Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Grevesmühlen: Bankautomat am Marktkauf gesprengt
Lokales Nordwestmecklenburg Grevesmühlen: Bankautomat am Marktkauf gesprengt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:39 23.08.2017
Die Spurensicherung war gestern bis in den Nachmittag hinein vor Ort. Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt/jana Franke

Scherben liegen meterweit auf dem Parkplatz verteilt, ebenso das Bedienfeld des Bankautomaten, der in der Nacht zu gestern am Marktkauf in der Klützer Straße in Grevesmühlen von Unbekannten gesprengt wurde. Ein Anwohner hatte in den frühen Morgenstunden die Polizei gerufen, nachdem er einen lauten Knall vernahm. Es ist nur zu erahnen, welche Wucht dahintersteckte: Der Eingangsbereich des Einkaufszentrums ist verwüstet, Teile der Decke stürzten runter, Regalteile liegen kreuz und quer, Hunderte Scherben säumen den Fußboden. Junior-Chef Mathias Korzak sitzt im Büro der oberen Etage und hat den Kopf voll ob des Sachschadens, den er noch nicht beziffern kann. Er wird wohl in die Tausende Euro gehen. „Wir sind bemüht, den Haupteingang so schnell wie möglich freizugeben“, sagt er. Auch die Volks- und Raiffeisenbank kann den entstandenen Schaden am Automaten noch nicht abschätzen. Das Glück im Unglück: Geld wurde nicht erbeutet. „Die Sprengung von Automaten ist ein bundesweites Phänomen. Die Banken reagieren und schützen ihre Automaten“, erläutert Polizeisprecherin Sophie Pawelke. Das ist auch am Marktkauf der Fall. „Wir haben bisher mit Überwachungskameras, Spiegeln und diversen Vorsätzen auf der Automatenoberfläche alles getan, um Missbrauch vorzubeugen“, berichtet Bankvorstand Dieter Heidenreich. Den frei zugänglichen Automaten am Marktkauf habe man mit einem neuartigen Gasneutralisationssystem ausgestattet. Dieses soll ein vom Täter eingeleitetes explosionsfähiges Gasgemisch unschädlich machen und zudem einen Alarm auslösen. Letzteres ist erfolgt – um kurz nach vier Uhr am Morgen. Wieso das Anti-Gas-System die Sprengung nicht grundsätzlich verhindert habe, gelte es weiter zu untersuchen, heißt es von Banksprecherin Susanne Peters-Meyer aus Wismar. Damit mögliche Täter von vornherein wissen, dass ihre Tat nicht zum Erfolg führen wird, wurde der Automat am Marktkauf mit einem entsprechenden Aufkleber versehen, der in fünf Sprachen auf das Anti-Gas-System hinweist.

Zur Galerie
Täter konnten dank Sicherheitssystem kein Geld erbeuten.

Das System zu Gasneutralisierung ist nur eine Sicherheitsmaßnahme. Nach Auskunft von Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Berlin setzen andere auf Erschütterungsmelder oder Farbeinfärbung der Geldscheine, die damit unbrauchbar gemacht werden. „Das Thema Sprengung ist bei allen Banken angekommen. Sie analysieren ihre Standorte und entscheiden, welches Sicherheitssystem für sie das beste ist“, so Steudel.

Die Kunden vom Marktkauf sind gestern über einen Nebeneingang in das Einkaufszentrum gelangt. Kopfschüttelnd nehmen sie den Tatort ins Visier, der durch ein im Wind flatterndes Absperrband abgeriegelt ist. Die Kollegen der Spurensicherung fotografieren, messen aus, stellen eine Gasflasche sicher, die an der Wand der nebenstehenden Geschäfte steht. Kabel führen direkt zum zerstörten Automaten.

Im vergangenen Jahr wurden in Mecklenburg-Vorpommern drei Angriffe auf Automaten gezählt, in diesem Jahr waren es bereits sechs. Besonders häufig betroffen war Gägelow. Der jüngste Fall dort liegt erst wenige Wochen zurück. Mitte Juli sprengten Unbekannte einen Automaten an der Außenseite eines Spielcasinos. Auch hier war der Schaden enorm. Ermittelt werden konnten bisher keine Täter. Jener Automat war bereits im März Ziel von Unbekannten, als der Automat mit einem an einem Traktor befestigen Seil aus der Verankerung gerissen werden sollte. Der oder die Täter hatten damit keinen Erfolg und stellten den einige Tage zuvor in Stofferstorf gestohlenen Traktor auf einem Acker bei Gressow ab. Schon im August vergangenen Jahres gab es an selber Stelle eine versuchte Sprengung des Automaten.

„Das wird immer verrückter“, sagt ein Kunde, der einen gefüllten Einkaufskorb aus dem Marktkauf schiebt und zu seinem Auto gehen will. „Die nehmen vor nichts mehr Rücksicht.“ „Die“ zu ermitteln, ist nun Aufgabe der Polizei.

Jana Franke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ab 4. September gibt es Veränderungen bei Nahbus / Neue Hefte ab 28. August erhältlich.

23.08.2017

Festival lockt nach Rehna / Hochkarätige Musiker in Boltenhagen.

23.08.2017

Die Wanderausstellung „Flaschenpost aus dem KZ“ wird am Freitag, 1. September, um 15 Uhr im Rathaussaal eröffnet. Dazu laden die Stadt Grevesmühlen und die Stadtbibliothek ein.

23.08.2017
Anzeige