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Nordwestmecklenburg Es juckt: Zerkarien im Schwimmbad
Lokales Nordwestmecklenburg Es juckt: Zerkarien im Schwimmbad
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12:32 03.07.2013
Mit viel ehrenamtlichem Engagement ist die Anlage des Schönberger Badeteichs in den vergangenen Jahren saniert worden. Quelle: Fotos: Marten (2), OZ
Schönberg

Im Schönberger Badeteich gibt es wieder Ärger mit Zerkarien. Nur wenige Tage ist es her, da wollte Sebastian Runzer (10) an einem heißen Sommertag unbeschwert im Wasser planschen. Zusammen mit Freunden. Doch nach dem Baden fing es mit einem Mal an zu jucken. Und es hörte nicht auf. Auch zu Hause nicht. Die Nacht sei für ihn fast unerträglich gewesen, schildert seine Mutter Anke. Doch der richtige Schock für sie kam am nächsten Morgen. Sebastians ganzer Körper war rot. „Windpocken können es nicht gewesen sein, die hatte er schon“, war sich die Mutter des Zehnjährigen sicher.

Der Tochter einer Kollegin erging es ähnlich. Auch sie hatte Pusteln am Körper. Auch sie war baden im Badeteich. Deshalb ist sich Anke Runzer sicher: „Das kommt vom Baden.“ Drei Tage musste sich ihr Sohn ständig kratzen, weil es so sehr gejuckt hat. Für sie steht fest: „In dem Teich kann keiner mehr baden gehen.“

Sebastian Runzer ist kein Einzelfall, sagt die Direktorin der Regionalen Schule mit Grundschule, Sabine Hoffmann. „Es haben wieder viele Kinder Ausschlag.“ Auch der Vorsitzende des Badeteichvereins, Michael Heinze, gibt das unumwunden zu. „Wir wissen aus Gesprächen mit einigen Eltern, dass solche Fälle wieder aufgetreten sind.“ Das der Badeteich noch geöffnet ist, hat einen oder mehrere Schönberger offensichtlich sehr geärgert. Ende vergangener Woche stand ein Schild vor dem Badeteich mit dem Hinweis: „Zerkarien sind wieder da, Vorsicht Gesundheitsgefahr.“ Michael Heinze, der auch Bürgermeister der Kleinstadt ist, empfindet das Anbringen des Schildes als „Rufschädigung“: „Das ist ziemlich hinterhältig, weil man mit Zerkarien ja eine Gesundheitsgefährdung verbindet.“ Gefährlich für die Gesundheit sei der Kontakt mit Zerkarien aber nicht, betont Heinze. „Das haben wir von Ärzten bestätigt bekommen und auch vom Gesundheitsamt.“

Zu Zerkarien zählen zum Beispiel der Kleine Leberegel, der Große Leberegel, der Lungenwurm, der Riesendarmegel, der Pärchenegel und auch der Entenfloh. Das Erscheinungsbild nach Kontakt mit diesen Tieren sei unterschiedlich, erklärt Heinze. So gebe es Kinder, die „kleine, feine, rote Punkte“ auf der Haut hätten, und andere mit „fünf Cent“ großen Flecken, „die aber alle nach rund einem Tag wieder verschwinden.“

Das Problem mit Zerkarien ist nicht neu beim Schönberg Badeteich. Bereits vor zwei Jahren bereiteten die kleinen Tierchen dem Verein Kopfzerbrechen. Damals musste das Freibad sogar geschlossen werden — auf Anweisung des Gesundheitsamtes des Kreises. Jetzt gibt es also erneut Beschwerden. „Von vermehrten Zerkarien können wir aber nicht ausgehen“, so Heinze. Der Badeteichvorsitzende versucht zu beruhigen und sagt: „Diese kleinen Tierchen sind ständig im Wasser - sowohl hier im Badeteich als auch in anderen Freigewässern.“ Da im Badeteich — wie auch in natürlichen Seen — kein Chlor und keine anderen Chemikalien zum Einsatz kämen, würden die Zerkarien nicht „nachhaltig beseitigt.“

Probleme mit der Qualität des Wassers gebe es aber keine, versichert Heinze. Anhand von fünf Kriterien werde das Badewasser regelmäßig überprüft. „Kolibakterien, Streptokokken usw., da haben wir immer eine 1a-Qualität.“

Allerdings, schränkt der Badeteichvorsitzende ein: „Zerkarienbefall ist nicht darunter.“ Das heißt also, ob und wie viele Larven bestimmter Parasiten das Wasser im Badeteich bevölkern, werde bei den Wasserproben nicht überprüft. Es sei laut Heinze auch „sehr schwer“, Zerkarien in Wasserproben nachzuweisen. Und selbst wenn, viel machen könne der Badeteichverein bei dem Problem nicht. „Wenn bestimmte Bedingungen gleichzeitig auftreten, gibt es vermehrt Zerkarien“, so Heinze. Welche Bedingungen das sind, „weiß ich aber nicht.“ Klar sei allerdings: Die Anzahl der „kleinen Tierchen“ könne durch das Absammeln von Schnecken am und im Wasser verringert werden. „Das macht unser Hausmeister auch täglich.“ Schnecken sind sogenannte Zwischenwirte für die Zerkarien. Um das Risiko roter Flecken oder Pusteln zu minimieren, rät der Badeteichvorsitzende den Gästen, sich nach dem Baden ordentlich zu duschen und die Haut abzutrocknen.

Aus der Kreisverwaltung gibt es derzeit noch keine Informationen dazu. Das Gesundheitsamt weiß noch nichts von den neuen Fällen.

Hintergrund und Krankheitsverlauf
Die Badedermatitis, auch Zerkarien-Dermatitis oder Schistosomatiden-Dermatitis genannt, ist eine harmlos verlaufende Infestation des Menschen mit winzigen Larven von Saugwürmern.
Der Befall von Menschen geschieht irrtümlich, sie sind aus Sicht der Wurmlarven ein sogenannter Fehlwirt.
Die Erkrankung wurde in den 1920er-Jahren erstmals beschrieben und kommt heute weltweit vor, vorwiegend aber in Nordamerika und Mitteleuropa. Eigentlicher Endwirt sind Wasservögel, hauptsächlich Enten; erster Zwischenwirt sind im Wasser lebende Lungenschnecken.
Zunächst verursacht der Befall einen Juckreiz und nur eine geringfügige Lokalreaktion der Haut, ähnlich einem Mückenstich. Ein Zweitbefall führt aufgrund des immunologischen Gedächtnisses allerdings zu einer wesentlich stärkeren Abwehrreaktion des Körpers, was sich nach mehreren Stunden als starker Juckreiz und rötliche Quaddel- oder Papelbildung an der jeweiligen Eindringstelle bemerkbar macht. Nach 10 bis 20 Tagen heilen die Läsionen mit oder ohne Therapie vollständig ab; der Juckreiz lässt bereits nach einigen Tagen nach. Der Befall ist zwar unangenehm und lästig, aber in der Regel harmlos. (Quelle: wikipedia)

Marten Frank

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