verstorbenen auch auf ihrem letzten Gang. In den allermeisten Fällen sind er und der Friedhofsdiener, der die Urne trägt, die einzigen Trauergäste. Wichtig ist Heinz Erich Karallus dabei: „Das sind nicht, wie viele Menschen irrtümlich annehmen, Bestattungen, für die das Sozialamt die Kosten übernimmt. Denn, wenn das Sozialamt eine Beerdigung zahlt, muss erst einmal jemand da sein, der Beerdigungskosten für einen Verwandten beantragen kann.“

In den Fällen, in denen Heinz Erich Karallus aktiv werden muss, scheint es niemanden zu geben, den man mit der Abwicklung einer Beerdigung beauftragen kann. „Und das sind beileibe nicht nur Menschen, die unvermögend sind. Erst kürzlich hatte ich eine Dame zu bestatten, die über ein ausgesprochen hohes Vermögen verfügte“, verrät Karallus.

Oft sind es Krankenhäuser, die im Amt anrufen, weil sie einen Verstorbenen haben, den niemand abholt. Manchmal wird Heinz Erich Karallus auch von der Polizei informiert. In Fällen zum Beispiel, in denen jemand tot in der Wohnung aufgefunden wurde und kein Verwandter zu ermitteln ist. Ob es dann tatsächlich keine Verwandten mehr gibt, das findet der Angestellte zunächst einmal heraus. „Ich weiß

genau, wo ich recherchieren und wen ich ansprechen muss.“ Und so findet er dann heraus, ob es tatsächlich keine Ehepartner, Lebenspartner, Kinder, Eltern, Großeltern, Enkel oder sonstige Partner gibt, die für eine Beerdigung in die Pflicht zu nehmen sind.

In manchen Fällen wird der Stadtangestellte dann doch noch fündig. „Manchmal stellt sich heraus, dass die ausfindig Gemachten nicht in der Lage sind, die Bestattung zu organisieren und die Kosten für die Beerdigung zu übernehmen, zu der sie laut Gesetz verpflichtet sind“, sagt Karallus. Oft weigern sie sich auch, sich um die Beerdigung zu kümmern. Dann lässt sich Heinz Erich Karallus diese Weigerung unterschreiben und beginnt die Beerdigung mit einem Bestatter zu organisieren. „Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass eine verstorbene Person innerhalb einer Spanne von zehn Tagen beerdigt werden muss“, erklärt er.

Wo möglich, versucht Heinz Erich Karallus die Kosten für die Beerdigung wieder hereinzuholen. Was oft gelingt, vor allen Dingen, wenn der Verstorbene ein Erbe hinterlässt und das Nachlassgericht ein Verfahren eröffnet. In manchen Fällen jedoch bleiben die Kosten bei der Kommune.

Heinz Erich Karallus müsste an den Beerdigungen nicht teilnehmen, doch er tut es, weil er der Meinung ist:„Es ist ein Gebot der Pietät, Menschen würdig zu bestatten.“ Insgesamt, findet der Stadtangestellte, wäre mehr Sensibilität im Umgang mit dem Tod angebracht. „Denn der Tod gehört nun einmal zum Leben mit dazu.“

Ordnungsbehördliche Bestattungen
In den Jahren 2012 bis 2014 wurden im Amtsbereich Grevesmühlen insgesamt 27 Menschen ordnungsbehördlich bestattet.


Die Kosten, die dem Amt daraus entstanden, beliefen sich auf insgesamt 36 300 Euro. Ein Großteil der Kosten konnte durch Kostenübernahme verpflichteter Angehöriger oder durch Nachlassregelung zurückfließen. 4500 Euro Außenstände blieben. Gegenwärtigen sind 1770 Euro davon definitiv uneinbringlich.

Annett Meinke

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