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Fotografieren im Freibad verboten?

Grevesmühlen/Hamburg Fotografieren im Freibad verboten?

In Hamburg gibt es sogar einen Sticker auf die Linse / So machen es hiesige Bäder.

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„Ein Fotoverbot könnten wir gar nicht durchsetzen“, sagt Ihlsee-Bad-Chef Rüdiger Ostwald. Er hat kein Problem damit, wenn Gäste im Freibad Fotos machen.

Quelle: Foto: Materne

Grevesmühlen/Hamburg. Sommer, Sonne, nackte Haut. Die warme Jahreszeit ist da. Wer sein Kind beim Plantschen im Schönberger Badeteich, seinen Kumpel beim Springen vom Sprungbrett im Freibad Grevesmühlen oder seine Freundin beim Tauchen im Hallenbad in Wismar fotografieren möchte, denkt sich sicher nichts Böses. Das Problem ist nur: Wer schnell mal einen tollen Moment einfängt und ihn dann in den sozialen Medien teilt, der hat womöglich auch jede Menge „Beifang“ – also leicht bekleidete Menschen im Hintergrund – ungefragt einem großen Publikum preisgegeben.

LN-Bild

In Hamburg gibt es sogar einen Sticker auf die Linse / So machen es hiesige Bäder.

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Um das zu verhindern, hat die Bäderland Hamburg GmbH vor einem Jahr ein Fotoverbot erlassen und stellt ihren Gästen künftig Kamera-Sticker zur Verfügung, mit denen die Linse von Smartphones abgeklebt wird. Die Nutzung ist allerdings auf freiwilliger Basis. Gute Idee oder doch übertrieben?

Dieser Trend ist noch nicht nach Nordwestmecklenburg geschwappt. „Uns hat noch keiner unserer Badegäste auf so etwas angesprochen“, sagt Michael Heinze, Vorsitzender des Vereins „Badeteich Schönberg“, der hofft, dass die Leute auch weiterhin entspannt bleiben. Bisher habe sich dort niemand über Fotos beschwert, die irgendjemand mit seinem Handy gemacht habe.

Auch im Grevesmühlener Freibad ist das Abkleben von Handy-Kameras bisher nicht angesagt. „Wir haben ja hier überwiegend Mütter, Omis und Kinder, eigentlich keine komischen Männer, von denen man das vielleicht vermuten könnte, dass sie solche Fotos machen“, Vereinsvorsitzender Benny Andersson. „Bisher gab es jedenfalls noch keine Probleme.“ Von einem generellen Handy-Verbot für Kinder und Jugendliche hält Andersson nichts, weil eben heutzutage Eltern immer mit ihren Kindern kommunizieren wollen. „Sollte von den Kindern oder Jugendlichen wirklich einmal einer mit seiner Handykamera Unsinn anstellen, dann kann auch mal ein Freibad-Verweis ausgesprochen werden“, sagt er. Die meisten Freibadbesucher, ergänzt er noch, schließen ihre Handys ohnehin in den seit diesem Jahr zur Verfügung stehenden Schließfächern ein, um sie vor Sand und Wasser zu schützen.

In Lübeck gehen die Meinungen zum Kamera-Aufkleber weit auseinander. „Bei uns gibt es ein generelles Foto- und Handyverbot in allen Bädern“, sagt Björn Hoppe, Direktor der Lübecker Schwimmbäder.

Damit erübrigt sich auch die Frage nach den Kamera-Stickern. Und die Alternative zum Handyverbot, ein verpflichtender Einsatz der Sticker, wäre Hoppe zu tiefgreifend. „Das würde am Ende noch Taschenkontrolle bedeuten, da finden wir es besser, wenn das Handy gleich draußen bleibt.“ Grund für das seit 2015 bestehende Verbot ist laut Manuel Seeck, stellvertretender Betriebsleiter des Schwimmbads Kücknitz, eine Zunahme des Fotografierens mit dem Smartphone. „Seit die Handys auch wasserdicht sind, haben Unterwasserbilder massiv zugenommen“, erklärt der 29-Jährige. Das wollte man nicht mehr tolerieren. „Es geht uns dabei auch um den Schutz der Kleinsten“, erklärt Hoppe. Und Probleme gebe es mit dem Verbot nicht. „Wenn man den Leuten erklärt, warum das bei uns so ist, ist das Verständnis meist da“, berichtet Seeck. In den Freibädern und auf der Liegewiese im Kücknitzer Freibad sei die Kontrolle allerdings schwieriger als in einer übersichtlichen Halle.

Das gilt genauso – und noch mehr – für den Ostseestrand. Kurdirektor Uwe Kirchhoff hat an einem Foto- oder gar Handyverbot am Travemünder Strand aber auch gar kein Interesse: „Wo sollen wir denn hinkommen, wenn die Leute ihr Urlaubsglück nicht mehr festhalten dürfen?“ Der Kurbetrieb fördert die Möglichkeit, Bilder und Videos im Netz zu verbreiten sogar noch. Rund 15000 Euro hat man in Travemünde in den Ausbau des WLan-Netzes für Urlauber und Tagesgäste investiert. Dass damit die Gefahr der Verletzung von Persönlichkeitsrechten noch erhöht wird, glaubt Kirchhoff nicht. Denn gebe es das WLan nicht, würde der Nutzer die Fotos eben später ins Netz stellen. „Den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien, müssen wir den Menschen schon selbst überlassen“, meint der der Kurdirektor. Zumal ihm noch nie Ängste zugetragen wurden, nach denen sich Menschen am Strand in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt fühlten. Außer einmal: „Da sollte ein junger Mann, der einen Freiwilligendienst leistete, einen seltenen Vogel beobachten“, erzählt Kirchhoff schmunzelnd. Mit einem Fernglas habe er sich dazu in die Dünen gelegt und „fast Prügel bezogen“.

Für die Lübecker Polizei ist das Thema auch eher eine Ausnahme: „Seit Januar 2016 gab es insgesamt 36 Fälle, bei denen wegen unerlaubt gefertigter Bildaufnahmen nach ermittelt wurde“, berichtet Polizeisprecher Ulli Fritz Gerlach. Das waren aber handfeste Straftaten, bei denen es um Erpressung oder Bloßstellung in sozialen Medien ging. Nur zwei dieser Fälle hatten einen Bezug zum Schwimmbad oder Strand gehabt.

Auch beim Verein der Lübecker Naturbäder gibt es keine Überlegungen in Richtung Handy- oder Fotoverbot: „Wir achten darauf, wer da Bilder macht, wollen aber niemandem verbieten, schöne Momente festzuhalten“, sagt der Vorsitzende Andreas Pawlowski. „Ich nehme auch kein Mehr an Fotografie durch Smartphones wahr“, sagt er. Doch das liegt vielleicht auch daran, dass die trübe Wakenitz nicht so sehr zu coolen Unterwasserfotos einlädt, wie das Wasser der Hallen- und Freibäder.

Ab wann werden Fotos strafrechtlich relevant? Das sagt die Polizei:

Eine strafrechtliche Relevanz kann auftreten, wenn Fotos einer Person angefertigt und veröffentlicht werden,

ohne dass eine Zustimmung dieser vorliegt. Ausnahmen bestehen, wenn ein zeitgeschichtliches Ereignis dokumentiert wird, die Personen nur „Beiwerk“ einer Aufnahme sind.

Das bloße Fotografieren steht unter Strafe, wenn der „höchstpersönliche Lebensbereich durch Bildaufnahmen verletzt“ wird – etwa in Umkleide-, Toiletten- und Duschräumen. Verboten ist zudem die Verbreitung von Aufnahmen, die dem Ansehen der abgebildeten Person

erheblich schaden können. Ebenfalls verboten sind das Fertigen, Anbieten und Verbreitung von Bildern, die die Nacktheit unter 18-Jähriger zum Gegenstand

haben.

Luisa Jacobsen und Annett Meinke

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