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„Es ist ein Glück, hier zu arbeiten“

Grevesmühlen „Es ist ein Glück, hier zu arbeiten“

Pastorin und Neu-Grevesmühlenerin Maria Harder (51) im Interview mit der LN.

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Geprägt durch ihren Vater und ihre beiden Großväter ist auch Maria Harder (51) Pastorin geworden.

Quelle: Foto: Jana Franke

Grevesmühlen. Seit fast vier Jahren ist Maria Harder (51) Pastorin in der Kirchengemeinde Sankt Nikolai in Grevesmühlen. Die LN sprach mit ihr über die Rolle der Kirche in der Stadt, über Veränderungen und über ihre „Funktion“ als Pastoren-Mutter.

LN-Bild

Pastorin und Neu-Grevesmühlenerin Maria Harder (51) im Interview mit der LN.

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Von einer mecklenburgischen Dorfgemeinde in die Kleinstadt Grevesmühlen – warum sind Sie diese Herausforderung angegangen?

Maria Harder: lch wollte mich verändern. Grevesmühlen hat mich gereizt, weil ich die Stadt nicht kannte. Dass meine Urgroßmutter hier geboren und in der Nikolaikirche getauft worden ist, habe ich erst vor Kurzem erfahren.

Wie unterscheidet sich die Kirchengemeinde auf dem Dorf von der in der Stadt?

Zunächst einmal verstehen sich die Menschen hier als Städter. Dennoch habe ich das Gefühl, dass sich irgendwie alle kennen. Hier wird die Kirche anders wahrgenommen, sie ist präsenter im öffentlichen Raum. Auch die Arbeit als Pastorin unterscheidet sich. Hier bin ich nicht allein. Mit mir arbeiten im Team eine Kirchenmusikerin, Gemeindepädagogin, Friedhofsmitarbeiter und vor allem eine Küsterin, die mir den Rücken stärkt. Das Leben der Kirchengemeinde steht und fällt mit einem guten Kirchengemeinderat. Und der arbeitet hier sehr selbstbewusst und selbstständig – auch in Diedrichshagen. Meine Arbeit ist manchmal anstrengend, aber sehr vielfältig, bunt und spannend.

Wie wird die Kirche von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen?

Immer mehr. Auch mithilfe der Stadt. Es gibt einen gemeinsamen Adventsmarkt von der Stadt und der Kirche, der Kirchturm, mit öffentlichen Geldern saniert, ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

Diese Zusammenarbeit wird gepflegt und das freut mich. Es gibt immer den einen oder anderen Menschen, der kein gutes Bild von der Kirche hat. Die werden auch ihre Gründe haben. Damit gehe ich gelassen um. Ich sehe mich nicht in der Pflicht, jemanden zu überzeugen, in die Kirche zu gehen. Für mich ist vielmehr wichtig, die Kirche zu zeigen, offen zu halten, als wichtigen Ort wahrnehmbar zu machen. Denn für viele ist der Glaube, die froh machende Botschaft der Bibel, etwas ganz Lebenswichtiges, wovon ich erzählen und den ich wertgeschätzt wissen möchte. Denn immerhin symbolisieren die Kirche und ihre Erbauer und Erhalter ein Stück Stadtgeschichte.

Sie haben es sogar geschafft, dass der Bürgermeister eine Predigt hält!

Die Idee einer Laienpredigt ist zum Reformationsjubiläum entstanden. Wir konnten Professor Jörg Hacker (gebürtiger Grevesmühlener, Ehrenbürger der Stadt und einer der führenden Wissenschaftler in Deutschland, Anm. d. Red.) und Bürgermeister Lars Prahler gewinnen – und es kam in der Öffentlichkeit gut an und der Wunsch, so etwas öfter zu machen. Die Bürgermeister kamen mit Anliegen in den Kirchengemeinderat. Das habe ich in meiner Laufbahn auch zum ersten Mal erlebt.

Wie ist generell die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Ich freue mich darüber, dass wir als Partner auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Eine schöne Zusammenarbeit hat sich auch mit Dorina Reschke ergeben (Marketing- und Tourismusbeauftragte der Stadt, Anm. d. Red.), die mich unter anderem beim Pilgertag unterstützt. Einmal im Jahr bieten wir eine Wanderung auf der „Via Baltica“ an. Dort kann ich richtig gut abschalten, der Alltag ist zu Hause. In dieser Landschaft zu laufen ist wie eine andere Welt.

War es als Pastorentochter klar, dass Sie einmal in die Fußstapfen Ihres Vaters und sogar Ihrer Großväter treten?

Als Kind wollte ich Kriminalkommissarin oder Psychologin werden (lacht). Meine Großväter und mein Vater haben mich geprägt, so viel steht fest. Aber es war nicht einfach. Ich wurde oft nur als Tochter des Pastors gesehen. Dann sind wir oft umgezogen, sodass ich mich noch heute als Flachwurzler bezeichne. Bildlich gesprochen kann man mich rausnehmen und woanders hinsetzen. Ich verwurzele dann und fühle mich zu Hause. Schwer für mich war, dass ich nicht auf die EOS (Erweiterte Oberschule, Anm. d. Red.) durfte. Damit hadere ich nicht, letztlich habe ich ein kirchliches Abitur gemacht und dann studiert, um diesen jetzigen Weg einzuschlagen.

Was sagen Ihre Kinder, werden sie auch durch Sie geprägt?

Ja, und auch sie werden manchmal als Kinder der Pastorin gesehen oder ich als Pastorin, obwohl ich als Mutter auftrete. Meine Kinder sind 14, 18 und 25 Jahre alt. Durch meine Arbeit sind sie früh selbstständig geworden. Und sie erleben viele unterschiedliche Menschen. Das prägt. Ich wünsche mir, dass sie ihren eigenen Weg finden.

Sie haben es sich auch zur Herzensangelegenheit gemacht, sich in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren .

Menschen in der Not zu helfen, das war der Impuls, mich persönlich im Ehrenamt zu engagieren. Einzelne und Patenbetreuungen kann ich aus zeitlichen Gründen nicht gewähren, dafür stellt die Kirchengemeinde aber gern die Räumlichkeiten im Gemeindehaus zur Verfügung. Es gab hier schon einen Kleidermarkt und Begegnungscafés.

Auf Facebook posteten Sie einst: „Demokratie ist echt anstrengend. Was man da alles aushalten muss.“ Welche politischen Erfahrungen haben Sie denn gemacht?

Da sind die Pferde mit mir durchgegangen. Ich habe kein Problem damit, dass es unterschiedliche Parteien und Meinungen gibt. Aber es ärgert mich, wenn Menschen die Demokratie benutzen, um Meinungsvielfalt einzuschränken. Manche Meinungen tun mir weh, aber trotzdem muss man sie aushalten, manchmal auch mal streiten. Und das ist eben – wie ich schrieb – anstrengend.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Stadt Grevesmühlen?

Es tut sich einiges. Am meisten freue ich mich über die Wohnbebauung an der Kirche. Als ich ins Pfarrhaus einzog, war die Schulstraße noch genau zwei Wochen offen. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, wenn es wieder eine Durchgangsstraße ist. Grevesmühlen ist eine sehr helle Stadt, der Bahnhof ist sehr schön, auch wenn die Bauarbeiten derzeit anstrengend sind. Aber das gehört dazu. Von Vorteil ist auch, dass ich alles zu Fuß erreiche.

Haben Sie einen Lieblingsplatz?

Der Kirchplatz am Bürgerpark. Ich sehe es als Glück und Privileg, hier zu arbeiten und zu wohnen.

Sie sagten eingangs, dass Sie sich damals verändern wollten. Fast vier Jahre mit Ihnen als Pastorin sind mittlerweile vergangen. Denken Sie über weitere Veränderungen nach?

Nein, die Zeit ist noch nicht gekommen. Ich fühle mich sehr wohl, ich lebe und arbeite gern hier. Und meine Kinder auch.

      Interview: Jana Franke

Der Pilgerweg „Via Baltica“ in Nordwestmecklenburg

„Via Baltica“ ist der nördlichste Weg der Ost-West-Verbindungen in Deutschland. Der Weg beginnt auf Usedom an der Grenze von Polen und Deutschland, stellt damit also die Brücke von den baltischen Ländern bis nach Spanien dar. Die „Via Baltica“ verläuft von Usedom kommend über Greifswald, Rostock, Wismar, Grevesmühlen und Schönberg nach Lübeck und durch Hamburg bis nach Bremen.

Zum Pilgern gehört auch ein Pilgerbrief. Hinweise dazu sowie ein Formularvordruck sind auf der Internetseite der Stadt Grevesmühlen unter:

www.grevesmuehlen.info/sehenswertes/via-baltica zu finden. Weitere Infos auf www.jakobswege-norddeutschland.de

LN

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