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Nordwestmecklenburg Glanzzeiten fürs Weltkulturerbe
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22:12 29.12.2017
Tobias Rühl restaurierte die Orgel, die Friedrich Albert Mehmel 1883 bis 1884 in der Kirche in Herrnburg baute.
Schönberg

Seit diesem Monat sind sie in der Liste des Unesco-Weltkulturerbes: Orgelmusik und Orgelbau. Wer wissen will, wie es im Schönberger Land um die Königin der Instrumente und ihre Spieler bestellt ist, der muss Christoph D. Minke fragen. Der Chef des Schönberger Musiksommers kennt alle Orgeln im Amtsgebiet und diejenigen, die mit ihnen musizieren –

Christoph D. Minke spielt die 1847 in Schönberg gebaute Orgel. Sie ist das größte erhaltene Werk des Wismarers Friedrich Wilhelm Winzer. Orgelbauer restaurierten sie 2006 bis 2008. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

was nach seiner Auskunft viel Freude machen kann, aber: „Orgel üben ist harte Arbeit.“ Und das Spielen vor Zuhörern ist nicht frei von Überraschungen. Christoph D. Minke erklärt: „Bei so hochkomplexen Instrumenten und den wechselnden klimatischen Einflüssen muss man mit Pannen rechnen.“ Da kann es schon mal vorkommen, dass eine Taste plötzlich klemmt. Dann helfen nur Routine und die Devise: „Ruhe bewahren.“

Klavier spielen konnte Christoph D. Minke bereits mit fünf Jahren. An die Königin der Instrument wagte er sich später. Er erzählt: „Mit zwölf Jahren habe ich angefangen mit dem Orgelspiel – und das gleich ernsthaft.“ Er übernahm Organistendienste in seiner Heimatgemeinde in Brandenburg. Seit 1990 arbeitet Minke in Schönberg. Er ist der einzige hauptamtliche Kirchenmusiker im Schönberger Land. Nach seiner Auskunft werden die Orgeln hier vor allem von Ehrenamtlichen gespielt. Das sind im Schönberger Land und dessen Umgebung Manfred Absalon, Ilya Pril, Almut Buchholz, Katrin Krause und andere. Ein Ergebnis des Engagements: Die Orgeln in der Region schweigen nur selten.

Dafür gesorgt haben auch Mitarbeiter traditionsreicher Orgelbaufirmen, die die Instrumente seit Anfang der 90er Jahre instand gesetzt haben. „Die meisten Orgeln im Schönberger Land sind in gutem Zustand und machen viel Freude“, berichtet Minke.

In einem sehr guten Zustand befindet sich die Orgel in der Kirche in Schönberg. Das Instrument ist ein bedeutendes Werk aus der deutschen Romantik. Friedrich Wilhelm Winzer schuf es im Jahr 1847.

Heute ist sie mit 1379 Pfeifen, 26 Registern und zwei Manualen das größte erhaltene Instrument des Wismarer Orgelbauers.

Prägend für ganz Mecklenburg war auch Familie Friese, die in vier Generationen Orgeln baute – einige von ihnen im Schönberger Land. Dazu zählen die Instrumente in den Kirchen in Dassow und Lübsee.

Die Orgel in Dassow war 1990 nach der Sperrgebietszeit in einem ruinösen Zustand. Heute macht es Musikern wieder Spaß, auf ihr zu spielen. Für das Instrument in Lübsee gilt das nur eingeschränkt.

Christoph D. Minke sagt über die Anfang der 90er Jahre instand gesetzte Orgel: „Sie hat ein paar Blessuren. In den Manualtasten ist sie etwas verzogen. Das ist für den Spieler unangenehm.“

Angenehmer ist das Spielen der Königin der Instrumente in Herrnburg und Selmsdorf. Orgelbauer setzten sie vor wenigen Jahren instand. Das hatte besonders das 1869 von Barnim Grüneberg in Selmsdorf gebaute Instrument bitter nötig. „Vorher war das Instrument ziemlich kaputt“, berichtet Christoph D. Minke.

Der Kirchenmusikdirektor ist immer wieder ein Garant für hervorragende Orgelkonzerte. Er bedauert allerdings: „Die Orgel hat es im Moment im Konzertleben nicht so leicht, was mich etwas wundert.“ Es gebe hervorragende Organisten und sehr gute Instrumente. Ein gewisser Kreis sei jedoch sehr interessiert und reise auch von weiter entfernten Orten an, um ein Orgelkonzert in Schönberg zu erleben.

Orgelmusik an Silvester

Zum Jahreswechsel gehört für Musikfreunde in Schönberg und der weiteren Umgebung ein kurzes Orgelkonzert genauso dazu wie Berliner Pfannkuchen, Karpfen oder „Dinner for One“. Diesmal spielt Christoph D. Minke an Silvester ab 22.30 Uhr Werke von Dietrich Buxtehude, Nicolaus Bruhns, Vincent Lübeck und Johann Sebastian Bach. Damit setzt der Schönberger Kirchenmusikdirektor eine drei Jahrzehnte andauernde

Tradition fort. Nur einmal musste

er die Orgelmusik am 31. Dezember ausfallen lassen – wegen einer schweren Erkältung. Der Eintritt ist wieder frei. Spenden sind willkommen.

Jürgen Lenz

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