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Nordwestmecklenburg Gemeinden bluten finanziell aus
Lokales Nordwestmecklenburg Gemeinden bluten finanziell aus
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20:24 20.01.2016
Als Bilanz vieler Zahlen im Haushalt 2016 von Menzendorf steht in der 240-Einwohner-Gemeinde ein Fehlbetrag von 158600 Euro. Quelle: Jürgen Lenz

/Lockwisch. Ein Seufzen geht durch die Reihen der Gemeindevertreter in Menzendorf. Hier haben die Kommunalpolitiker seit Langem keine Freude mehr, wenn sie den Haushalt durcharbeiten. „Alle Jahre wieder das gleiche Problem“, sagte Bürgermeisterin Anke Goerke am Dienstagabend im Gemeindehaus. In diesem Jahr ist das Problem allerdings besonders groß: Der Haushalt 2016 der 240-Einwohner-Gemeinde weist unter dem Strich einen Fehlbetrag von 158600 Euro aus. Bis 2019 werden sich die Jahresfehlbeträge nach einer Berechnung des Amtes Schönberger Land auf 738000 Euro summieren — obwohl in einer Übersicht über die freiwilligen Leistungen, für die Menzendorf Geld ausgibt, nur ein Wort steht: „Keine.“ Und die einzige nennenswerte Investition sind 15000 Euro für ein Feuerwehrfahrzeug der Gemeinde, die gesetzlich dazu verpflichtet ist, den Brandschutz in ihrem Gebiet sicherzustellen.

Es ist das Elend der kleinen Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern, das am Dienstagabend in Menzendorf zu besichtigen war und in der vorigen Woche wenige Kilometer entfernt in der 380 Einwohner zählenden Gemeinde Lockwisch. Dort weist der Haushalt einen Fehlbetrag von 55800 Euro aus. Bis 2019 werden sich die Fehlbeträge voraussichtlich auf 177000 Euro aufgehäuft haben. Dabei leistet sich Lockwisch nur 600 Euro für freiwillige Leistungen: 300 Euro für die Seniorenbetreuung, 300 Euro für Dorffeste.

Sowohl Lockwisch als auch Menzendorf bluten finanziell aus. Sie wären schon heute zahlungsunfähig, könnten sie nicht Kassenkredite des Amtes Schönberger Land in Anspruch nehmen. Lockwisch hat für dieses Jahr 120000 Euro zur Abdeckung von Liquiditätsengpässen veranschlagt, Menzendorf sogar 350000 Euro.

„Ursächlich für den defizitären Haushalt 2016 sind primär Kinderbetreuungskosten, Schullastenausgleichszahlungen sowie Kreis- und Amtsumlagen“, erläutert das Amt für die Gemeinde Lockwisch. Dort und in Menzendorf reichen die Einnahmen bei weitem nicht aus, um die Pflichtaufgaben bezahlen zu können — wie in fast allen kleinen Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern. „Man kommt sich vor wie ein Bürger zweiter Klasse — nur weil man in einem kleinen Ort wohnt“, sagt die Menzendorfer Bürgermeisterin, ihr Lockwischer Amtskollege Reiner Behrens beklagt „Wir als kleine Gemeinden können nicht mitreden, wir sind aber verpflichtet, zu bezahlen“ und die Lockwischer Gemeindevertreterin Eyke Schumacher-Maack bedauert: „Wir sind das schwächste Glied unten in der Kette.“ Teuer zu stehen kommt beide Kommunen, das in ihr viele Kinder wohnen, für die Kitabeiträge und Schulumlagen zu zahlen sind, und dass die Umlage für die Regionale Schule mit Grundschule in Schönberg ungewöhnlich hoch ist.

Sie liegt mit 1988,32 Euro pro Kind und Jahr deutlich über den 1119,84 Euro für die Regionale Schule mit Grundschule Lüdersdorf und den 1400 Euro für die Evangelische Inklusive Schule „An der Maurine“.   Eyke Schumacher-Maack bedauert den Zusammenhang zwischen Kinderreichtum und kommunaler Armut: „Ich finde das schlimm.“

Man kommt sich vor wie ein Bürger zweiter Klasse — nur weil man in einem kleinen Ort wohnt.“Anke Goerke, Bürgermeisterin in Menzendorf

Jürgen Lenz

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