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Nordwestmecklenburg Familie lebt in Schimmelwohnung
Lokales Nordwestmecklenburg Familie lebt in Schimmelwohnung
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20:18 06.09.2013
Das Wohnzimmer kann Jennifer Naujokat (25) nicht mehr nutzen. Wasser ist von oben eingebrochen.

Was eigentlich das Kinderzimmer der kleinen Leonie (2) sein soll, ist im Augenblick der einzige Raum, den Jennifer Naujokat (25) und ihre Tochter in der Zweizimmer-Wohnung an der Lübecker Straße in Schönberg bewohnen können. Nachdem es im Haus zwei Stockwerke über der Wohnung der Mutter im Juli einen Wasserschaden gegeben hatte, müssen jetzt auch bei ihr Wohnzimmer, Küche und Flur dringend saniert werden. Das Wasser war von oben durch Decken und Wände gelaufen, im Wohnzimmer hatte sich sogar ein Teil der Decke gelöst. Die Wasserflecken sind deutlich zu sehen. Es riecht feucht, obwohl im Wohnzimmer ein Entfeuchter brummt.

„Dort gehen wir schon gar nicht mehr rein, damit sich die Kleine nichts einfängt“, sagt Jennifer Naujokat. Sie sorgt sich wegen des aufkeimenden Schimmels um ihre Tochter. Deswegen hat sie schon im Juli beim Jobcenter in Grevesmühlen einen Umzug beantragt. Als HartzIV-Empfängerin muss sie sich dafür an bestimmte Vorgänge halten und hat ihrem Umzugsantrag daher zwei Angebote für Alternativwohnungen in Schönberg beigelegt. Doch der Antrag wurde abgelehnt. „Ich habe dann Widerspruch eingelegt und am 13. August kamen Außendienstmitarbeiter der Widerspruchsstelle vorbei“, schildert die 25-Jährige. Die Wasserschäden in ihrer Wohnung sind in Augenschein genommen worden. „Ich hatte auch ein Video auf dem Handy, das wollte aber keiner sehen. Aber ich sollte innerhalb der nächsten zwei Wochen Bescheid bekommen“, sagt Jennifer Naujokat. Doch sie wartet immer noch.

„Dabei drängen mich die Handwerker, dass sie auch in meiner Wohnung arbeiten müssen. Ich soll das Wohnzimmer und auch die Küche leerräumen, damit sie arbeiten können“, schildert die alleinerziehende Mutter. „Aber dann kann ich hier mit einem zweijährigen Kind doch nicht mehr wohnen“, sagt sie. Die Handwerker würden dann schließlich die Böden rausreißen und den Putz von den Wänden klopfen.

Dazwischen wären dann Mutter und Tochter. „Ich bin mit meinen Nerven am Ende, der Druck macht mich fertig. Ich möchte nicht, dass meinem Kind was passiert“, zeigt sie Emotionen und es rollen Tränen über die Wangen der 25-jährigen Mutter.

Sicher hat sie Verständnis für den Hausbesitzer, der den Wasserschaden so schnell wie möglich beseitigen möchte. Aber, so sagt Jennifer Naujokat, sie braucht dann auch eine Ersatzwohnung. Ihr Vermieter hat dafür Verständnis. „Er würde sogar auf die Kündigungsfrist verzichten und mich sofort aus dem Vertrag lassen.“

Doch ohne Zustimmung der Arge kann sich die 25-Jährige den Umzug nicht erlauben. „Wenn ich es einfach so mache, dann zahlen die nichts. Und im schlimmsten Fall werden mir noch die Leistungen gekürzt.“

Jennifer Naujokat hat sich über ihre Rechte und Pflichten als Empfängerin von Leistungen nach dem SGB II informiert. Daher weiß sie auch, dass sie vor Abschluss eines neuen Mietvertrages die Zusicherung des Jobcenters Nordwestmecklenburg, die Miete der neuen Wohnung zu übernehmen, einholen musste. Diese Zusicherung fehlt ihr aber bis heute. Obwohl in der „Richtlinie des Landkreises Nordwestmecklenburg zu den Leistungen für Unterkunft und Heizung nach § 22 Zweites Buch Sozialgesetzbuch“ steht: „Das Jobcenter ist zur Zusicherung verpflichtet, wenn der Umzug erforderlich ist und die Aufwendungen für die neue Unterkunft angemessen sind.“ Es sei aber der Einzelfall zu prüfen.

Am Montag war Jennifer Naujokat zuletzt wegen ihres Wohnungs-Problems beim Jobcenter in Grevesmühlen. „Man sagte mir nur, es sei noch nichts entschieden“, berichtet sie. Möglicherweise fehlen der Behörde ihre zwei Mietangebote. Die kamen nämlich nicht mit der Post im Jobcenter an. „Ich habe sie extra mit Rückantwortschein nach Grevesmühlen zum Jobcenter geschickt“, sagt Jennifer Naujokat, die sicher gehen wollte, dass ihr Brief auch ankommt. Doch er wurde in Grevesmühlen nicht angenommen, teilt sie mit. Stattdessen wurden die Mietangebote zur Arge in Wismar weitergeleitet, dort aber auch nicht angenommen. „So kam der Brief dann wieder bei mir an“, ist die 25-Jährige enttäuscht.

Eine Sprecherin des Jobcenters in Grevesmühlen verwies bei Nachfrage zunächst auf den Datenschutz. Sie dürfe nur allgemein Erklärungen zum Umzug von Hartz IV-Empfängern geben. „Wir werden aber den konkreten Fall noch einmal im Haus überprüfen“, sagt die Sprecherin. Jeder Empfänger solle die Leistungen bekommen, die ihm zustehen. Jennifer Naujokat hofft jeden Tag darauf, doch noch eine Zusage zu bekommen.

Malte Behnk

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