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Nordwestmecklenburg Fünf Jahre und drei Monate Haft für Kindes-Missbrauch
Lokales Nordwestmecklenburg Fünf Jahre und drei Monate Haft für Kindes-Missbrauch
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02:34 13.03.2018
Der Angeklagte Andy B. im Saal des Landgerichtes. Quelle: Foto: C. Kettler
Schwerin

Regungslos nahm gestern Andy B. das Urteil hin. Der 43-Jährige aus einem Dorf im Klützer Winkel muss für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Er hat zugegeben, die elf Jahre alte Tochter seiner heutigen Ehefrau mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Die nachgewiesenen Taten ereigneten sich in der Wohnung der Familie über einen Zeitraum von rund acht Monaten.

In der Anklageschrift hatten die Ermittlungsbehörden dem seit der Wende arbeitslosen Malergehilfen vorgeworfen, das Mädchen zum Sex genötigt zu haben, indem er ihr erzählte, dass er ihre Katzen töten würde, wenn sie nicht mitmache. Das hatte Andy B. allerdings bestritten und erklärt, dass sie gar keine Haustiere hätten.

Wie sich gestern allerdings herausstellte, gab es in den vergangenen Jahren etliche Tiere in der Familie. Einen Hund, den B. von seiner Ex-Ehefrau übernommen hat, tötete und verbrannte er. Eine kleine Katze sei versehentlich unter seinem Kopfkissen erstickt, berichtete er gestern. Und den Vorwurf, dass er zwei Nymphensittiche erschlagen habe, wiegelte er mit den Worten „Die sind irgendwann aus dem Fenster geflogen“ ab.

So emotionslos, wie er den Umgang mit den Tieren beschrieb, so teilnahmslos räumte er die Taten im Zusammenhang mit dem heute elfjährigen Mädchen ein. Er habe sich um das Kind gekümmert, sagte Andy B. dazu aus. Ab und an habe er sich beim Mittagsschlaf neben das Kind gelegt, da sei es dann passiert. Wie genau und warum er das getan habe, könne er nicht sagen. Er sei betrunken gewesen und habe es ausprobieren wollen.

Der Angeklagte hatte die Taten eingeräumt, um dem Opfer eine Aussage vor Gericht zu ersparen. Das Mädchen war im Vorfeld durch den Vorsitzenden Richter befragt worden. Ein medizinisches Gutachten bestätigte den Geschlechtsverkehr zwischen dem Angeklagten und dem Kind. Wie wenig er die Straftaten einordnen kann, zeigt ein Satz, den er im Rahmen der Hauptverhandlung von sich gab, als der Vorsitzende Richter Armin Lessel ihn nach dem körperlichen Zustand des elf Jahre alten Mädchens fragte. Andy B. darauf: „Da war schon alles dran, was an einer Frau dran sein muss.“

Das Kind lebt inzwischen in einem Heim, gegen die Mutter, die gesundheitlich angeschlagen ist, laufen ebenfalls Ermittlungen. Die Frage ist, wie viel sie von den Taten gewusst hat. Laut den Ermittlungsbehörden habe sie ihren Mann bei mindestens einem der Vorfälle im Schlafzimmer erwischt. „Sie hat gesagt, ich soll damit aufhören“, kommentierte der Angeklagte den Moment. Er tat es nicht.

Im August 2017 hatte das Martyrium des Mädchens ein Ende. Die Polizei nahm den 43-Jährigen fest, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Das Gericht ordnete gestern neben der Haftstrafe auch eine Entziehungskur an. Andy B. hatte in der Hauptverhandlung einer Therapie zugestimmt, die er zuvor noch abgelehnt hatte. Richter Armin Lessel warnte den 43-Jährigen. „Wenn die Zustimmung zur Therapie nur aus taktischen Gründen erfolgt sein sollte, dann hat das Folgen.“ Sollte das Urteil des Landgerichtes rechtskräftig werden, beginnt die Therapie frühestens gegen Ende des Jahres.

 Michael Prochnow

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