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Nordwestmecklenburg Flieger, Forscher, Abenteurer
Lokales Nordwestmecklenburg Flieger, Forscher, Abenteurer
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21:42 28.10.2017
Gunther Plüschow (oben) und seine Crew am Wasserflugzeug Heinkel HD 24 W, mit dem er am 28. Januar 1931 abstürzte. Dabei kam der Flugpionier ums Leben. FOTOS (2): PHANTECHNIKUM
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Wismar

Gunther Plüschow zählt zu den Flugpionieren. Als Erster überflog er mit seinem Ingenieur Ernst Dreblow auf Feuerland, dem südlichsten Zipfel Südamerikas, die Darwin-Kordillere, das Kap Hoorn und die Torres des Paine. Die beiden machten Fotos und legten Karten an. Auf dem Rückflug von einer dieser Erkundungstouren stürzte das Wasserflugzeug, eine Heinkel HD 24 W mit der Kennung „Tsingtau D-1313“, in einen Nebenarm des Largo Argentino ab. Plüschow und Dreblow kamen ums Leben.

Sonderausstellung über Gunther Plüschow im Phantechnikum / Erste Fotos von Feuerland.

Das Phantechnikum, das selbst einige Stücke zu Gunther Plüschow besitzt, widmet dem 1886 in München geborenen Abenteurer die aktuelle Sonderschau. „Sie ist eine schöne Ergänzung zu unserer Tafel und dem Modell in unserer ständigen Ausstellung“, sagt Museumsleiter Andrej Quade. Zustande gekommen ist die Schau durch einen Kontakt zu Gerhard H. Ehlers, der sich seit Jahren mit dem Leben von Gunther Plüschow beschäftigt und Kontakt zu dessen Witwe und Sohn hatte.

„Viele Originalgegenstände von Gunther Plüschow gibt es nicht mehr“, sagt Andrej Quade. Allerdings hat sich ein mit Perlmutt verziertes Opernglas samt Etui erhalten, das der Flieger oft als Zweitfernglas auf den Flügen mitnahm. Auch ein kleines Wrackteil des Flugzeugs wird in einer Vitrine ausgestellt. Daneben steht eine Kuriosität: eine kleine Flasche „Dr. Dralle Birkenhaarwasser“.

„Sie wurde nahe der Absturzstelle gefunden und gehörte vermutlich Plüschow, der dieses Haarwasser benutzte“, erzählt der Leiter des Technischen Landesmuseums in Wismar.

Die 32 Bildtafeln und die Gegenstände in den Vitrinen erzählen vom Leben eines umtriebigen Abenteurers. Während seiner Ausbildung zum Marineoffizier kam er das erste Mal nach Tsingtau und kehrte noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Flieger 1914 dorthin zurück. Im November folgte eine abenteuerliche Flucht über China und Amerika nach Gibraltar. Dabei nutzte Plüschow verschiedene Identitäten. Er flog auf. Die Engländer nahmen ihn gefangen. Er kam nach Donington Hall, einen herrschaftlichen Landsitz, der für Kriegsgefangene genutzt wurde. „Er hatte dort als Offizier wirklich nichts auszustehen“, sagt Andrej Quade. Doch Plüschow hielt es nicht dort. Ihm gelang die einzige erfolgreiche Flucht eines feindlichen Kriegsgefangenen von den britischen Inseln in beiden Weltkriegen.

Ab 1925 zog es Gunther Plüschow immer wieder nach Südamerika. Bei seiner dritten Expedition stürzte er in den Tod. Ab der zweiten war Ernst Dreblow mit an Bord. Die beiden machten die ersten Bilder und lieferten das erste Filmmaterial über das patagonische Inlandeis. „Die Aufnahmen werden noch heute zu Vergleichen herangezogen, um zu sehen, wie sich die Gletscher verändern“, erklärt Andrej Quade. Der direkte Vergleich der Fotos von 1929 und 2012 zeigt einen erschreckenden Rückgang.

Die Ausstellung ist bis zum

29. April 2018 zu sehen.

Zeiten und Preise

Das Phantechnikum ist von September bis Juni immer dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Erwachsene (auch Rentner) zahlen für das Tagesticket acht Euro,

Kinder (sechs bis 17 Jahre) und

ermäßigt gegen Vorlage eines entsprechenden Nachweises fünf Euro.

Für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt frei. Familien (zwei Erwachsene und ein Kind beziehungsweise

ein Erwachsener und zwei Kinder) 15 Euro, jedes weitere Kind 3,50 Euro.

Schüler im Klassenverband

zahlen bei Vorlage einer

Schulbescheinigung vier Euro.

 Sylvia Kartheuser

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