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Nordwestmecklenburg Gefährdete Rotbauchunke fühlt sich wohl rund um Hoikendorf
Lokales Nordwestmecklenburg Gefährdete Rotbauchunke fühlt sich wohl rund um Hoikendorf
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23:24 06.11.2013

Die Rotbauchunke ist in Deutschland eine streng zu schützende Tierart. Sie steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Westlich von Hoikendorf sowie östlich von Dreilinden in der Nähe Grevesmühlens haben Mitarbeiter eines Grevesmühlener Kartierungsbüros jetzt eine Vielzahl dieser Froschlurche innerhalb des Programmes „Natura 2000“ ausfindig gemacht.

Nur maximal 53 Millimeter werden die possierlichen, an der Bauchunterseite rotgefärbten Tierchen groß. Wer ihnen zufällig begegnet, will sie trotzdem nicht unbedingt in die Hand nehmen, denn augenscheinlich sind die Unken mit Knötchen und Warzen versehen. Das jedoch ist ein natürlicher Schutz und der ist derzeit angebrachter denn je. „Seit mehr als zehn Jahren geht der Bestand der Rotbauchunken zurück. Wir wollen sehen, wo sie vorkommen, welche Gewässer besetzt sind und wie wir sie schützen können“, erklärte Christian Lange, Verfahrensbeauftragter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) den Plan „Natura 2000“.

Vor einigen Wochen stellte das Amt der Öffentlichkeit sein Vorhaben in der Grevesmühlener Malzfabrik vor. Schon damals liefen Feldarbeiten für die vier FFH (Flora, Fauna, Habitat)-Gebiete der Wald- und Kleingewässerlandschaft Everstorf sowie Dambecker Seen und Buchholz, der Küste Klützer Winkel und dem Gebiet Stepenitz-Maurine-Radegast. Untersucht wurden die Vorkommen von Rotbauchunken, den stecknadelkopfgroßen Windelschnecken, Kammmolchen, Schlammpeitzgern oder auch Steinbeißern sowie Bach- und Flussneunaugen.

Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor und ergaben einige Überraschungen. „Da, wo wir zum Beispiel Rotbauchunken vermuteten, sind keine und andersherum haben wir welche gefunden, wo keine vermutet wurden“, berichtete Christian Lange. Der 51-Jährige ist unter anderem für das 854 Hektar große FFH-Gebiet Wald- und Kleingewässerlandschaft Everstorf zuständig und wertete die Daten Anfang der Woche mit dem Kartierungsbüro aus. „Jetzt wird eine Datei erstellt und mit den Verantwortlichen Ämtern über die Erhaltung der Habitate beraten“, erzählt der StALU-Beauftragte. Häufig, so wie auch in der Nähe von Hoikendorf und Dreilinden, liegen die Gewässer auf Ackerflächen und werden rundherum bewirtschaftet. Dort muss eingegriffen werden, um das Gewässer nicht langsam verschwinden zu lassen und von landwirtschaftlichen Schadstoffen freizuhalten. „Die Landwirte müssen für dieses Projekt sensibilisiert werden. Schließlich gibt es innerhalb eines europäischen Fördertopfes auch finanzielle Mittel für die Bewirtschafter“, erläutert Christian Lange.

Ende Januar kommenden Jahres sollen die abschließenden Ergebnisse nun der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dann sind auch wieder die Landwirte eingeladen. Ihnen sollen ihre Zweifel am Programm „Natura 2000“ genommen werden, sagte Christian Lange abschließend.

FFH- und Naturschutzgebiet
Flora Fauna Habitat (FFH): Der in den vergangenen Jahrzehnten festzustellende europaweite Verlust vieler wildlebender Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume war Anlass seitens der Europäischen Gemeinschaft, zwei Richtlinien zur Schaffung eines länderübergreifenden Schutzgebietsnetzes in Kraft zu setzen. Es handelt sich hierbei um die seit 1979 geltende Richtlinie über die Erhaltung wildlebender Vogelarten (Vogelschutz-Richtlinie) und die 1992 beschlossene Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (kurz: Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie). Mitgliedsstaaten auf Grundlage dieser Richtlinien bilden das europäische Netz „Natura 2000“. Dieses Netz dient dem Erhalt der in Europa vorhandenen biologischen Vielfalt.
Ein Naturschutzgebiet (NSG) ist eine Schutzgebietsform, die nach der nationalem Gesetzgebung einen strengen Schutz für Tiere, Pflanzen und Lebensräume vorsieht.

Maik Freitag

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