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Nordwestmecklenburg Geschichten alter Möbel auf der Spur
Lokales Nordwestmecklenburg Geschichten alter Möbel auf der Spur
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18:27 26.10.2013
Obermeister Mathias Podlasly an der Hobelbank. Das Puzzle von „Königin Luise“ war ein Geschenk an seinen Meister Helmut Augspach. Der brachte es schließlich zusammengepuzzelt zurück. Jetzt bringt das Bild, aufgeleimt auf Holz, der Werkstatt königliches Glück. Quelle: Ina Schwarz

„Ich habe so viele Geschichten im Kopf“, sagt Mathias Podlasly schmunzelnd. In der Claus-Jesup-Straße 17 führt der 51-Jährige eine der traditionsreichsten Tischlereien in Wismar. Hinter einer Tordurchfahrt liegen Wohnung, Büro, Werkstatt und Hinterhof. Letzteren öffnen der Obermeister und seine Frau seit einigen Sommern auch für die Aktion „Wismarer Lesegärten“. Die Gäste lieben es, wenn Katja und Mathias Podlasly in lustigen und obskuren Handwerker-Erinnerungen stöbern. Alles authentisch. Selbst erlebt oder lebendig überliefert. Mit viel trockenem Humor.

Mathias Podlasly kennt viele seiner Kunden in ganz persönlichen Zusammenhängen. „Wenn man alte Möbel aufarbeitet, erfährt man von den Besitzern oft die Geschichten zu den Stücken“, erzählt er. „Meist gehören sie den Großeltern. Auf einem Tisch löst sich das Furnier, weil darauf gebügelt wurde. Oder in meiner Werkstatt landet ein Schreibtisch, der in Kriegszeiten von den Russen mit dem Bajonett aufgebrochen wurde, um nach Wertsachen zu suchen, ein Stuhl, auf dem Opa seinen Mittagsschlaf gemacht hat, das Stuhlbein wurde von Tante Ellis Hund zerbissen.“ Jedes Stück hat seine Geschichte.

Mathias Podlasly sammelt sie. „Oft stecken in Möbeln kleine Geheimnisse wie Namen und Jahreszahlen der Erbauer, aufgeklebte Transportscheine der Bahn, Geheimfächer, gefaltete Briefe, Spielkarten oder Abzeichen.“

Podlasly selbst hat längst ein Stück Innungsgeschichte mitgeschrieben. Schon mit 22 Jahren macht er, der ein sehr guter Schüler war und eigentlich Restaurator werden wollte, in Wismar seinen Meister. Gelernt hat er bei Helmut Augspach. Der hatte die Werkstatt seinerzeit von Alfred Knaut übernommen, der sie 1929 gründete. Noch heute kommt der 90-jährige Augspach gern in „seine“

alte Werkstatt, die Mathias Podlasly schließlich 1992 übernommen hat. Die Männer mögen sich, haben viel voneinander gelernt. „Meister A.“ ist einer der Hauptprotagonisten in den Geschichten, die Podlasly aufbewahrt. Ob davon mal ein Buch erscheint? „Mich darum zu kümmern, bleibt leider viel zu wenig Zeit“, sagt der schreibende Tischlermeister. Immerhin — auf seine Initiative hin sind zum 500. Jubiläum der Tischlereiinnung Nordwestmecklenburg-Wismar im Jahr 2002 verschiedene Anekdoten, Geschichten und Überlieferungen in eine kleine Broschüre gebunden worden.

Doch nicht nur Türen, Kommoden und Stühle tragen die Handschrift des Tischlermeisters, dessen Markenzeichen Schiebermütze und Schürze sind. Auch im öffentlichen Raum hat er sichtbar Spuren im Holz hinterlassen. So hat er unter anderem die Portale der Nikolaikirche wieder aufgearbeitet, im Auftrag des Hospizvereins den Raum der Stille im Klinikum sowie die Hirschapotheke und Goldschmiede Brinkmann mit eingerichtet. Innenarchitektin Katja Podlasly ist dabei Beraterin, Fachfrau, Inspiration und Ergänzung. „Zusammen sind wir ein gutes Team“, so Mathias Podlasly, der von 1995 bis 1997 eine Zusatzausbildung „Restaurator im Handwerk“ absolvierte. „Es geht uns immer um optimale und individuelle Lösungen. Bei uns gibt es nichts von der Stange.“ Das gilt auch für die Geschichten.

Ich habe so viele Geschichten im Kopf.“Mathias Podlasly

Ina Schwarz

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