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Nordwestmecklenburg Faustrecht im Straßenverkehr: Täter zahlt 800 Euro Strafe Ein 43-Jähriger aus Rehna muss eine Geldstrafe bezahlen, weil er einen anderen Autofahrer verprügelt hat / Der Grund: Er war zu dicht aufgefahren
Lokales Nordwestmecklenburg Faustrecht im Straßenverkehr: Täter zahlt 800 Euro Strafe Ein 43-Jähriger aus Rehna muss eine Geldstrafe bezahlen, weil er einen anderen Autofahrer verprügelt hat / Der Grund: Er war zu dicht aufgefahren
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20:17 14.01.2016

Wenn man Andreas M. (Name geändert) auf der Anklagebank des großen Saales im Wismarer Amtsgericht sieht, dann fällt es schwer sich vorzustellen, was am 1.

Juli vergangenen Jahres auf der Dorfstraße in Wedendorf passiert sein soll. Laut Anklageschrift soll der 43-Jährige einen Autofahrer verprügelt haben. Das Opfer soll zuvor zu dicht aufgefahren sein.

M. ist nicht gerade ein Hüne, auch nicht besonders kräftig, im Gerichtssaal spricht er ruhig und sachlich. Der Vorfall von damals klingt aus seiner Sicht weit weniger dramatisch als in der Vorlage der Staatsanwaltschaft. Demnach sei das Opfer, Claus K., seit Rehna hinter ihm gefahren. Beide kennen sich vom Sehen aus dem Ort.

„Er war so dicht drauf, dass ich das Nummernschild nicht sehen konnte“, beschreibt der Angeklagte die Situation. Er habe sich über das Verhalten gewundert, mehr aber auch nicht. In Wedendorf schließlich sei plötzlich eine Katze dicht vor ihm über die Straße gelaufen. „Ich habe gebremst und der ist mir dann leicht hinten draufgefahren. Ich bin ausgestiegen und zu ihm ans Fenster.“ Dort eskalierte der Streit. Dann soll das spätere Opfer Claus K. mit dem Handy dem Angeklagten auf die Finger geschlagen haben. „Im Reflex habe ich ihn wohl geschlagen und an der Wange getroffen“, erklärt Andreas M. Dann sei er wieder ins Auto eingestiegen und losgefahren. Mehr sei aus seiner Sicht nicht passiert. Einige Wochen später fand er einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft in seinem Briefkasten, er sollte wegen dem Vorfall in Wedendorf eine Geldstrafe zahlen. Dagegen legte er Einspruch ein, so kam es zur Verhandlung vor dem Amtsgericht.

Die Version des Opfers und des Zeugen, einem Handwerker, der hinter den beiden Kontrahenten fuhr, klingt allerdings etwas anders, als jene, die Andreas M. dem Amtsrichter präsentiert.

„Ich dachte, ich bin im Kino“, berichtet Andreas L., Tischler aus Rehna, im Zeugenstand. „Der sprang aus dem Auto, ging zu ihm und verpasste ihm sofort eine.“

Davon, dass sie noch geredet hätten, Claus K. mit dem Handy dem Angeklagten auf die Finger geschlagen habe, hat er nichts gesehen. Der Zeuge: „Das ging ratzfatz. Ich bin sofort zu ihm ans Auto, der war richtig benommen. Ich hab‘ noch gerufen, er soll stehen bleiben, aber der war so schnell weg, dass ich nichts machen konnte.“ Er kümmerte sich stattdessen um Claus K., der nach eigenen Angaben einen gezielten Faustschlag ins Gesicht erhalten hatte und zur Seite wegsackte. Laut dem Opfer habe es weder einen Auffahrunfall gegeben („Der hat mich ausgebremst.“) noch einen Schlag mit dem Handy auf die Finger („Woher sollte ich denn so plötzlich mein Handy in der Hand haben?“). Auch eine Katze habe niemand gesehen. „Alles Quatsch“, sagt auch Zeuge Andreas L. An den Aussagen des Angeklagten melden Staatsanwaltschaft und Gericht mittlerweile leise Zweifel an.

Andreas M. nimmt die Äußerungen indessen ungerührt zur Kenntnis. Er bleibt bei seiner Version. Zumindest sagt er nichts mehr vor Gericht.

Nur seine Anwältin meldet sich nach den Zeugenaussagen und einer kurzen Pause, in der sie mit ihrem Mandanten ein paar Worte wechselte. „Mein Mandant akzeptiert den Strafbefehl, er würde den Einspruch zurücknehmen.“ 800 Euro zahlt der 43-Jährige für die Nötigung und die Körperverletzung, vorbestraft ist er nicht.

Michael Prochnow

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