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Nordwestmecklenburg Ex-Bürgermeister baut ein DDR-Museum
Lokales Nordwestmecklenburg Ex-Bürgermeister baut ein DDR-Museum
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20:25 08.08.2017
Detlef Hitzigrat hat seinen ehemaligen Imbiss-Container zum DDR-Museum umgebaut. Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt

Auf dem Grundstück vom 64-jährigen Detlef Hitzigrat gegenüber dem Gemeindehaus in Selmsdorf steht ein Container, der durch seine Bemalung aussieht wie eine rustikale Blockhütte. Innen hat der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde ein kleines DDR-Museum aufgebaut. Uniformen von Offizieren oder auch von den Kampfgruppen sind dort unter anderem neben einem großen Farbfoto von Erich Honecker und Büsten von Lenin und Ernst Thälmann zu sehen. Etliche gravierte und bedruckte Gläser und Bierkrüge hat Hitzigrat in Vitrinen zusammengestellt.

Detlef Hitzigrat stellt in Selmsdorf Umiformen, Krüge, Bilder und Orden aus.

Einige Fotos und Urkunden erinnern an die eigene Vergangenheit des Selmsdorfers. Schon als Kind war er Mitglied eines Orchesters in Dassow und war einer der jüngsten Trommler in der Region. „Mit unserer Tanzkapelle ,Palomas’ haben wir auch eine Auszeichnung als ,hervorragendes Volkskunstkollektiv’ bekommen“, sagt Hitzigrat nicht ohne Stolz. Im damaligen Sperrgebiet nah der innerdeutschen Grenze habe nicht jede Kapelle spielen dürfen. Die „Palomas“ waren damit so etwas wie eine regionale Größe.

Zu fast jedem kleinen Ausstellungsstück in seinem Museumscontainer kann Hitzigrat eine kurze Geschichte erzählen. „Das Holzwappen hing lange im Standesamt in Dassow“, sagt er und zeigt auf Hammer und Zirkel über der Eingangstür. Die alten Ortsschilder von Selmsdorf, die nicht nur auf den Ortsausgang sondern auch auf die nicht weit entfernte Staatsgrenze aufmerksam machten, hat Detlef Hitzigrat auch gerettet.

Andere Gegenstände wie eine rote Büste von Ernst Thälmann hat Hitzigrat vor dem Müll gerettet. „Ihm war die Nase abgebrochen, die habe ich selbst erneuert“, sagt er schmunzelnd.

An einer Kleiderstange hängen etliche verschiedene Uniformen, auf einem Brett gegenüber liegen dazu passende Mützen. „Die hier war für Busfahrer. Die hatten früher auch eine Uniform an, nicht bloß

ein weißes Hemd wie heute“, sagt Hitzigrat.

Wenn es um seinen Heimatort geht, beschränkt sich der Selmsdorfer nicht auf die DDR-Zeit. Auch eine Postkarte von 1936 stellt er in seinem Container aus. Sie zeigt die Straße vor seinem Haus und das damalige Gast- und Gesellschaftshaus, in dem heute das Büro der Gemeinde und die Feuerwehr untergebracht sind. Davor laufen auf dem Bild Sportler der Region mit der olympischen Fackel, die zu den Sommerspielen in Berlin getragen wurde.

Hitzigrat möchte sein kleines Museum gerne für Schüler und andere Interessierte öffnen, wenn die Ausstellung fertig ist. „Die Kinder wissen heute vieles nicht mehr, das mit der DDR zu tun hat. Sie können gerne herkommen“, sagt er. Einen Teil seiner Ausstellung konnte man bei der 725-Jahrfeier sehen.

Malte Behnk

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