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Faltboote kommen zurück nach Wismar

Wismar Faltboote kommen zurück nach Wismar

Boote, die man auseinander und wieder zusammenbauen kann – mehr als 70000 Faltboote verschiedener Typen sind zwischen 1954 und 1990 auf der Wismarer Mathias-Thesen-Werft (MTW) für eine „Ausweitung der Konsumgüterproduktion“ in der DDR produziert worden.

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Diese Anzeige stammt aus der Sportrevue von 1961 – das Mehrzweck-Faltboot „Delphin 110“ als Tragflächenboot ist als „Spitzenerzeugnis“ der Faltbootproduktion beschrieben worden.

Quelle: Foto: Privat

Wismar. „Heute scheint das alles nur schwer vorstellbar: eine Großwerft in Wismar, die Ozeanriesen baut – und bis 1990 auch wenige Meter kurze Faltboote? In der damaligen DDR war das aber durchaus nicht ungewöhnlich“, sagt Rolf Bartusel. Nahezu alle großen Industriebetriebe stellten nebenher Konsumgüter, also Produkte für den Endverbraucher, her.

LN-Bild

70 000 Stück wurden von der Werft gebaut / Am Dienstag gibt es dazu einen Vortrag.

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Die Abteilung „Faltbootbau“ ist in der Kanalstraße untergebracht gewesen und über die Jahre kräftig gewachsen. „Hatte man 1956 erstmals die 1000er-Grenze erreicht, wurden Ende der achtziger Jahre etwa 4000 Boote pro Jahr gefertigt. Die Mitarbeiterzahl erreichte ihren Höchststand mit etwa 120 Personen, die allerdings nicht nur im Faltbootbau tätig waren. So wurden in der Abteilung auch andere Produkte wie zum Beispiel Falttüren hergestellt“, berichtet Bartusel. Die Wismarer haben auch für andere Hersteller produziert, zum Beispiel Verdecke für die Ibis-Motorboote des VEB Yachtwerft Berlin.

Der promovierte Historiker ist über die Liebe zum Wassersport auf die historischen Faltboote aufmerksam geworden. „Ich bin durch Zufall auf den Kolibri von MTW gestoßen und hatte mich informiert, was das für ein Boot ist und wo das herkommt, aber ich habe nicht viel gefunden.“ Das hat die Neugierde Bartusels angestachelt, der inzwischen Geschäftsführer einer Web-Agentur ist. „Auf der Werft hatte man mir gesagt, dass die Unterlagen von damals entsorgt wurden“, erzählt er. Im Stadtarchiv habe er einiges gefunden. Er habe Gespräche mit ehemaligen Werft-Mitarbeitern geführt und seine Rechercheergebnisse auf der Webseite www.mtw-faltboot.de veröffentlicht.

Am Dienstag, 1. August, ist er zu Gast in Wismar. Gemeinsam mit dem Archiv und Archivverein lädt der Wassersportfan aus Münster Neugierige zu einem Vortrag ein. Dabei werden Fotos und Dokumente gezeigt und auch Originalboote. Beginn ist um 19 Uhr im Stadtarchiv, Eingang Gerberstraße.

Die historischen Stücke bestehen aus einer flexiblen Bootshaut und einem zerlegbaren Innengerüst. „MTW startete sein Faltbootangebot 1954 mit dem Zweier-Kajak Delphin 85 und dem Mehrzweckboot Delphin 110. Im Folgejahr wurde das Sortiment um den Kompaktzweier Kolibri erweitert. Später kamen noch das Faltruderboot und der Falt-Katamaran Scalare 250 dazu“, berichtet Bartusel.

Kajaks, Jollen, Kompaktzweier, ein „unsinkbares“ Faltruderboot mit eingebauten Luftschläuchen und ein „faltbarer“ Katamaran mit fünf Meter Länge – die Faltboote waren beliebt, wenn auch nicht immer praktikabel.

Und sie sind es immer noch, werden dank Liebhaber bei Ebay und Co. gehandelt. Auch Rolf Bartusel ist gerne mit seinen Faltbooten unterwegs: „Das sind keine Museumsstücke, die werden besegelt und bepaddelt.“ Und natürlich liebevoll aufbereitet.

Klein verpackt

Die Faltboote können, je nach Typ, mit mehr oder weniger Zeitaufwand für das Winterlager oder den trailerlosen Transport im

Auto auseinander gebaut werden. Das Faltpaddelboot Kolibri 3 hatte mit Haut, Paddeln und Zubehör ein Packmaß von 120x70x50 Zentimetern – kofferraumpassend! Aufgebaut war das Kajak

4,5 Meter lang.

Der Vortrag im

Wismarer Stadtarchiv

beginnt am 1. August um 19 Uhr. Der Eintritt beträgt 3 Euro für

den guten Zweck,

Vereinsmitglieder

haben freien Eintritt.

 Nicole Hollatz

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