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Gesunkener Kahn schippert als „Ragna“ wieder auf der Ostsee

Boltenhagen Gesunkener Kahn schippert als „Ragna“ wieder auf der Ostsee

Zwölf Jahre hat Erhard Schellschmidt seine Barkasse vom Typ „MBK 13“ saniert / Bei Segelwettbewerben dient sie als Startschiff.

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Zwölf Jahre hat Erhard Schellschmidt die Barkasse saniert, bevor sie als „Ragna“ wieder zu Wasser gelassen wurde.

Quelle: Malte Behnk

Boltenhagen. Die Füße hochlegen, Fernsehen schauen oder mit der Frau spazieren gehen – genau das macht Pensionär Erhard Schellschmidt nicht. Denn der ehemalige Wasserschutzpolizist hat seinen Beruf mal umgekehrt zum Hobby gemacht, kaufte sich ein bereits gesunkenes Boot und fährt heute jeden Tag auf die Ostsee vor der Weißen Wiek. Außerdem kümmert sich der 63-Jährige ehrenamtlich um den kleinen Hafen.

LN-Bild

Zwölf Jahre hat Erhard Schellschmidt seine Barkasse vom Typ „MBK 13“ saniert / Bei Segelwettbewerben dient sie als Startschiff.

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Auf der ersten Fahrt nach Wismar hörte man wirklich auf alles und jedes Geräusch. Man denkt immer, jetzt könnte etwas sein.“ Erhard Schellschmidt, Besitzer der „Ragna“

„Leider kann meine Frau dieses Hobby nicht so teilen, wie ich es mir wünschen würde. Aber ab und zu kommt sie doch mit auf die See“, sagt der ehemalige Stationsleiter der Wasserschutzpolizei im Boltenhagener Hafen. Von 1989 bis 2004 hatte er dort alleine mit einem kleinen Boot für Recht und Ordnung auf dem Wasser und an Land gesorgt. „Dann wurde ich allerdings Sachbearbeiter für Einsatz und Logistik in Wismar und musste Boltenhagen verlassen“, berichtet der jetzt in Tarnewitz wohnende ehrenamtliche Hafenmeister.

So bekam Schellschmidt auch mit, als am 15. Oktober 2000 das Freizeitschiff „Odin“ schief im Wasser vor Wohlenberg lag und sank, weil der rostige Rumpf nachgegeben hatte (wir berichteten). „Es klingt zwar schon etwas blöd, aber ich hatte schon immer ein Auge auf den Kutter geworfen und mich jeden Tag gefragt, wann der endlich absäuft. Denn der Besitzer kümmerte sich seit Jahren nicht um das Boot“, sagt Erhard Schellschmidt. Seine Gedanken schienen erhört worden zu sein und er kaufte dem vorherigen Eigentümer den Kutter zum Schrottpreis ab. „Schon bei der Armee bin ich damals so eine Barkasse gefahren und als ich nun die Chance dazu bekam, habe ich nicht lange gefackelt, auch wenn mir bewusst war, was ich an diesem Schiff alles machen muss“, erklärt der 63-Jährige.

So wurde auf dem Klützer Bauhof praktisch eine Halle um das dort abgestellte Schiff gebaut, um es in jahrelanger, mühevoller Arbeit zu sanieren. „Das Schiff war so stark verrostet, das glaubt einem keiner. Wir haben alles sandgestrahlt und schließlich mit verschiedenen Schichten grundiert“, erzählt er. Im August 2011 wurde das Getriebe angeschlossen und ein halbes Jahr später, im Frühjahr 2012 das Schiff zu Wasser gelassen. „Man kann sich nicht vorstellen, was das für ein Gefühl ist, wenn man zehntausende Euro in die Sanierung gesteckt hat, nicht weiß, ob das Schiff schwimmt oder nicht“, erzählt Erhard Schellschmidt. Doch die auf „Ragna“ getaufte Motorbarkasse hielt den Wellen stand und schwamm. „Auf der ersten Fahrt nach Wismar hörte man wirklich auf alles und jedes Geräusch. Man denkt immer, jetzt könnte etwas sein. Erst nach und nach gewann ich Vertrauen“, sagt der Kapitän.

Um dichter an seinem Hobbyplatz zu sein und mehr Zeit für das Boot zu haben, wurde das Grundstück in Grundshagen verkauft und etwas Kleines in Tarnewitz zugelegt. Auch heute noch, vier Jahre später, ist Schellschmidt stolz über das Geschaffene und bereut keine Sekunde. „Ich fahre jeden Tag gerne raus und kümmere mich. Leider muss meine Frau bei schönem Wetter immer arbeiten, so können wir das an solchen Tagen selten gemeinsam erleben“, erzählt der 63-Jährige. Er selbst sagt über seine Barkasse: „Es ist mein Baby.“ Nicht nur deshalb, sondern auch aus Achtung vor dem Geleisteten, zieht er wie in seinem Wohnzimmer vor Betreten des Innenraums Hausschuhe an. Denn innen ist alles mit Teppich ausgelegt, neueste Seemannstechnik funkelt in Gold und Silber und das soll auch noch lange so bleiben, denn Erhard Schellschmidt will noch viele Jahre etwas von seinem Hobby haben.

Maik Freitag

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