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Nordwestmecklenburg Gesundheitsmobil auf Achse im Kreis
Lokales Nordwestmecklenburg Gesundheitsmobil auf Achse im Kreis
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17:58 02.11.2018
Gesundheitsmobil des Landkreises Nordwestmecklenburg, Ilona Scheufler (Landkreis) mit Patientin Irmtraud Winter (67) in Pötenitz Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Pötenitz

Der kalte Wind fegt über den Parkplatz an der Feuerwehr in Pötenitz, ein ungemütlicher Herbsttag im äußersten Nordwesten Mecklenburgs. Lächelnd steckt Ilona Scheufler den Kopf aus der Seitentür das weißen Transporters. „Einen wunderschönen guten Tag.“ Sie hilft Irmtraud Winter in den Wagen, auf dem in großen Buchstaben „Gesundheitsmobil“ steht. Ilona Scheufler gehört zum Gesundheitsamt des Landkreises, zusammen mit zwei weiteren Kollegen bildet sie das Team, das mehrmals pro Woche in den Dörfern und Städten des Landkreises anfährt. Irmtraud Winter ist 67 Jahre alt und so etwas wie eine Stammkundin, wenn der Wagen in Pötenitz auf dem Parkplatz neben der Feuerwehr hält. „Blutzucker messen, Blutdruck und ein bisschen schwatzen.“ Die Werte von Irmtraud Winter könnten besser sein. Doch die Rentnerin sieht die Sache pragmatisch. „Jetzt weiß ich wenigstens, dass ich aufpassen muss.“ Sie habe durch Zufall von dem Gesundheitsmobil gehört, erklärt sie. Seitdem ist sie regelmäßig dabei. Die Zeiten bekommt sie von den Mitarbeiterinnen im Bus. Dass die Resonanz in Pötenitz an diesem Tag überschaubar ist, sei „zwar nicht schön. Aber wenn die Leute wüssten, wie gut das funktioniert, dann würden sie es auch nutzen.“ In anderen Dörfern stehen die Patienten teilweise an. „In Groß Krankow“, so erzählt Ilona Scheufler, „haben wir immer eine Schlange am Auto. Das ist unterschiedlich.“

Ilona Scheufler hat an diesem Tag Verstärkung mitgebracht. Karina Brauer ist mit an Bord. Sie gehört zur Arbeiterwohlfahrt, die eine Beratungsstelle in Grevesmühlen betreibt, seit vielen Jahren berät sie vor allem Frauen, die unter häuslicher Gewalt leiden. „Viele wissen nicht, dass es uns gibt. Damit wir trotzdem die Menschen erreichen, fahre ich ab und zu mit dem Gesundheitsmobil mit.“ Sie drückt Irmtraud Winter eine Broschüre in die Hand, erklärt ihr kurz, warum sie mit dabei ist. Die Pötenitzerin lächelt freundlich zurück. „Das ist zum Glück kein Thema bei uns, aber wichtig ist es, das stimmt schon.“ Die Werte der 67-Jährigen hat Ilona Scheufler in das Heft eingetragen, das Irmtraud Winter mitgebracht hat. Dann wird noch ein wenig geschwatzt. Weil kein anderer Patient wartet, haben die Frauen aus dem Gesundheitsmobil Zeit dafür. Auch das ist wichtig auf den Dörfern Nordwestmecklenburgs. Irmtraud Winters Rücken zwickt ein wenig. „Aber dabei können die Mädels ja nichts machen.“ Egal, die freundlichen Worte sind Balsam für die Seelen der Menschen. „Ich weiß, dass ich zum Arzt müsste, aber ich habe keine Zeit, außerdem mag ich das nicht so gern. Aber hier am Auto, das geht schnell, das klappt gut.“

Hinter dem Gesundheitsmobil steckt sehr viel mehr als eine fahrbare Blutdruckmessstation. Der medizinische Service ist nur eine von vielen Facetten, die Ilona Scheufler und ihre Kollegen mit dem Auto bedienen. Seit diesem Jahr gibt es eine Kooperation mit dem DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen. „Wir bieten Beratungen zu bestimmten Themen an, das Krankenhaus unterstützt uns dabei mit Ärzten, die als Referenten die Patienten aufklären. Die Resonanz ist sehr gut“, berichtet Ilona Scheufler, die nicht nur den Blutzucker und den Blutdruck misst, sondern auch umfassende Beratungen zum Thema Behinderungen anbietet. Wo gibt es welche Hilfe, wer ist für mich zuständig? „Es ist leider so, dass gerade viele Senioren nicht wissen, wo sie sich beraten lassen können. Und dafür sind wir eben auch da.“ Die Vorträge mit dem Krankenhaus drehen sich um Medikamente, Sturzprävention und viele andere Dinge, die vor allem ältere Menschen betreffen. In vier Wochen kommt das Gesundheitsmobil wieder nach Pötenitz, die Routen wiederholen sich. Denn Routine ist wichtig, um das Vertrauen zu gewinnen. Dass es nun in der Politik eine Diskussion um die Finanzierung des Gesundheitsmobils gibt, das haben Ilona Scheufler und Karina Brauer mitbekommen. Reden wollen sie darüber nicht. „Das ist Politik, da mische ich mich nicht ein“, sagt die Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes. Und lächelt den nächsten Patienten entgegen.

Michael Prochnow

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