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Nordwestmecklenburg Geburtsstunde der Poeler Kogge
Lokales Nordwestmecklenburg Geburtsstunde der Poeler Kogge
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19:12 07.07.2016
Die Poeler Kogge unter Segeln auf hoher See. Quelle: Detlef Schmidt

Am 10. Juli 2000 ist die Poeler Kogge „Wissemara“ im Beisein vieler Besucher auf der Wismarer Lastadie (Bereich zwischen Baumhaus und Wassertor) auf Kiel gelegt worden. In diesem Bereich befanden sich bis zum späten 19. Jahrhundert die Schiffbauplätze der Wismarer Werften.

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Die Poeler Kogge unter Segeln auf hoher See.

1997 wurde vor Timmendorf auf der Insel Poel ein sehr gutes Wrack eines mittelalterlichen Schiffes gefunden, von dem man nach wissenschaftlichen und dendrologischen Untersuchungen ausging, dass das Holz um 1354 in der Danziger Gegend geschlagen und daraus das Schiff gebaut wurde.

Die Archäologen waren wie elektrisiert und die Wismarer fassten den Entschluss, dieses Schiff nachzubauen. Man orientierte sich dabei an dem bekannten mittelalterlichen Schiffstyp einer Kogge. Der 2001 gegründete Förderverein „Poeler Kogge e.V.“ brachte mit Einsatzfreude und Kreativität, die bis heute anhält, viele Mittel zusammen, um das Schiff fertigzustellen. Das vor Timmendorf gefundene Wrack stellten die Archäologen sicher. Es war das Hauptexponat Mecklenburg-Vorpommerns auf der Expo 2000 in Hannover. In einem übergroßen Glaskasten konnte man die Überreste des Wracks besichtigen und es war eine gute Werbung für die Region Wismar und Insel Poel.

Die Kogge wird schlechthin als das Symbol der Hanse angesehen, war sie doch ein flaches seegängiges Schiff, das mit seinen zwei Meter Tiefgang die flachen Häfen und Bodden befuhr und immerhin 200 Tonnen befördern konnte. Das war die größte Menge zu dieser Zeit. Und wenn man bedenkt, welche Handelsbeziehungen Wismar im gesamten Ostseeraum bis hin nach Spanien über See hatte, wird die Bedeutung dieser Schiffe für den Warentransport und auch Gewinn deutlich. Solche Lasten waren über Land in einer relativ kurzen Zeit nicht möglich.

Wismar war einer der Hauptorte des wendischen Quartiers der Hanse, das 1259 in Wismar begründet wurde. Die Zugehörigkeit zum Hansebund erleichterte vielfach den Handel über Ländergrenzen, denn in vielen Ländern wurden Hansehandelsniederlassungen gegründet, wie in London, Bergen und Visby auf Gotland. Wismar nahm regelmäßig an den Hansetagen teil und hatte selbst 1363 und letztmalig 1411 Hansetage ausgerichtet.

Die Bedeutung der Hanse ließ mit der Entdeckung Amerikas 1492 durch Kolumbus spürbar nach und die Nachwehen des Dreißigjähriges Krieges brachten 1669 mit dem letzten Hansetag in Lübeck das Ende des erfolgreichen Kaufmannsbundes.

Seit 1980 findet unter der Führung Lübecks wieder jährlich ein Hansetag der Neuzeit statt. Über 210 Städte gehören dem Bund an, der zwar an den alten Bund anknüpft, aber zeitgerechte Ziele, wie den Tourismus, unterstützt. Die Hansestadt Wismar ist seit 1990 Mitglied im Hansebund der Neuzeit. Aus dieser Tradition ist die Poeler Kogge „Wissemara“, wie geschaffen für die Hansestadt und einer ihrer bedeutendsten maritimen Botschafter.

Der Nachbau begann am 10. Juli 2000 unter wissenschaftlicher Anleitung, anknüpfend an das vermutete Alter im 14. Jahrhundert. Die Bootsbauer gingen mit Enthusiasmus ans Werk, um die in Klinkerbauweise zu bauende Kogge so schnell wie möglich zu Wasser zu bringen. Welche Mühen dabei zu überwinden waren, zeigt das Beispiel vom Schmied Reinhard Büchse, der alle 32000 Eisennägel von Hand schmiedete. Er ist noch heute ein begeistertes Mitglied der Crew und bedient unter anderem die Geschütze der „Wissemara“. Der Bauplatz der Poeler Kogge wurde schnell zu einem touristischen Wallfahrtsort und auch die Wismarer schauten immer mal wieder rein. Am 29. Mai 2004 wurde das Schiff per Stapelhub ins Wasser gesetzt und auf den Namen „Wissemara“ getauft. Dies in Anlehnung an den urkundlich, westlich von Wismar belegten Bach „aqua wissemara“. Daher soll der Name Wismars herrühren, was aber überhaupt nicht belegt ist. Im schwimmenden Schiff wurde die Ausrüstung mit dem 32 Meter hohen Mast, dem Achterkastell und der Montage des Motors (dies nun nicht nach historischem Vorbild) komplettiert.

Am 9. August 2006 unternahm die Crew ihre Jungfernfahrt und nahm mit ihrem Schiff an der Hanse Sail in Rostock teil. Das 276 Quadratmeter große Rahsegel mit dem Wismarer Wappen zeigt schon von Weitem, woher dieses Schiff kommt. Es wird auch noch vielfach für historische Filmaufnahmen gebucht. Die ersten Fahrten unter Segel waren schwierig, denn man musste mit einem feststehenden Segel zurechtkommen. Heute ist die Kogge bei nahezu jedem Wetter manövrierfähig und die Crew um Kapitän Peter Samulewitz ist erfahren genug dazu. Ausgestattet mit einem kräftigen Schiffsdiesel und Bugstrahlruder ist dieses Schiff wendiger als seine Vorgänger im Mittelalter. Damit könnte man auch vor jedem Seeräuber und Piraten à la Störtebeker ausreißen, sofern sie nicht auch so ein Schiff haben.

Einen kleinen Dämpfer bekamen die wissenschaftlichen Darstellungen zum Poeler Wrack vor einigen Jahren, als nach erneuten Untersuchungen festgestellt wurde, dass das Holz des gefundenen Wracks erst um 1773 im Finnland geschlagen wurde. Somit war die Feststellung, dass es sich um eine hansische Kogge handeln würde, hinfällig. Dies hat natürlich keine Auswirkung auf die „Wissemara“, deren Bau sich nicht an dem Wrack orientierte, sondern an den Überlieferungen eines solchen Schiffstyps.

Die Poeler Kogge ist heute im Alten Hafen von Wismar ein touristischer Anziehungspunkt, der vielfach genutzt wird für Tagesfahrten oder auch Mehrtagesfahrten. Beliebt sind auch die Halbtagesfahrten mit einem Imbiss an Bord und bei gutem Wind mit einer frischen Brise. Das Wismarer Standesamt hat hier auch eine gut frequentierte „maritime Außenstelle“.

Detlef Schmidt

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