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Grevesmühlener Friedwald: 22 Bestattungen im Steinbrink

Grevesmühlen Grevesmühlener Friedwald: 22 Bestattungen im Steinbrink

Ende vergangenen Jahres wurde der 55. Friedwald in Deutschland eingeweiht / Er befindet sich nördlich von Grevesmühlen / Die Nachfrage ist groß.

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Der im vergangenen Jahr eröffnete Friedwald befindet sich zwischen Grevesmühlen und Rolofshagen.

Quelle: Fotos: Michael Prochnow

Grevesmühlen. Schwieriges Thema trifft lockeren Umgang: Wenn Manuela Harder, sonst Chefin von 17 Männern des Grevesmühlener Bauhofes, über den Friedwald erzählt, geht es nicht um Tod und Trauer. „Es geht darum, dass es eine Möglichkeit gibt, Bestattungen auf eine andere Art zu erleben.“ Das Thema Friedwald ist nicht unumstritten, manch eine Kirchengemeinde sieht ihr Friedhofsmonopol in Gefahr. 55 Friedwälder gibt es in Deutschland, der jüngste, immerhin drei Hektar groß, liegt im Steinbrink nördlich von Grevesmühlen. 22 Bestattungen gab es dort bisher.

LN-Bild

Ende vergangenen Jahres wurde der 55. Friedwald in Deutschland eingeweiht / Er befindet sich nördlich von Grevesmühlen / Die Nachfrage ist groß.

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Dass eine Nachfrage nach Friedwaldbestattungen in der Region besteht, zeigt die Resonanz auf die Führungen, die Manuela Harder als Stadtmitarbeiterin alle 14 Tage anbietet. Erst am vergangenen Sonntag informierten sich in zwei Durchgängen 70 Männer und Frauen über das Thema. Die Neugier hat bisweilen einen ganz einfachen Hintergrund: „Die Pflege der Grabstätten ist aufwendig, ich möchte den Kindern das nicht aufbürden“, sagt Wolfgang Trottnow aus Lockwisch. „Das hier ist eine gute Alternative, ein wunderschöner Wald.“

Dass die Bauhof-Leiterin die regelmäßigen Führungen für die Friedwald GmbH, ein privatwirtschaftliches Unternehmen, macht, hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Stadt Grevesmühlen Eigentümerin der Waldflächen und Partner des Unternehmens. „Zum anderen muss ich sagen, ist mir der Friedwald ans Herz gewachsen, auch wenn das seltsam klingt“, sagt Manuela Harder. „Anfangs war ich nicht begeistert, dass ich mich darum kümmern soll. Mittlerweile bin ich sehr oft im Friedwald.“ Inzwischen gibt es dort eine Toilette, einen Andachtsplatz, zahlreiche Schautafeln, viel Platz und für 99 Jahre die Gewissheit, dass der Wald nahezu unberührt bleibt.

Pastorin Maria Harder von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Sankt Nikolai in Grevesmühlen, zu der der Grevesmühlener Friedhof gehört, hat sich mit den Veränderungen in der Bestattungs- und Trauerkultur bereits auseinandergesetzt. „In den letzten Jahren hat sich ein Wandel ergeben“, bestätigt sie. Das habe zum einen mit dem demografischen Wandel in der Gesellschaft generell zu tun — Menschen werden älter, Pflege wird dadurch erschwert, Trauerorte werden seltener aufgesucht. Andererseits, so Harder weiter, ist ein verändertes allgemeines Verbundenheitsgefühl mit Verstorbenen entstanden, das Trauernde empfinden, auch wenn sie an der See oder im Wald ihre Lieben besuchen.

„Dennoch bleibt meines Erachtens mehrheitlich das Bedürfnis nach einer Trauerstätte innerhalb eines befriedeten ,Gartens‘ in gut erreichbarer Nähe bestehen“, meint sie. Auch die Begegnung mit anderen Trauernden spiele nach wie vor eine Rolle.

Rein statistisch, stellt die Grevesmühlener Pastorin fest, sei, speziell seit Eröffnung des Friedwaldes, noch kein signifikanter Rückgang von Bestattungen auf dem Friedhof der Stadt zu verzeichnen.

Es sei jedoch anzunehmen, dass die eine oder andere Bestattung, die sonst auf dem städtischen oder dörflichen Friedhof geschehen wäre, unterblieb. Das aber seien letztlich nur Vermutungen. Denn man könne in dieser kurzen Zeit noch keine statistisch fundierten Aussagen treffen. Zumal es zu allen Zeiten — ganz unabhängig von der Existenz des Friedwaldes — mal mehr, mal weniger Sterbefälle gibt.

Sie fügt ein Beispiel an: „Wir haben in den ersten Monaten des Jahres 2014 unterdurchschnittlich wenig Beerdigungen gehabt, 2015 im vergleichbaren Zeitraum dagegen überdurchschnittlich viel, in 2016 bisher durchschnittlich — wenn man das so sagen kann.“ Solche Dinge seien eben nicht berechenbar. Man könne vielleicht über einen Zeitraum von zwei bis drei, sogar vielleicht erst fünf Jahren feststellen, ob der Friedwald tatsächlich eine signifikante Auswirkung auf die Anzahl der Bestattungen auf dem Friedhof habe.

Ganz ähnlich lautet eine Auskunft des Amtes Klützer Winkel. Auch dort hat man bisher nicht das Gefühl, dass sich die Anzahl der Friedhofsbestattungen im Amtsbereich auffallend verändert habe.

Unterschiedliche Kosten

Tatsächlich kann eine Friedwaldbestattung günstiger sein, als eine Friedhofbestattung — doch nicht in jedem Fall.

Wer sich für eine Friedwaldbestattung interessiert, dem sei angeraten, sich die Webseite des Friedwaldbetreibers genau anzuschauen. Unter dem Unterpunkt Kosten sind alle im Friedwald möglichen Bestattungsformen aufgelistet.

Mit dem Basisplatz — der günstigsten Bestattungsform — erwirbt man eine von zehn Einzelruhestätten an einem Gemeinschaftsbaum mit einer verkürzten Ruhezeit von 15 bis zu 30 Jahren — je nach kommunaler Friedhofssatzung. Im Gegensatz zu einem Gemeinschaftsbaumplatz, den man selbst auswählen kann, wird der Basisplatz im Trauerfall vom Förster zugewiesen.

Der Preis pro Basisplatz beträgt 490 Euro. Hinzu kommen die Kosten für eine Beisetzung in Höhe von 275 Euro. Im Preis enthalten ist die biologisch abbaubare Friedwald-Urne, jedoch kein Namensschild. Weitere Kosten entstehen durch in Anspruch genommene Leistungen eines Bestatters.

• Mehr zu den Kosten und Kategorien unter http://www.friedwald.de

Von Annett Meinke und Michael Prochnow

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