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Nordwestmecklenburg Grevesmühlen präsentiert sich als Gastgeber für EU-Projekt
Lokales Nordwestmecklenburg Grevesmühlen präsentiert sich als Gastgeber für EU-Projekt
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20:20 16.01.2016
Andreas Zimmermann, Bürgermeister von Ahrensbök, bedankt sich bei Projektkoordinatorin Dorina Reschke aus Grevesmühlen.

Es klingt immer noch reichlich kompliziert, wenn Dorina Reschke über das Thema des EU-Projekts spricht, das die Stadt Grevesmühlen zwei Jahre federführend betreut hat. „Inklusion“, so die Koordinatorin, „ist sehr viel mehr als die Einbindung von Menschen mit Behinderungen. Das und vieles andere haben wir in den zwei Jahren gelernt.“ Die Stadt Grevesmühlen hatte sich vor mehr als zwei Jahren für das Projekt beworben, insgesamt sechs Partner waren mit im Boot. Die Partnergemeinde Ahrensbök gehört dazu, Nagymaros in Ungarn, Grzmiaca in Polen, Loures in Portugal und Laxå in Schweden. Ursprünglich gehörte auch eine Kommune in Frankreich dazu, doch die Kooperation endete nach kurzer Zeit.

Worum ging es?

Um das Thema Inklusion beziehungsweise um die Frage, wie Menschen mit Handicap am normalen Leben besser teilnehmen können. Dazu gehört nicht nur der Rollstuhlfahrer, der — wie beispielsweise in Grevesmühlen — weder den Bahnsteig erreichen noch den Zug ohne Hilfe besteigen kann. Dazu gehören auch Senioren mit Gehilfen, die Eltern mit Kinderwagen oder auch das Kind, das mit dem Fahrrad unterwegs ist. Überall, wo Hindernisse auftauchen, stoßen Menschen mit Handicap an ihre Grenzen.

Was hat das Projekt gekostet?

Insgesamt hat die EU 126 000 Euro für zwei Jahre zur Verfügung gestellt. Wie Dorina Reschke betonte, klinge die Summer zwar nach viel Geld. „Aber wenn man bedenkt, dass davon sämtliche Treffen und Projekte finanziert wurden, dann relativiert sich die Summe“, äußerte sie.

Was haben die Projektpartner konkret beigesteuert?

Grevesmühlen als Koordinator hat die Treffen organisiert, die Themen angeschoben, die Workshops ausgewertet und zusammengefasst. Die Ungaren haben sich unter anderem mit dem Thema Sport befasst, in Nagymaros gezeigt, wie behinderte Athleten trainieren und betreut werden. Die Schweden haben ihr Bildungssystem präsentiert, das in Sachen Inklusion den anderen Ländern um Jahre voraus ist. In Portugal ging es um die Musik. Die Gastgeber bewiesen eindrucksvoll, wie Behinderte mit künstlerischen Projekten in die Gesellschaft integriert werden.

Was bringt das Projekt für Grevesmühlen?

Wie Kristine Lenschow, die als stellvertretende Bürgermeisterin sämtliche Treffen begleitete, erklärte, sind die Erfahrungen aus den einzelnen Treffen Gold wert. „Wir haben einen ganz anderen Blick auf das Thema. Es gibt in Grevesmühlen noch sehr viel zu tun, ob bei der Sanierung von Gebäuden und Straßen oder bei dem Umgang mit Menschen mit Behinderungen, wir gehen sehr viel offener damit um.“

Ein anderer Punkt seien die Städtepartnerschaften. „Durch das Projekt haben wir nicht nur die alten Beziehungen wieder zum Leben erweckt, sondern auch neue geknüpft. Denn Partnerschaften funktionieren nur, wenn Menschen mit Herz dabei sind, die Verwaltungen können das nicht leisten“, so Kristine Lenschow. Das so entstandene Netzwerk sei ein weiterer Vorteil des Projektes.

Wie geht es weiter?

Die Netzwerkpartner haben eine Vereinbarung unterzeichnet, in der sie festgelegt haben, dass alle Beteiligten weitermachen wollen. In den nächsten Monaten soll ein Fahrplan erstellt werden, wer sich um welche Projekte kümmert. Zentrales Thema soll dabei erneut die Inklusion sein, allerdings erweitert um einige Bereiche wie das Thema Flüchtlinge.

Wo hakt es konkret in Grevesmühlen bei der Inklusion?

Laut Kristine Lenschow sind längst nicht alle Gebäude und Veranstaltungen in der Stadt Grevesmühlen für alle Menschen nutzbar. „Wir haben noch eine ganze Menge aufzuholen in diesem Bereich“, betonte sie.

Der Botschafter auf dem Fahrrad
Benny Andersson, IT-Unternehmer aus Grevesmühlen und gebürtiger Schwede, hatte sich zum Netzwerktreffen im Herbst 2015 in Portugal etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. Er bewältigte die 1500 Kilometer von Nordwestmecklenburg bis kurz vor Lissabon innerhalb von vier Wochen. Den größten Teil der Strecke fuhr er mit dem Fahrrad. Sinn und Zweck der Aktion war es, auf das EU-Projekt aufmerksam zu machen. Er berichtete im Internet über seine Reise, sprach unterwegs mit den Menschen in den verschiedenen Ländern über den Hintergrund des Projektes und rührte die Werbetrommel. Die Rückfahrt trat er allerdings mit dem Busunternehmen Krohn an, das die Teilnehmer nach Loures brachte.

Michael Prochnow

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