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Nordwestmecklenburg Grevesmühlen im digitalen Zeitalter?
Lokales Nordwestmecklenburg Grevesmühlen im digitalen Zeitalter?
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18:35 06.01.2018
Wohin geht es mit Grevesmühlen? Die Digitalisierung der Stadt existiert bislang nur auf dem Papier. Quelle: Foto: Ronald Gross

Ende 2016 wurde Lars Prahler nach einem aufregenden Wahlkampf und einer spannenden Wahl zum Bürgermeister ernannt. Das erste Jahr liegt hinter dem 45-Jährigen, das zweite vor ihm. Zeit, um eine Bilanz zu ziehen und nach den Zielen für die Zukunft zu fragen.

Fakt ist, dass wir sehr viel verschlafen können, wenn wir uns nicht rechtzeitig mit diesem Thema beschäftigen. Lars Prahler zum Thema Digitalisierung

Seit Dezember 2016 im Amt, wie sieht die persönliche Bilanz des Bürgermeisters aus?

Lars Prahler: Anstrengend, aber schön, und was ich vor allem gemerkt habe, ist, dass ein Bürgermeister ganz anders wahrgenommen wird als ein Bauamtsleiter.

Herr Prahler oder Herr Bürgermeister?

Ich habe das Gefühl, die Mehrheit der Leute duzt mich und will ganz viele Dinge zwischen Tür und Angel geklärt haben. Und ich versuche, so viele Dinge wie möglich hinzukriegen.

Was ist denn das größte Vorurteil, mit dem die Leute ins Rathaus kommen? Dass der Bürgermeister über alles bestimmen kann?

Nein, vielmehr, dass sie es mit einer Behörde zu tun hätten, die langsam und unnahbar sei.

Stimmt das?

Das stimmte noch nie, und das versuche ich auch so deutlich wie möglich, den Bürgern klarzumachen. Ich leite eine Behörde, die vor Ort dafür da ist, dass Gesetze eingehalten werden und natürlich versucht, immer eine Antwort zu geben.

Das Jahr 2017 war alles andere als einfach für die Stadt Grevesmühlen. Der Spielplatz ist mit erheblicher Verzögerung gebaut worden, die Planung der neuen Wohngebiete zieht sich hin, die Haushalte der amtsangehörigen Gemeinden – das bindet viele Kräfte. Wie sieht der Bürgermeister das?

Wir sind 2017 Kommune des Jahres geworden, und das wird man nicht, wenn man permanent schlechte Leistungen abliefert. In der Summe kann ich sagen, dass unsere Arbeitsleistung stimmt.

Dass es bei den großen Projekten wie dem Spielplatz zu Problemen kommt, ja, das ist so. Aber das werden wir immer wieder erleben. Frustriert bin ich nicht, sondern motiviert, die Aufgaben, so gut es geht, zu bewältigen.

Der Spielplatz ist am 21. Dezember eröffnet worden, das war ein Projekt, das der ehemalige Bauamtsleiter schon sehr lange in der Schublade hatte. Wie lange eigentlich? Und wessen Idee war das überhaupt?

Ich glaube, 2011/12 hatten wir die ersten Skizzen auf dem Tisch. Und ja, das war damals meine Idee. Entstanden ist sie auf eine ganz simple Weise. Ich saß irgendwann im Hechtviertel in Dresden und schaute auf einen Spielplatz, der so ganz anders war als alles, was ich bisher kannte. Statt Schaukeln und Rutschen von der Stange standen dort Elemente aus Holz, die Kinder hatten einen Riesenspaß.

Ein perfekt gestalteter Platz.

Seit der Eröffnung ist der Spielplatz auf der Bürgerwiese jeden Tag rappelvoll mit Kindern, ein gutes Gefühl?

Ja, aber ich weiß natürlich, dass er noch nicht fertig ist. Die Mehrzahl der Aufgaben sind erledigt, aber es dauert noch eine Weile.

Kommt noch eine Kamera auf den Spielplatz?

Wir sind dabei, eine technische und finanzielle Lösung zu finden. Und dann sprechen wir mit der Polizei und dem Datenschutzbeauftragten. Es kommt darauf an, dass wir das richtige Maß der Überwachung finden. Und da gibt es rechtliche Rahmen, an die wir uns halten müssen. Aber das Signal des Datenschutzbeauftragten war, dass man dort erkannt habe, dass es in Grevesmühlen gute Gründe für eine Kameraüberwachung gäbe.

Das heißt, die Chancen, dass Kameras dort aufgestellt werden, stehen gut?

Sie stehen nicht schlecht. Aber es muss rechtlich und technisch sauber sein. Denn ganz so einfach ist die Umsetzung nicht, es gibt Fragen wie: Was kann die Kamera alles erkennen, wie ist es nachts?

Wird es eine Aufzeichnung? Wie lange werden die Aufnahmen gespeichert und vieles mehr. Und die Bürgerwiese ist ein großes Areal, es nützt ja nichts, nur einen Teil zu überwachen.

Im Bürgermeisterzimmer hängt ein neues Bild. Es zeigt die Umrisse der Stadt vor mehreren Hundert Jahren. Welchen Zeitraum zeigt das Bild?

Es ist eine Reproduktion der Stadtkarte von 1756.

Warum hängt das dort?

Ein neuer Bürgermeister muss auch seinen eigenen Stil einbringen. Ich komme aus der Planungsabteilung, da hat es immer etwas, auf einen Plan zu schauen, egal wie alt er ist.

Was sind die großen Ziele für 2018 für Grevesmühlen?

Wir werden in die Erschließung des neuen Wohngebietes in Neu Degtow einsteigen, wir werden endlich das Konzept für den Schulstandort Grevesmühlen 2030 aufstellen. Und wir werden uns intensiv mit dem Themenfeld „Digitale Stadt“ auseinandersetzen.

Das heißt?

Über den Landkreis Nordwestmecklenburg organisiert, werden wir ab 2018 eine Breitbanderschließung in Grevesmühlen und im Umland bekommen. Die Frage ist, was man damit macht. Wollen wir nur dafür sorgen, dass jeder zu Hause übers Internet Fernsehen schauen kann, oder erreichen wir eine wirkliche Wertschöpfung vor Ort.

Was bedeutet das konkret für die Menschen in Grevesmühlen?

Es gibt eine Arbeitsgruppe, zu der ich auch gehöre, die sich zum Beispiel damit beschäftigt, dass wir ein W-LAN-System über die Stadt legen wollen, damit jeder kostenfrei ins Internet kommt. Darüber wollen wir aktuelle Informationen der Gewerbetreibenden transportieren, ebenso wie Nachrichten aus dem Vereinsleben etc.

Von welchem Zeitraum sprechen wir?

Wir stehen ganz am Anfang, aber wenn man von Digitalisierung spricht und sich in Deutschland umschaut, dann gibt es viele Ideen, aber die Umsetzung beginnt gerade erst. In Grevesmühlen sind wir auch noch nicht soweit, dass wir ein konkretes Datum nennen können. Fakt ist aber, dass wir sehr viel verschlafen können, wenn wir uns nicht rechtzeitig mit diesem Thema beschäftigen.

Vom Bauamt in den Chefsessel

Am 1. Dezember 2006 übernahm Lars Prahler das Bauamt in Grevesmühlen.

Er wechselte damals vom Sanierungsträger GOS in die Verwaltung.

Der damalige Bürgermeister Jürgen Ditz hatte den heute 45-Jährigen angeworben. Im September 2016 gewann der dreifache Familienvater die Wahl um die Nachfolge von Jürgen Ditz im Grevesmühlener Rathaus.

Im Dezember 2016 war er nach anfänglichen Protesten gegen das Wahlergebnis ernannt worden.

Interview von Michael Prochnow

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