Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Ex-Stadtvertreter wegen Sex mit Behinderten verurteilt
Lokales Nordwestmecklenburg Ex-Stadtvertreter wegen Sex mit Behinderten verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:15 01.11.2012
Arno K. trägt neben den seinen eigenen Kosten auch die des Verfahrens und der Nebenklage. Allein die Gutachter kosten 6500 Euro. Quelle: Michael Prochnow
Anzeige
Nordwestmecklenburg

Viel ist es nicht, was Peter S. (Name geändert) in Saal IV des Wismarer Amtsgerichtes vorbringt. Denn sein Mandant, so der Verteidiger des 77-Jährigen, habe einen Kloß im Hals. Daher werde er die Erklärung verlesen. Zwei Minuten nimmt das in Anspruch. Das Gericht wertet die zwei Sätze, in denen der Angeklagte sexuelle Kontakte mit den Opfern einräumt, als Geständnis. Für die Angehörigen der heute 32 und 40 Jahre alten und geistig behinderten Frauen ist es ein Affront. Denn das, was an diesem Tag in zwei Stunden verhandelt wird, ist – und so bezeichnet es auch Richter Michael Bauer – nur ein sehr kleiner Teil der eigentlichen Taten.

Und so fällt auch das Urteil verhältnismäßig milde aus, ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs lautet das Strafmaß, zudem muss S. jeweils 500 Euro an die Frauen zahlen. Ein Versuch der Entschuldigung im Gerichtssaal misslingt. Denn die 32-Jährige, die S. laut Staatsanwaltschaft zum Geschlechtsverkehr überredet hatte, glaubt dem Familienvater kein Wort. Das zweite Opfer, mit dem der verheiratete Rentner laut Nebenklage bereits seit 2005 eine sexuelle Beziehung hatte, schweigt im Gerichtssaal.

Zumindest sind beide erleichtert, dass sie nicht in den Zeugenstand müssen. Zu oft und zu lange haben sie Polizei und Gutachtern in den vergangenen zweieinhalb Jahren intime und demütigende Fragen beantworten müssen. Denn dass seit Bekanntwerden der Vorwürfe im Frühjahr 2010 bis zur Verhandlung fast zweieinhalb Jahre vergingen lag vor allem daran, dass Arno K. den Ermittlern mehrere Geschichten auftischte.

So leugnete der ehemalige Stadtvertreter, der zur Tatzeit im Nebenjob als Fahrer für die Diakonie arbeitete und Behinderte zur Werkstatt in Grevesmühlen fuhr, anfangs jegliche sexuelle Kontakte zu den beiden Frauen. Später behauptete er, dass die Annäherungsversuche von ihnen ausgegangen seien. Wie sich herausstellte, verhielt sich die Sache jedoch völlig anders. So hatte sich eine Art freundschaftliches Verhältnis zwischen Peter S. und der älteren der beiden Frauen entwickelt. Später, so heißt es in seiner knappen Erklärung, sei eben mehr daraus geworden.

Sein Anwalt betonte in seinem Plädoyer, dass es nicht erwiesen sei, dass sein Mandant das jüngere Opfer zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Aber darum ging es in der Verhandlung vor dem Schöffengericht auch nicht. Denn angeklagt war S., weil es auch für Busfahrer strafbar ist, wenn sie ein Verhältnis mit Betreuungspersonen beginnen. Unabhängig davon, wie dieses Verhältnis zustande kommt. Dennoch kam im Gerichtssaal auch zur Sprache, dass, nachdem er mit der älteren der beiden Frauen mehrfach Geschlechtsverkehr gehabt hatte, er die jüngere ebenfalls dazu überredet. Und zwar indem er ihr drohte, sie dürfe nicht mehr bei ihm vorn sitzen. Worauf die heute 32-Jährige offenbar viel Wert legte.

Um zu verstehen, wie Peter S. die Frauen überzeugte, ihm zu Diensten zu sein, muss man die Gutachten kennen, die Michael Bauer teilweise verlas. Demnach sind beide Frauen geistig behindert und kaum in der Lage Situationen und Handlungen richtig einzuschätzen. Das große Vertrauen, dass die ahnungslosen Frauen zu ihrem Fahrer aufbauten, der sie jeden Tag abholte, zur Werkstatt fuhr und wieder nach Hause brachte, wurde ihnen zum Verhängnis.

Zwar beteuerte der 77-Jährige, dass er es bereue und am liebsten alles rückgängig machen würde, doch angesichts der Dauer und der Intensität der Taten fiel es dem Gericht nicht leicht, den Worten auch zu glauben. Schließlich hatte der Fahrer extra abgelegene Waldstücke aufgesucht, um ungestört seine Fantasien auszuleben. Und das von 2005 bis zum März 2010.

Dass schließlich nur zehn Taten, die allesamt die 32-Jährige betreffen, angeklagt wurden, habe laut Richter Bauer auch damit zu tun, dass es äußerst schwierig sei, diese Art von Verbrechen nachträglich aufzuklären. Zumal der Gesetzgeber erst vor wenigen Jahren dafür gesorgt hat, dass Fahrer von Behindertentransportern für solche Taten betraft werden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Der Antrag zielt in Richtung mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz“, begründete Sabine Mönch- Kalina (FW) das Ansinnen. Zunächst gehe es darum, die materiellen Voraussetzungen zu schaffen, Details, zum Beispiel wie lange die Sitzungen einse

01.11.2012

Das Gesundheitsamt des Landkreises hat nach dem elfjährigen Mädchen aus Wismar, das sich offenbar im Urlaub in Ägypten mit dem Ehec-Bakterium angesteckt hat, einen weiteren Fall eingeräumt. Es handelt sich um ein Kind aus Neukloster.

LÜBECKER

01.11.2012

Kaum war es dunkel geworden, strömten am Dienstag große und kleine Hexen, Prinzessinnen, Ritter und Gaukler in die Innenstadt von Grevesmühlen. „Hexentanz und Teufelsbraten“ – so lautete das Motto der 6. Kulturnacht, die anlässlich des 750-

01.11.2012
Anzeige