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Grevesmühlener Lidahilfe nimmt das nächste Projekt in Angriff

Lida/Grevesmühlen Grevesmühlener Lidahilfe nimmt das nächste Projekt in Angriff

Die Schule Nummer 4 in Lida (Weißrussland) braucht Unterstützung / Die Initiative aus Nordwestmecklenburg will mit Schulmaterial und Möbeln helfen.

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48 Betten des DRK-Krankenhauses Teterow befinden sich in Lida.

Lida. Die leere Anbauwand hat ihre besten Jahre lange hinter sich, der Schreibtisch, auf den Igor Radzinski seine kräftigen Unterarme stützt, sieht nicht viel besser aus. Der einzige Schmuck im Direktorenzimmer der Schule Nummer 4 im Stadtzentrum von Lida ist das Bild von Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko, das hinter dem jungen Schulleiter an der Wand hängt. Dafür, dass es auch nach der Präsidentenwahl, die gerade läuft, noch dort bleiben kann, sorgt unter anderem der Polizist, der seit einigen Tagen im Erdgeschoss der Schule auf und ab marschiert. Denn Lehrer dürfen schon lange vor dem eigentlichen Wahltermin abstimmen. Warum dazu ein Polizist nötig ist, diese Frage überhört Igor Radzinski geflissentlich. Politik ist kein Thema für die Öffentlichkeit.

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48 Betten des DRK-Krankenhauses Teterow befinden sich in Lida.

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Der Pädagoge hat erst im September die Stelle als Schulleiter angetreten, Zeit um sein Büro zu dekorieren, hatte er noch nicht. Für ihn zählen andere Dinge. Die deutsche Delegation aus Grevesmühlen, die vor ihm sitzt, hat gerade nachgefragt, was denn am dringendsten benötigt würde in seiner Schule. Gehört hat er von den Deutschen, die seit über 20 Jahren humanitäre Hilfe in Weißrussland leisten, bereits. „Wir wollen gern helfen“, sagt Norbert Koch von der Lidahilfe. Die Organisation hat schon das Gymnasium der Stadt mit Möbeln und einem komplett sanierten Deutschkabinett versorgt, jetzt ist die Schule Nummer 4 an der Reihe.

582 Schüler von der ersten bis zur elften Klasse lernen hier, Sport und Sprachen sind die Spezialrichtungen der Schule. „Unser Deutschkabinett könnte wirklich Hilfe gebrauchen“, sagt Igor Radzinski.

„Besonders, weil sich hier sehr viele Kinder für Deutsch interessieren.“

Der Klassenraum für die Schüler, die sich vier Stunden pro Woche mit der deutschen Sprache und Kultur auseinandersetzen, ist hell, wirkt aufgeräumt und sauber. Doch die Schränke im Vorbereitungsraum sind halb leer. „Lehrbücher sind teuer und schwer zu bekommen“, erklären die beiden Lehrerinnen. Und Duden? „Hätten wir gern, sind aber nicht zu bezahlen.“ Norbert Koch, dessen Frau Lehrerin in Grevesmühlen ist, verspricht zu helfen. „Das werden wir schon schaffen, es ist nicht die erste Schule, der wir unter die Arme greifen.“ Norbert Koch ist kein Mann der großen Worte und sagt daher schlicht: „Wir melden uns bald.“

Zu diesem Zeitpunkt sind die zwei Lastwagen samt Anhänger und der Transporter bereits leer. Mehr als zehn Tonnen Hilfsgüter wurden verladen. 48 Krankenhausbetten aus Teterow, mehr als 200 Säcke mit Kleidung, Rollstühle und medizinische Hilfsmittel haben die neun Männer der Lidahilfe beim Behindertenverband und dem örtlichen Krankenhaus ausgeladen. Im Frühjahr geht es wieder los, dann werden die Schule Nr. 4 und das Sozialamt beliefert. Inzwischen gibt es zahlreiche Familien in Nordwestmecklenburg, die Pakete für bedürftige Familien in Lida packen. Weil der Transport in diesem Jahr unmittelbar vor den Präsidentenwahlen stattfand, waren die Kontrollen durch den Zoll besonders akribisch. Die Pakete wurden durchsucht, gefunden wurde allerdings nichts, was die Wahlen stören könnte.

Ausgeliefert werden sie allerdings erst nach der Wahl, und zwar durch den Behindertenverband in Lida. „Wichtig ist“, so Norbert Koch, „dass sie an die richtige Adresse kommen und darauf können wir uns verlassen.“

Termine der Lidahilfe
Am 30. Oktober wird das Team im Rahmen der Kulturnacht einen Stand in der Grevesmühlener Innenstadt aufbauen. Er ist vor den Stadtwerken in der Wismarschen Straße zu finden.
Am 28. November werden die Helfer am vorweihnachtlichen Straßenfest in Grevesmühlen teilnehmen, der Stand wird sich an der Kirche befinden.
Grenzabfertigung — Mautgebühren — Präsidentenwahl
8 Stunden dauerte die Grenzabfertigung durch die weißrussischen Behörden auf der Hinfahrt. Die Papiere für die zwei Lastwagen mit Anhänger und die beiden Transporter waren zwar vollständig und richtig ausgefüllt, als Problem stellte sich jedoch die Tatsache dar, dass die Koffer der Fahrer auf der Ladefläche der Lastwagen transportiert wurden. Zwei Stunden dauerte die Kontrolle des persönlichen Gepäcks sämtlicher Teilnehmer. Anschließend stellten die Zöllner fest, dass alles in Ordnung sei.
260 Euro kostete die Strafgebühr für das Mautvergehen, das die Lidahelfer unmittelbar nach der Grenze bezahlen mussten. Laut den Verantwortlichen der Mautbehörde war einer der Lastwagen im Mai durch eine Kontrollstelle gefahren, ohne die entsprechenden Gebühren zu entrichten. Nachweislich hatten aber alle Lastwagen die Gebühren bezahlt. Die Mitarbeiter der Behörde wiesen darauf hin, dass ohne die sofortige Bezahlung der Lastwagen stillgelegt werden würde. Laut Gesetz sind Hilfstransporte offiziell von den Mautgebühren befreit. Doch selbst die weißrussische Botschaft in Berlin konnte bislang keine Auskunft geben, wie diese Regelung umgesetzt wurde. Die Strafe haben die Helfer aus ihrer eigenen Tasche bezahlt.
750 Euro betragen die Kosten für einen Lastwagen pro Transport. Darin enthalten sind die Kosten für Treibstoff für 2500 Kilometer, Grenz- sowie Mautgebühren. Der aktuelle Kurs in Weißrussland liegt übrigens bei: 1 Euro = 19500 Rubel. Noch im Mai lag der Kurs bei etwa 16000 Rubel. In Lida wurden aufgrund der Wirtschaftskrise, die unter anderem mit den Sanktionen gegen Russland zu tun haben, bereits mehrere Betriebe geschlossen.
Der Präsident Alexander Lukaschenko wurde am Sonntag mit 83 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Michael Prochnow

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