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Nordwestmecklenburg Film ab: Kino auf dem Dorf
Lokales Nordwestmecklenburg Film ab: Kino auf dem Dorf
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23:14 15.12.2017
Der Nienhäger Thomas Pätow zeigt mit seinem Kulturverein einmal monatlich im Ostseebad ausgewählte Filme. Quelle: Fotos: Sabine Hügelland, Renate Peter
Nienhagen

Die Leinwand wird ausgerollt, die Stühle stehen bereit, die Filmrolle ist eingelegt: Regelmäßig werden in Mecklenburg Räume in Gutshäusern, Pfarrhäusern oder Gemeindezentren zu Kinosälen. Dann laden Vereine und Initiativen zum Filmabend ein.

Vereine und Initiativen organisieren regelmäßig auf dem Land Abende mit Bewegtbild.

Im Ostseebad Nienhagen wurde der Landfilm 2012 wieder aktiviert. Möglich macht das der Kulturverein Nienhagen, dessen Vorsitzender Thomas Pätow 1985 nach zwei Jahren Ausbildung in Sachsen Filmtheater-Leiter wurde. „Ein Jahr haben wir den Landfilm-Verleih genutzt. Das wurde uns zu teuer und wir schafften eigene Technik an“, so Pätow. Unter der Rubrik „Der besondere Film“ gibt es bis heute monatliche Angebote.

„Wir zeigten vor allem preisgekrönte Filme und boten eine Filmreihe an mit dem Schauspieler Jack Nicholson unter anderem mit dem Film ,Einer flog über das Kuckucksnest’. Auch eine Filmreihe über berühmte Maler, zum Beispiel Caspar David Friedrich“, so Pätow. „Sie fanden Resonanz, aber nicht so wie erhofft“, sagt er. „Film ist etwas Besonderes, weil er viele Künste vereint. Schauspiel, Literatur, Fotografie, Malerei, Musik und Handwerk, all das ist Film“, so Pätow begeistert. „Landfilm gibt die Möglichkeit sich im Anschluss mit den Zuschauern zu unterhalten. Man erhält so Rückmeldungen, das macht seinen Charme aus“, sagt er.

„Seit 2016 gehören wir der Filmkommunikation Güstrow an“, sagt Pätow. „Wir können jetzt aktuelle Filme zeigen. Seitdem hat sich die Zuschauerzahl verdoppelt.“ Im Durchschnitt kommen 25 Zuschauer, die jeweils zwischen vier bis sieben Euro zahlen. Bei ausgewählten Filme geben Studenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock vorweg ein kleines Konzert. „Diese Kombination ist sehr beliebt.“ Die Filmvorführungen in Nienhagen macht Pätow selbst auf der eigenen Anlage, ansonsten ist Vorführer Uwe Höppner von der Filmkommunikation Güstrow im Landkreis Rostock unterwegs.

Thomas Pätow war in der DDR Leiter des Kinos in Bad Doberan und auch die Stellvertretung für den Kreisfilmstellen-Leiter. „Wenn der Vorführer früher mit dem Moped nach Nienhagen kam, wurde er hofiert. Die Jugendlichen liefen ihm entgegen, um ihm mit seiner schweren Technik zu helfen und sie machten Werbung im Ort“, erinnert sich Pätow.

Weihnachten wird normalerweise ein Kinderfilm gezeigt: „Leider ist unser Beamer kaputt. Im Januar wird es wohl wieder einen Film geben. Der Verein berät dann auch über das Programm“, sagt Pätow. „Ich würde gern auch in Rethwisch Filme anbieten und bin im Gespräch, doch da fehlt es noch an einem geeignetem Raum.“

Bis zu acht Filme im Jahr zeigt der Kulturverein, der aus sechs festen und einem Ehrenmitglied besteht. In diesem Jahr wurde „Die Feuerzangenbowle“ sogar auf alter Filmvorführungstechnik gezeigt:

„Einer TK35 wie sie bis 1991 im Landfilm eingesetzt wurde. Auch in Kitas, Altenheimen und Schulen“, sagt Thomas Pätow. „Das kam gut an. Wir machen weiter Landfilm“, verspricht er.

Auch im Gutshaus in Garvensdorf wird regelmäßig zum Filmabend eingeladen. Holger Stein gehört den 20 Mitglieder starken Gutshaus-Garvensdorf-Verein an und war drei Jahre für das Kinoprogramm zuständig: „Für 2018 haben wir noch keinen Kino-Plan, darüber muss der Verein noch beratschlagen. Wir sind jedoch gerade zu wenig Leute, die für das Landkino Zeit haben.“

Das monatliche „GuteHausKino“ zeigt meist Dokumentationen wie „Neben den Gleisen“. Der Eintritt beträgt vier Euro. „Wir sind dem Güstrower Abspielring angeschlossen. Früher haben wir das selbst geleistet, doch das ist finanziell nicht zu machen“, sagt Stein. „25 bis 40 Gäste kommen zum Kino. Sie sind nicht nur aus der Region, auch aus Rostock und Wismar“, sagt er.

„Das Schöne bei uns ist, im Anschluss können die Gäste noch bleiben, wenn sie wollen. Das hat Wohnzimmeratmosphäre.“ Die Kirchgemeinde Reinshagen bietet „Kino in der Kirche“ an.

Fast immer am zweiten Sonnabend im Monat starten die Filme 19.30 Uhr im Gemeinderaum der Pfarre, Kirchstraße 17. Der Eintritt beträgt drei Euro, Kinder dürfen kostenfrei ins Landkino.

Das Besondere: Es gibt kleine Leckereien und es darf von jedem auch etwas mitgebracht werden. Die Filme werden meistens mit Beamer, manchmal auch von der Filmrolle gezeigt. Die Kirchgemeinde ist Mitglied im Landesverband Filmkommunikation e.V. von Mecklenburg-Vorpommern. Zuletzt wurden „Die andere Seite der Hoffnung“ und Junge Europäische Kurzfilme gezeigt.

Im Bereich Wismar bietet die Kirchengemeinde Dorf Mecklenburg regelmäßig Filmabende an. „2018 werden wir das allerdings nur eingeschränkt können“, sagt Pastorin Anja Exner.

Traditioneller Ort der Filmvorführungen ist die um 1701 erbaute Pfarrscheune. Sie wird im nächsten Jahr aber wegen dringender Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten eine Baustelle sein. So ganz müssen die Dorf Mecklenburger dennoch nicht auf Kino verzichten. Wie in einer ähnlichen Situation 2014 soll es eine Vorführung in der Kirche geben. „Wir haben den September ins Auge gefasst, weil es da schon etwas früher dunkel wird“, erklärt Anja Exner. Auf dem Programm der Filmabende steht eher leichtere Kost. Gezeigt wurden zum Beispiel „Nachtzug nach Lissabon“, „Gran Paradiso“ und „Best Exotic Marigold“. Welcher Film 2018 in der Kirche zu sehen sein wird, steht noch nicht fest.

Einmal im Quartal können die Rövershäger „einen anspruchsvollen Film“ sehen, wie Manuela Hoffmann vom Verein Landzeit berichtet. „Kino im Pfarrhaus“, heißt es hier, die Filme kommen ebenfalls aus Güstrow und auch in Rövershagen werden kleine Leckereien passend zum Film gereicht. „Zum Film ,Birnenkuchen mit Lavendel’ war ja klar, was es gibt“, erzählt Manuela Hoffmann.

Im kleinen Dorf Damshagen Filme schauen? Das gab es in der Tat mehrere Jahre im Pfarrhaus in Damshagen. Den Grundstein dafür legte Wolf Beckmann, der sich gemeinsam mit seiner Frau Olga in der Kirchgemeinde engagierte. Mit seinem Wegzug aus dem Ort drohte auch das Projekt zu verschwinden. Mehr als zwei Jahre passierte nichts in Sachen Kino auf dem Lande – bis Thorsten Menkenhagen, der sich im Kirchenältestenrat engagiert, im November diesen Jahres einen Wiederbelebungsversuch startete. „Etwa 25 Leute waren dabei“, freut er sich über die große Resonanz. Platz im Pfarrhaus haben bis zu 40 Gäste, die in gemütlicher Runde Filme schauen können. Der Start war im November mit einer Komödie, am gestrigen Freitag ging es mit „40 Tage in der Wüste“etwas religiöser zu. Der Film erzählt von Jesus, der für 40 Tage in die Wüste geht, um fastend und betend nach Erleuchtung zu suchen. „Die Filme habe ich bisher alleine ausgesucht, ich hoffe aber auf Tipps aus der Bevölkerung für die Zukunft“, sagt Thorsten Menkenhagen. Bisher hat er Filme gezeigt, die in seinem Besitz sind und für die die Kirche eine Vorführlizenz hat. Bis März wird es die Aktion einmal im Monat geben. „In der dunklen Jahreszeit eben“, so Menkenhagen.

Auch an die Kinder und Jugendlichen ist in Damshagen drei- bis viermal im Jahr gedacht. Veranstalter ist auch hier die Kirche und der Jugendklub. Die Filme werden in der Schmiede im Ort gezeigt – zuletzt am vergangenen Donnerstag, erneut in den Winterferien. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, so Menkenhagen.

Sabine Hügelland, Sylvia Kartheuser, Jana Franke u

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