Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Fackelumzug: Kritik an Behörden
Lokales Nordwestmecklenburg Fackelumzug: Kritik an Behörden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:33 27.10.2014
Polizeiwagen bestimmten am Sonntag das Bild im Grünen Weg. Quelle: uo
Anzeige
Grevesmühlen

Mehr als 70 Polizeibeamte waren am Sonntag im Grünen Weg in Grevesmühlen im Einsatz. Sie kontrollierten alle Personen, die die Straße passieren wollten und registrierten auf diese Weise, wer die NPD-Veranstaltung im Thinghaus besuchen wollte. Das waren rund 150 Personen aus der rechten Szene. „Wir haben mehrfach polizeibekannte Straftäter festgestellt“, sagte Polizeisprecher André Falke. Die Besucher kamen vor allem aus der Region, aber vereinzelt auch von weiter her.

Die Stadt Grevesmühlen hatte im Vorfeld den Auftritt des der rechten Szene zuzuordnenden Sängers Lunikoff untersagt. „Wir kontrollieren auch im Objekt, ob das Verbot eingehalten wird“, erklärte PI-Leiter Dr. Michael Peters vor Ort. Die Veranstaltung war bis 19 Uhr angemeldet, so lange wurde auch kontrolliert. „Wir versuchen, Anwohner oder andere Unbeteiligte weitestgehend unbehelligt passieren zu lassen.“

Die meisten hatten Verständnis für diese Maßnahme, auch wenn sich der Verkehr teilweise staute und Autos in Seitenstraßen hinausgewunken wurden. Die PI Wismar wurde vom Landesbereitschaftspolizeiamt unterstützt. Die zwei Straßenkontrollpunkte an beiden Zufahrtsseiten des Thinghauses waren bereits um 13 Uhr errichtet worden, eine Stunde vor Beginn der Propaganda-Veranstaltung, zu der die NPD eingeladen hatte. Nicht nur männliche Anhänger der rechten Szene besuchten die offiziell als „Tag der offenen Tür“ bezeichnete Veranstaltung, sondern auch viele Frauen und Kinder. Nach Polizeiangaben habe es keine größeren Probleme.

Antifaschistische Beobachter des Kinder- und Familienfestes im Thinghaus in Grevesmühlen werfen jedoch den Behörden und Bürgern der Stadt zivilgesellschaftliches und auch polizeiliches Versagen vor. „Es war ein erschreckendes Bild, all diese Erwachsenen und Kinder mit Fackeln in der Hand. Von Lampionumzug konnte keine Rede sein. Wenn es hoch kommt, befanden sich unter den 120 Menschen vielleicht zehn mit Lampions. Der Rest marschierte mit Fackeln, selbst die Kinder. Das Ganze wirkte wie ein gruseliges Bild aus schlimmen Zeiten“, so Lisa Krug, die zu den stillen Beobachtern des „Antifaschistischen Späherteams Recherche Gruppe Nordwestmecklenburg“ gehört. Auch dass es keinen öffentlichen Protest in Grevesmühlen gegeben habe, stelle der Stadt ein Armutszeugnis aus.

Der antifaschistische Widerstand hatte am vergangenen Sonntag ein Späherteam ausgesandt, um die NPD-Veranstaltung zu beobachten. Zwei Mitglieder der Gruppe waren vor Ort. Rund 150 Menschen aus der rechten Szene hatte die Polizei am Sonntag beim Tag der offenen Tür des Thinghauses kontrolliert.

Regina Hacker, Pressesprecherin der Stadtverwaltung Grevesmühlen, zu den Vorwürfen: „Wir können dazu nur sagen, dass ein Kinderfest mit Lampionumzug angemeldet war. Und soviel wir wissen, gab es keine weiteren Vorfälle oder Beanstandungen durch das Ordnungsamt, das vor Ort war, oder durch die Polizei.“

Ähnliches bestätigte André Falke, Pressesprecher der Polizeiinspektion Wismar: „Es gab keine erkennbaren rechtlich legitimierten Gründe für die Polizei einzugreifen. Der gesamte Umzug, der sich vom Grünen Weg Richtung Mühlenstraße, von dort weiter zum Bürgerpark, Sparkassenvorplatz und zurück bewegte, wurde von Zivilbeamten begleitet.“

am/uo

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige