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Fulminant und produktiv: das war Miro Zahras 2015

Vermischtes Fulminant und produktiv: das war Miro Zahras 2015

Die Leiterin des Mecklenburgisches Künstlerhauses Schloss Plüschow spricht im Interview über die vielen schönen Momente des vergangenen Jahres.

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Das Künstlerhaus Plüschow, ein Barockbau aus dem Jahr 1763.

Plüschow Vielen Menschen wird das Jahr 2015 in Erinnerung bleiben. Die Terroranschläge, die kriegerischen Auseinandersetzungen, wachsende Flüchtlingszahlen. Doch für manche Menschen in Nordwestmecklenburt ist es dennoch ein gutes Jahr gewesen. Etwa für Miro Zahra, Künstlerin und Leiterin von Schloss Plüschow.

Mit welchen Worten würden Sie das Jahr 2015 beschreiben?

Miro Zahra: Es war ein aufregendes, vielschichtiges, in vieler Hinsicht sogar ein fulminantes Jahr. All die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die auch uns in Nordwestmecklenburg nicht unbeeinflusst lassen. Für das Künstlerhaus und mich persönlich war es neben und mit all dem, ein produktives und erfolgreiches Jahr. Und dabei geht es nicht nur um den Kulturpreis, der mir verliehen wurde. Es geht auch um unser 25jähriges Jubiläum im Künstlerhaus Schloss Plüschow. Obwohl ich persönlich noch nie wirklich ein Jubiläums-Fan war. Manchmal wird Jubiläen doch ein wenig zu viel Bedeutung beigemessen. Im Künstlerhaus hat jedes Jahr seine eigene Bedeutung, gibt es immer sehr viele spannende Projekte.

Es handelt sich hier immerhin um ein Vierteljahrhundert, in dem sich Schloss Plüschow einen in der Kunst- und Kulturszene zunehmend klingenderen Namen nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch im ganz Deutschland und international erwerben konnte. Eine nicht zu versteckende Leistung, für die Sie ganz zu Recht auch den Kulturpreis erhalten haben.

Zahra: Die Betonung liegt für mich hier wirklich auf dem Wörtchen ,auch‘. Denn der Erfolg des Künstlerhauses liegt nicht nur in meiner Verantwortung. Was das angeht, ist mein Partner im Leben und in der Kunst, Udo Rathke, ebenso wichtig. Und all die Menschen, die uns bei der Organisation und den Kunstprojekten unterstützen. Der Landeskulturpreis ist mir letztlich auch als künstlerische und für die Kultur des Landes wirkende Persönlichkeit verliehen worden. Dazu gehört zum Beispiel auch mein Engagement für den Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern, den ich zwei Jahre in einer sehr schwierigen Phase geleitet habe.

Das war in der Zeit, in der Udo Rathke das Künstlerhaus leitete?

Zahra: Wir rotieren in der Leitung von Schloss Plüschow. In der Anfangszeit des Künstlerhauses waren es längere Zeiträume. Da war ich einmal sieben Jahre hintereinander für die Leitung von Schloss Plüschow zuständig, Udo fünf Jahre hintereinander.

Mit dem Jubiläumsjahr haben sie die Leitung erneut übernommen?

Zahra: Ja, so ist das. Und obwohl ich, wie gesagt, keine besondere Erwartung an Jubiläen habe, muss ich doch sagen, es war ein Jahr, das mir sehr viel Freude gebracht hat. All die Projekte und Ausstellungen, die wir präsentieren konnten, all die Resonanz, die wir erlebt haben. Wenn ich da nur an die Jubiläumsausstellung ,Connected in Art‘ denke, mit all den Stipendiaten, die wir hier schon begrüßen durften. Oder an die wirklich wunderschöne Jubiläumsfeier, mit Gästen wie Björn Engholm und Kultusminister Mathias Brodkorb, vielen anderen wichtigen Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur. Und dennoch war es nicht steif, sondern hatte etwas von einem großen Familienfest.

Sie kuratieren nicht nur Ausstellungen in ihrem eigenen Haus. Welches auswärtige Projekt war das Interessanteste in diesem Jahr?

Zahra: Eine Ausstellung, die ich kuratiert habe, betraf die ehemalige Landesirrenanstalt Domjüch in Neustrelitz. Sie heißt die ,Kunst des Erinnerns‘. Es war interessant zu sehen, wie offen und sensibel die Menschen auf die Begegnung mit Kunst in diesem Zusammenhang reagiert haben.

Ist es nicht ein generelles Anliegen Ihres Wirkens, Menschen für Kunst zu öffnen?

Zahra: Ja, das stimmt, das finde ich auch spannend. Vor allen Dingen, weil sich immer wieder feststellen lässt, dass Menschen, die glauben, sie hätten keine Ahnung von Kunst, in Wahrheit ein derart natürliches und offenes Verständnis besitzen. Vor kurzem zum Beispiel, kamen um die 50 Landwirte zu einer Besichtigung ins Künstlerhaus. Sie feierten in der Remise und nutzten die Gelegenheit, sich Schloss Plüschow anzuschauen und von mir herumführen zu lassen. Interessanterweise sind wir auch sofort bei den derzeit kollektiv bedeutsamen Themen, wie dem Zustrom all der Menschen nach Europa gekommen. Und einige der Landwirte berichteten davon, dass ihre Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlinge nach Nordwestmecklenburg gelangten und damals auf Schloss Plüschow wohnten.

Die Fragen nach Heimat, der Fremde, dem Fremden, nach Identität stellen Sie sowohl in Ihren eigenen künstlerischen Arbeiten und als Kuratorin schon lange.

Zahra: Das Thema ist nicht erst vor dem Hintergrund der Entwicklungen in diesem Jahr für mich und uns hier im Künstlerhaus wichtig. Als gebürtige Tschechin, die schon lange in Deutschland und nun auch schon lange in Nordwestmecklenburg lebt, ist es zwangsläufig eine Fragestellung, die sich immer wieder auftut.

Das Künstlerhaus steht für die Öffnung der Kunst und der Menschen der Welt gegenüber.

Zahra: Das ist uns ein großes Anliegen, schon immer, und noch einmal mehr in dieser Zeit, in der viele Menschen Ängste vor dem Fremden bewegen. Ich erlebe das immer wieder, dass einerseits Kommunikation wichtig ist, die Darstellung dessen, was man als wichtig erachtet und gleichzeitig muss das seinen Ausdruck in den Kunstprojekten finden. Ich erinnere mich noch gut, wie viel Gegenwind es am Anfang aufgrund unseres Konzeptes hier gab. Wir wollten keine Grenzen, was den künstlerischen Ausdruck angeht, offen sein für Experimente und Einflüsse aus allen Gattungen und Kulturen. Ich bin sicher, dass Kunst und Kultur in dieser Zeit der Verunsicherung und Veränderung, die mich im Übrigen stark an die Wendejahre erinnert, ein noch größerer Stellenwert als Vermittler zukommt.

Auch der Nachwuchsförderung haben Sie sich in diesem Jahr ganz explizit gewidmet.

Zahra: In Kooperation mit dem Künstlerbund MV haben wir ein Camp für besonders talentierte Kinder und Jugendliche im Kirchgemeinschaftshaus Diedrichshagen veranstaltet, das aus dem Programm der Nachwuchsförderung des Landes finanziert wurde. Das war eine intensive Erfahrung für uns und für die Schüler. Selbst einige Eltern waren mehr als verblüfft, zum Abschluss des Camps zu sehen, was ihre Kinder für ein kreatives Potential besitzen. Das wollen wir in jedem Fall weiterführen.

Wenn ich Sie jetzt spontan nach ihrem schönsten Erlebnis in diesem Jahr fragen würde?

Zahra: Würde ich nicht sagen: die Verleihung des Kunstpreises. Auch wenn das ohne Frage bedeutsam war. Im Übrigen haben mich fast noch mehr als die Glückwünsche von Künstlerkollegen die Reaktionen gefreut, mit denen ich nie gerechnet hätte. Im Supermarkt die Kassiererin zum Beispiel hat mir gratuliert. Und der Paketbote. Er hat sich, sagte er, den Beitrag beim NDR gleich fünf Mal angeschaut. Aber das tatsächlich Schönste in diesem Jahr waren die Waldkäuzchen, die in den Brutkasten eingezogen sind, den wir unter dem Dach des Schlosses angelegt haben.

Und was war das traurigste Erlebnis in diesem Jahr?

Zahra: Der Tod unseres Plüschower Bürgermeisters Erhard Bräunig. Er war nicht nur ein guter Freund, auch ein wertvoller Kooperationspartner. Die Lücke, die er hinterlässt, ist nicht so schnell zu füllen. Dieses traurige Ereignis hat mir auch einmal wieder vor Augen geführt, wie fragil das Leben ist.

Was das nächste Jahr angeht, befürchten Sie eine Art Absturz? Nach dem Motto: 2015 lief so gut, es kann nur schlechter werden.

Zahra: Im Gegenteil: Es wird immer besser. Man wächst mit neuen Aufgaben.

Schloss Plüschow
1763 ließ der Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich von Stenglin Schloss Plüschow als Sommer- und Jagdschloss im Stil des ländlichen Barock erbauen. Bis 1945 gehörte es zum Besitz der großherzoglichen Familie Mecklenburgs. Nach dem Ende des Krieges machte Schloss Plüschow das gleiche Schicksal durch wie Tausende andere Gutshäuser im Land: zunächst Zufluchtsstätte für Flüchtlinge, dann LPG-Büro, Jugendklub, Dorfgaststätte.


1990 wartete das Schloss auf eine neue Bestimmung. Sie kam mit Miro Zahra und Udo Rathke, die schon länger im Haus lebten. Das Künstlerpaar etablierte das Mecklenburgische Künstlerhaus.
Seitdem ist das Schloss Anlaufpunkt für Künstler und Schauplatz außergewöhnlicher Ausstellungen, Performances und Konzerte. Jährlich werden Stipendien ausgeschrieben, auf die sich rund 200 Künstler aus aller Welt bewerben.

Interview von Annett Meinke

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