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Flucht vor dem Giftgas Saddam Husseins

Palingen Flucht vor dem Giftgas Saddam Husseins

Abdullah Mehmud wehrte sich gegen Unterdrückung im Irak. Sein Odyssee führte ihn nach Deutschland.

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Abdulla Mehmud sprach über seine Flucht vor den Giftgaseinsätzen der Truppen Saddam Husseins, rechts Moderator Jörg Rohwedder.

Quelle: dana

Palingen. Sechs Jahre hat Abdulla Mehmud im Dorf Hiro im Norden des Iraks gelebt, zehn Jahre in Mosul, drei in Zakho und fünf in Dohuk verbracht, bevor er sich fünf Jahre lang in den Bergen aufhielt. 16 Tage lang war er dorthin geflüchtet, fand schließlich in einem Lager in der Türkei Unterschlupf. Heute lebt der Kurde, der 1988 wegen der Giftgasangriffe der Truppen Saddam Husseins das Land verließ, seit 23 Jahren in Lübeck. Im Hofcafé in Palingen sprach er über seine Erlebnisse.

Er gelangte auf Umwegen in die Hansestadt — so wie er überall nur auf Umwegen hinkam. Und niemals freiwillig, wie er sagt. „Es liegt immer ein Grund vor, wenn ein Mensch seine Heimat verlässt“, sagt Abdulla Mehmud (52): „Nie geschieht dies einfach so“.

Nur selten werden an diesem Abend Abdulla Mehmuds Ausführungen von Fragen aus dem Publikum durchbrochen. „Ich gebe heute alles stark gekürzt wieder“, sagt er und schaut auf an die Wand projizierte Fotos. Eines zeigt eine Gruppe, Mehmud beginnt: Er zählt alle, die darauf zu sehen sind, auf. Er weiß genau, was sie heute tun. Einer ging im Krieg verschollen.

Abdulla Mehmud hatte sich im Irak gegen gegen die Unterdrückung der Baath-Partei zur Wehr gesetzt, auch mit Waffengewalt. Die Giftgasangriffe bewegen ihn dazu, mit seiner Familie zu fliehen.

Mehmud flüchtet mit seiner hochschwangeren Frau, zwei Söhnen und einer Tochter. Ihre Wege trennen sich. Erst im türkischen Flüchtlingslager finden sie wieder zusammen. „Die Flucht über die Berge war ein Trauma“, sagt der 52-jährige.

In dem Lager gehört er einer Organisation an, die von der türkischen Verwaltung nicht geduldet wurde. Er solle den Kontakt mit den Türken meiden, rät man ihm. Obwohl er sich später mit ihnen gut stellt, sind Abdulla Mehmud und seine Familie auch dort nicht sicher, weshalb er sich zu der Flucht nach Schweden entschließt.

Doch dort kam er nicht an. Er wird in Dänemark entdeckt, als Flüchtling zwei Wochen lang inhaftiert und nach Deutschland abgeschoben. In Lübeck findet er eine neue Heimat.

Abdulla Mehmud arbeitet heute im Migrationsfachdienst bei der Gemeindediakonie Lübeck. Seit 1992 kümmert er sich um Flüchtlinge. Er hilft bei Behördengängen, zeigt die Stadt und günstige Einkaufsmöglichkeiten. Über die Jahre hinweg war er für verschiedenen Institutionen tätig, wie der Interkulturellen Begegnungsstätte in Lübeck und dem Verein des Lübecker Flüchtlingsforums, in dem er noch heute aktiv ist. Auch als Dolmetscher wirkt Abdulla Mehmud. Für sein Engagement bekam er 2006 den „Leuchtturm des Nordens“, eine Ehrung des Flüchtlingsrates Schleswig-Holstein.

Die Veranstaltungsreihe „Heimat und Flucht“ im Hofcafé in Palingen lädt in regelmäßigen Abständen Menschen auf das rote Sofa ein, die mit dem Thema in Verbindung stehen. Die Gespräche werden auf Video aufgezeichnet und auf der Webseite des veranstaltenden Vereins Deel28 zu sehen sein. Jörg Rohwedder aus dem Deel28-Vorstand moderiert die Abende, die durch das Programm „Toleranz fördern — Kompetenz stärken“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden.

• Mehr im Internet:

www.deel28.de

Irakisches Chemiewaffenprogramm
Von 1979 bis 1991 entwickelte der Irak chemische Waffen. Genutzt wurden sie im ersten Golfkrieg zwischen dem Irak und Iran von 1980 bis 1988 und bei der Anfal-Operation 1988, einem Genozid des irakischen Baath-Regimes unter Saddam Hussein gegen die kurdische Bevölkerung. Diese hatte sich während des Ersten Golfkrieges auf die Seite des Irans gestellt.

180000 Ermordete gab es laut kurdischer Quellen, internationaler Beobachter und der UNESCO durch die Anfal-Operation.

„Es liegt immer ein Grund vor, wenn ein Mensch seine Heimat verlässt.“
Abdulla Mehmud (52)

Dana Dolata

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