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Nordwestmecklenburg Gemeinde stimmt über Pachtvertrag für Neonazi-Wiese ab
Lokales Nordwestmecklenburg Gemeinde stimmt über Pachtvertrag für Neonazi-Wiese ab
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16:28 12.07.2018
Die Wiese in Jamel. Quelle: OZ
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Gägelow/Jamel

Ein Dorf, überwiegend bewohnt von Neonazis, eine zentrale Wiese und eine Gemeinde, die entschieden hat, diese Wiese an einen der Neonazis zu verpachten. Seit gut zweieinhalb Wochen liegt das Thema nun auf dem Tisch. Miteinander gesprochen aber werde nicht, sagt Gägelows Bürgermeister Uwe Wandel (parteilos).

Stattdessen eine gemeinsame Pressemitteilung vom Landkreis Nordwestmecklenburg und der Polizeiinspektion Wismar, in der es unter anderem heißt, der Kampf gegen Rechts sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Ja!“ Wandel wirft sich in seinem Stuhl zurück gegen die Lehne. Erzählt vom Beginn der 90er Jahre, als in Jamel die Wurzel gelegt wurden für das heutige „Nazi-Dorf“, das unter diesem Namen selbst international Schlagzeilen machte. „Wer hat die damals angeleitet?! Wer finanziert?!“

Bürgermeister Wandel: „Heute müssen wir mit denen auskommen“

Wandel erzählt vom damaligen Bürgermeister Fritz Kalf, der schon im Jahr 2003 die Untätigkeit der Behörden beklagte: „Seit über zehn Jahren höre ich immer wieder, wir machen was, wir unternehmen was. Ich glaube es nicht mehr.“ Die Gemeinde habe später für Grundstücke in Jamel mitgeboten, um dem etwas entgegenzusetzen. „Irgendwann aber mussten wir finanziell aussteigen“, erzählt er.

Das Dilemma sei, sagt Wandel, „heute müssen wir mit denen auskommen.“ Dass sie die Wiese an einen von ihnen verpachtet hätten, sei ein Stück Entgegenkommen. „Um mal wieder ins Gespräch zu kommen.“ Das habe bereits ein Mal ganz gut funktioniert. Vor zwei Jahren bei einer Filmvorführung im Gemeindehaus. „Wenn wir die Wiese nicht verpachtet hätten, verhindern wir dann rechtes Gedankengut oder eine Sonnenwendfeier?“

Polizei: Weitere rechtsextreme motivierte Veranstaltungen zu erwarten

Landkreis und Polizei teilen in ihrer Mitteilung indes mit, die Verpachtung der Wiese habe sich nicht bewährt. „Daher kommt es jetzt darauf an, diese Entscheidung zu revidieren, beispielsweise mit einem Beschluss der Gemeindevertretung.“ Die Kündigung des Mietvertrages solle schnellstmöglich erfolgen, da bis zum Jahresende weitere rechtsextrem motivierte Veranstaltungen zu erwarten seien.

Gemeindevertretung greift das Thema nach der Sommerpause auf

Auf Nachfrage teilte Pressesprecherin Petra Rappen zudem mit, dass sich der Landkreis als Kommunalaufsicht inhaltlich nicht zur Verpachtung der Wiese äußern könne, weil es sich dabei um eine politische Entscheidung handele, die in die kommunalpolitische Selbstverwaltung falle. In der Sache aber stünde die Kommunalaufsicht der Gemeinde Gägelow mit Beratung, Unterstützung und Förderung der Entschlusskraft zur Seite.

„Wir werden uns nach der Sommerpause in der Gemeindevertretung mit der Verpachtung der Wiese in Jamel befassen“, sagt Wandel. Er werde sich zurückhalten dort mit seiner Meinung. Worauf Wandel jedoch hofft, ist, dass sich künftig wirklich mal Leute mit Rat einbringen. „Im Gespräch, nicht in Pressemitteilungen.“

Michaela Krohn

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