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Nordwestmecklenburg Frischekur für einen Tarnewitzer Kutter
Lokales Nordwestmecklenburg Frischekur für einen Tarnewitzer Kutter
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20:15 10.03.2016
Der Tarnewitzer Zehn-Meter-Kutter „Uschi“ von Fischer Uwe Dunkelmann erhält unter anderem einige neue Außenhaut-Planken in klassischer Klinkerbauweise. Quelle: Fotos: Hans-Joachim Zeigert

Geschäftiges Treiben an der Slipanlage der Poeler Bootswerft in Kirchdorf. Auf dem Trockenen steht diesmal ein Tarnewitzer Kutter. Auffällig am hölzernen Rumpf: Es fehlen bereits einige Planken. An anderer Stelle werden gerade weitere schadhafte Holzteile entfernt. Weil reine Handarbeit, lösen gleich mehrere Mitarbeiter morsches Holz aus dem Klinkerverbund. Und zwar so, dass darüber passgenau neues Material Platz findet.

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Klassisches Fischerboot wird auf Poeler Werft in traditioneller Holzbootsbauweise überholt.

„Die ersten frischen Planken werden jetzt gleich fixiert“, erklärt Ralf Asmus noch schnell am Bauplatz. Indessen steht sein gesamtes Team schon für die Aktion „dampfendes Holz“ in den Startlöchern.

Ein wörtlich zu nehmender Einsatz, wie sich schon bald zeigt, denn die erste Eichenplanke lässt noch auf dem Weg zum Boot in der kühlen Luft ihren „erhitzten Atem“ ab. Damit ist das erste von weiteren Holzteilen nach drei Stunden Spezialbehandlung unter Hitze und Dampf soweit präpariert, dass es sich gut an den Kutterrumpf anpassen lässt. Folglich darf jetzt beim Fixieren nicht getrödelt werden. Denn mit dem Erkalten hält es seine neue Form. Der Rest des bereits auf 80 Prozent zugeschnittenen Holzes ist dann nur noch Feinarbeit. Auch dieser Part aufwendiger Handarbeit ist bestimmend für das Handwerk des klassischen Holzbootsbaus. Eine weitere und über Jahrhunderte überlieferte Arbeitstechnik ist das anschließende Kalfatern, Abdichten der Plankenritzen mit teergetränktem Hanf. Zum kleinen Bootsbauerteam gehört auch Sophie Scharnweber. Natürlich fällt der rötliche Haarschopf der künftigen Bootsbauerin auf, die sich seit September 2014 mitten in der Männerdomäne behauptet. „Na klar macht es immer noch Spaß“, sagt die junge Frau, während sie das scharfe Stemmeisen am morschen Holz mal kurz absetzt.

Knapp zwei von den dreieinhalb Ausbildungsjahren hat sie noch zu meistern. Und sie hat sogar einen Zuschauer, Poels dienstältesten und wohl auch bekanntesten Fischer, Arno Gössel (86). Dass er gerade an diesem lebendigen Ort bei sonnigen Momenten ein Plätzchen zum Verweilen sucht, ist kein Zufall. Boote und der Hafen prägten bisher sein ganzes berufliches Leben und zwar schon fast 72 Jahre lang.

Noch liegt sein eigenes Boot auf dem Trockenen. Doch mit der beginnenden Saison will er wieder zum Fischen hinausfahren. „Aber nur noch für den eigenen Bedarf“, wie er freundlich einräumt. Das Thema Saisonstart hat gleichsam für Ralf Asmus Bedeutung. Günstige Wetterabschnitte des diesjährigen Winters ermöglichten es, auch im Außenbereich terminlichen Vorlauf zu schaffen. „Wir nutzen deshalb weiterhin jeden Moment der Schönwetterphasen, um im Freien tätig zu sein“, so der Chef. Bald soll deshalb auch dieser Auftrag erledigt sein, für den insgesamt vier Wochen Überholungszeit eingeplant waren. Dann wird sich zudem der Bootsplatz auf seinem Gelände wieder lichten.

Anders sieht es in seiner wettergeschützten Bootshalle aus. Dort ist der Platz weiterhin knapp. So wartet ein älteres Freizeitschiff aus den 1950er Jahren auf ein neues Teakdeck. An einer schnittigen Segeljacht, ein Einzelstück aus den 1930er Jahren, gibt es noch sehr viel mehr zu tun. Der Eigner aus Schleswig-Holstein hat es allerdings nicht so eilig, heißt es dazu. „Der gesamte Eichenrumpf war völlig unpassend mit Kunststoff überzogen, den es zunächst zu entfernen galt“, so Asmus. Sein Fazit deckt sich mit der Motivation des Eigners: „Holzboote sollten es stets bleiben und als solche erhalten werden.“

Von Hans-Joachim Zeigert

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