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Flüchtlinge im Landkreis: Helfer fordern mehr Unterstützung

Grevesmühlen/Wismar Flüchtlinge im Landkreis: Helfer fordern mehr Unterstützung

Ein halbes Jahr nach Beginn der Flüchtlingskrise sind in Nordwestmecklenburg viele ehrenamtliche und hauptamtliche Kräfte im Einsatz / Probleme gibt es nach wie vor.

Grevesmühlen. Unfreundliche Wachleute, umständliche Behördengänge, unvollständige Ausstattungen in den Wohnungen — die Situation der Flüchtlinge und Asylbewerber in Nordwestmecklenburg hat sich zum Jahresbeginn immer noch nicht entspannt. So gibt es noch immer zahlreiche offene Fragen. Die wurden zum Teil in Wismar beantwortet, dort hatte die Ausländerbehörde des Landkreises die Flüchtlingshelfer eingeladen. Mehr als 40 ehrenamtliche Unterstützer kamen und sprachen über ihre Sorgen und Nöte bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Nordwestmecklenburg.

Die Unterbringung

„Es gibt keine obdachlosen Asylbewerber im Landkreis Nordwestmecklenburg. Wir haben immer einen Plan B“, sagte Sozialarbeiter und Verantwortlicher für die dezentrale Unterbringung, Roy Rietentiedt, auf die Frage, wie viele Asylbewerber keine Wohnung finden hätten können. Denn von den Gästen aus Wismar und Umgebung waren Fragen nach dem Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten und die standardmäßige Ausstattung an der Tagesordnung. Ein Herd und eine Spüle gehöre auf jeden Fall zum Standard, forderten die Gäste. Selbst wenn viele Asylbewerber in solchen Sachen erst eingewiesen werden müssten. „Ich finde, solche Standards sollte man auch für die Wohnungsgesellschaften zur Bedingung machen“, erklärte Sandra Rieck vom Verein Das Boot aus Wismar.

Der Behördenalltag

Sie forderte genauso wie viele andere Ehrenamtler zudem eine deutliche Vereinfachung von Abläufen und Terminvergaben für die Asylbewerber. So ist es derzeit eher die Regel als die Ausnahme, dass die Asylbewerber für Behördengänge immer wieder auf den verschiedenen Ämtern vorstellig werden müssen. „Termine kann man beim ersten Besuch einer Behörde doch schon koordinieren und mitgeben“, forderte auch Tino Schwarzrock von Bündnis 90/Die Grünen. „Wenn ich in Wismar lebe, mag das ja noch gehen, aber wenn ich am Rand des Nordwestkreises in Utecht oder Schlagsdorf wohne, gibt es jede Menge Probleme“, erklärte er. Das zehre auch auch an den Kräften der zahlreichen Ehrenamtlern, die zwar immer wieder bereit wären, die Asylbewerber zu unterstützen, doch oft auch das derzeitige System nicht verstünden. Deshalb bot die Leiterin der Ausländerbehörde des Landkreises Ina Schwaß an: „Bitte rufen sie mich montags an oder schreiben Mail, die auf unserer Internetseite zu finden ist. Wir haben zwar schon zwei Stellen mehr geschaffen, aber mein Team arbeitet wirklich schon über die Leistungsgrenze hinaus und kann die vielen Stapel nur noch abarbeiten.“ Während die Sprechzeiten dienstags und donnerstags völlig überfüllt sind, ist an den anderen drei Arbeitstagen die eigentliche Büroarbeit nicht mehr zu bewältigen. „Deshalb erledige ich montags alle Telefonate und E-Mails selbst. Anders geht es nicht“, sagte Schwaß.

Der Wachschutz

Kritik kam am Umgang des Wachschutzes mit den vielen Flüchtlingen auf, die ihren Antrag auf Asyl stellen. Ihnen wird der Zugang zum Warteraum der Ausländerbehörde versagt, da die Zahl der Antragsteller so groß sei, dass sie den Zugang zum Gebäude versperre. „Es kann aber auch nicht sein, dass dieser sogenannte Wachschutz, ein Türsteher einer schlechten Dorfdisko, den Asylbewerbern in einem unangemessenen Ton befiehlt, sich vor der Tür in Reih und Glied anzustellen“, sagte eine Besucherin. Solche Fälle, so Ina Schwaß, müssten sofort gemeldet werden. Erst dann könne dagegen vorgegangen werden. Insgesamt stellten sowohl Riesentiedt, als auch Schwaß und Sachgebietsleiterin Christel Strefner fest, dass die Arbeit ohne die Hilfe der Ehrenamtler nicht mehr zu bewältigen wäre und das System zusammenbrechen würde. Deshalb appellierten sie an das Durchhaltevermögen und gutes Miteinander in den kommenden Monaten und Jahren.

Maik Freitag

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