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Nordwestmecklenburg Generationswechsel im Notarbüro Grevesmühlen
Lokales Nordwestmecklenburg Generationswechsel im Notarbüro Grevesmühlen
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20:10 31.07.2018
Anne Hilse-Bergatt (36) übernimmt den Stuhl von Notar Wolfgang Hölscher (70) in Grevesmühlen. Quelle: Foto: M. Prochnow
Grevesmühlen

Ganz freiwillig geht er nicht in den Ruhestand. „Man wird quasi dazu gezwungen“, sagt Wolfgang Hölscher lächelnd. „Sonst hätte ich weitergemacht.“ Doch am 18. Juli ist der Notar, der aus Lübeck stammt, seit 1990 in Wismar lebt und im Januar 1996 das Notarbüro in Grevesmühlen übernahm, 70 Jahre alt geworden. Und das ist die gesetzliche Altersgrenze für Notare in Mecklenburg- Vorpommern.

Wie wird man Notar?

Voraussetzung für eine Karriere

als Notar/inist ein Jurastudium

(2. Staatsexamen). Dann Vorbereitungsdienst als Notarassessor beim Land Mecklenburg-Vorpommern. Pro Jahr werden nur zwei Bewerber eingestellt für die Ausbildung. Nach Ablauf der dreijährigen Regelzeit kann sich der Notarassessor auf

freiwerdende Notarstellen bewerben, die vom Justizministerium

Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben und zugeteilt werden.

Heute übernimmt Anne Hilse- Bergatt seinen Stuhl in der Goethe- Straße in Grevesmühlen. Sechs der sieben Angestellten übernimmt die 36-Jährige, die mit ihrer Familie in Rostock lebt und täglich pendelt. „Das ist kein Problem, über die Autobahn ist das eine Stunde Fahrzeit“, erklärt die junge Frau, die aus der Nähe von Waren stammt. Für Wolfgang Hölscher endet heute eine arbeitsintensive Zeit. Ganz aufhören wird er zwar nicht, als Vertretung will er auch weiterhin tätig sein, aber „soviel Zeit wie in den vergangenen Jahren werde ich nicht mehr im Büro sein.“ So bleibt mehr Zeit für die Familie und den Sport, viermal die Woche trainiert der Ausdauerathlet nach wie vor. Ausdauer ist es auch, was ein Notar braucht für den Job. „Keine Frage, es ist eine wunderbare Aufgabe, aber es gibt wie in jedem Beruf solche und solche Tage.“ Die Nachlassverwaltung beispielsweise, bei der die Notare die letzten zehn Jahre aufarbeiten und jedes Familienmitglied aufstöbern müssen, kosten Zeit und Nerven. Der 70-Jährige kann sich noch gut an die Anfangszeit erinnern, als im Klützer Winkel ein Hektar landwirtschaftliche Fläche noch rund 5000 Mark kosteten. „Heute kostet ein Hektar bis zu 40000 Euro. Es gab damals einige Leute, die vorschnell ihren Grund und Boden verkauft haben. Aber so waren die Zeiten.“

Im Vergleich zur heutigen Zeit sei die Situation recht entspannt. „Wenn man an die 1990-er Jahre denkt, an die Aktenberge in den Grundbuchämtern. Es hat teilweise ewig gedauert, bis man eine Antwort erhalten hat. Das war damals für alle eine Herausforderung.“ Die neuen Bundesländer waren viele Jahre das Ziel von Spekulanten, den Einheimischen fehlte die Erfahrung, zahlreiche Geschäfte, die damals gemacht wurde, würde heute niemand mehr unterschreiben. Und trotzdem: „Der Nordwestmecklenburger ist schon von Natur aus etwas ruhiger, und ich denke, genau das war auch der Grund, warum sich diese Geschäfte hier in Grenzen hielten.“ Und das sei bis heute so geblieben.

Wolfgang Hölscher hat in seinem Berufsleben auch viel mit Ämtern und Behörden zu tun gehabt, und das ging nicht immer reibungslos ab. „Wenn es ein Problem gab, dann haben wir versucht, das im persönlichen Gespräch zu lösen. Und meistens hat das auch ganz gut geklappt.“ Unter anderem sind auch die Vereine aus der Region auf den Notar angewiesen. Denn die gesetzlich geforderten Versammlungen und Protokolle müssen vom Notar beim Amtsgericht eingereicht werden. Die Verzögerungen, die dabei auftreten, bringen die Vereine in Schwierigkeiten. Woran liegt’s? „Zu wenig Personal in den Amtsgerichten“, erklärt der 70-Jährige. „Die Besetzung ist nicht immer optimal, das müsste die Justiz dringend nachbessern.“

Michael Prochnow

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