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Nordwestmecklenburg Grevesmühlen wieder ohne festen Kinderarzt
Lokales Nordwestmecklenburg Grevesmühlen wieder ohne festen Kinderarzt
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18:15 29.06.2016

Und wieder nimmt ein Kinderarzt seinen Hut – und das nach noch nicht einmal einem Jahr in Grevesmühlen. Kurt Wolfgang Schulze hatte im Oktober vergangenen Jahres die 45-jährige Andrea von Minckwitz abgelöst, nachdem sich sie sich in einem Kinderzentrum in Pelzerhaken (Neustadt in Holstein) weiterentwickeln wollte. Der 49-jährige ist – ebenso wie es seine Vorgängerin war – über das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Sana Hanse Klinikum Wismar GmbH angestellt. Heute endet sein Arbeitsverhältnis in der Praxis für Kinder- und Jugendmedizin in der August-Bebel-Straße – aus persönlichen Gründen, wie MVZ-Geschäftsführer Friedel Helms-Ferlemann auf Nachfrage bestätigt. Die Patienten und Eltern wurden durch einen Zettel an der Tür mehr oder weniger überrascht. Gedacht hatte sich Friedel Helms-Ferlemann das alles auch anders, denn eine Lösung gab es bereits.

Ende März hatte ihm Kurt Wolfgang Schulze eröffnet, dass er nach Thüringen zu seinem alten Arbeitgeber zurückgehen wird. Daraufhin entstand der Kontakt zu einer deutschen Ärztin, die in der Schweiz lebt. „Sie wollte zurück nach Deutschland und hatte ihren Vertrag bei uns auch schon unterschrieben. Am 1. Juli sollte sie anfangen, hat dann aber kurzfristig abgesagt“, schildert Friedel Helms-Ferlemann, der nun alle Hände voll zu tun hat, um die ärztlichen Versorgung der Kinder und Jugendlichen in Grevesmühlen sicherzustellen.

Im Juli, so der Geschäftsführer, wird Wolfgang Reißig aus Hamburg die Vertretung übernehmen. Der Kinderarzt ist in der Vergangenheit schon öfter als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung eingesprungen.

Im August werden Kinderärzte aus Wismar die Patienten in Grevesmühlen behandeln. Ende August ist die Praxis urlaubsbedingt zwei Wochen geschlossen und dann kommt zunächst eine Kinderärztin aus Heidelberg in die ehemalige Kreisstadt. Das MVZ bedient sich dabei bei einer Honorararzt-Agentur. Das könne, so Friedel Helms-Ferlemann, natürlich nur eine Übergangslösung sein. Nicht zuletzt auch aus Kostengründen. Denn: „Honorarärzte kosten bis zu 3000 Euro mehr im Monat als festangestellte Ärzte.“ Zudem sind viele bürokratische Hürden zu nehmen. Eine Vertretung, die mehr als eine Woche dauert, ist bei der kassenärztlichen Vereinigung anzeigepflichtig, eine Vertretung länger als drei Monate genehmigungspflichtig.

Das Medizinische Versorgungszentrum hat nun eine öffentliche Ausschreibung gestartet – deutschlandweit gestreut. Darauf setzt der Geschäftsführer große Hoffnungen. Erreicht ihn eine Bewerbung, entscheidet nicht nur er über die Anstellung, sondern auch der sogenannte Zulassungsausschuss für Ärzte, der in der Kassenärztlichen Vereinigung in Schwerin organisiert und sich unter anderem aus niedergelassenen Ärzten und Vertretern von Krankenkassen zusammensetzt. „Bis dahin wird sichergestellt, dass eine ärztliche Vertretung vor Ort ist“, verspricht Friedel Helms-Ferlemann.

Etwa 1000 Patienten lassen sich im Quartal in der Praxis in Grevesmühlen behandeln, 50 Prozent davon sind unter vier Jahre alt. Sie ist die einzige Niederlassung in der näheren Umgebung. Weitere Praxen für Kinder- und Jugendmedizin gibt es in Schönberg, Gadebusch und in Wismar.

Jana Franke

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