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Nordwestmecklenburg Das Grevesmühlener Rezept gegen Fachkräftemangel
Lokales Nordwestmecklenburg Das Grevesmühlener Rezept gegen Fachkräftemangel
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15:11 15.03.2019
Uta Woge, Lars Prahler und Jörg Bolz beim Unternehmerfrühstück in Grevesmühlen Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Jörg Bolz, Chef des Reinigungsunternehmens Rudebo in Grevesmühlen, hat sich auf der Suche nach Fachkräften vor vier Jahren an eine polnische Agentur gewandt. „Hier waren einfach nicht genügend Fachkräfte zu finden, und da unser Lohn zwischen 10,05 und 14 Euro liegt hat es nicht lange gedauert, bis wir die ersten Arbeiter einstellen konnten.“ Das eine Problem war gelöst, dafür taucht ein anderes auf: Die polnischen Mitarbeiter, 14 beschäftigt Rudebo aktuell, brauchen Wohnungen, die möglichst preiswert und in der Nähe sind. „Vor allem in der Anfangsphase ist es schwierig, wenn die Leute sich hier nicht auskennen, die Sprache nicht sprechen. Die Sache mit dem Wohnraum war alles andere als einfach.“ Doch Jörg Bolz, der zusammen mit seiner Frau die Geschäfte in Grevesmühlen führt, ist auch ein Mensch, der selbst nach Lösungen sucht. Und zwar in den eigenen Netzwerken.

Fündig geworden ist er bei Uta Woge, der Geschäftsführerin der Grevesmühlener Wohnungsbaugesellschaft (Wobag). „Wir konnten die Leute nur beschäftigen, weil wir kurzfristig den nötigen Wohnraum zur Verfügung stellen konnten“, so Jörg Bolz. Aus der Notlösung ist mittlerweile ein Konzept geworden, das nun auch anderen Unternehmen helfen soll, Fachkräfte in die Region zu locken. Laut Jörg Bolz würden sich inzwischen einige der polnischen Angestellten dauerhaft in Grevesmühlen ansiedeln, so dass die Aktion auch langfristig Erfolg habe. Kommende Woche wird es bei Rudebo einen Sprachkurs für die polnischen Mitarbeiter geben, auch das ein Ergebnis der eigenen Netzwerk-Recherche. Jörg Bolz hatte sich an Roland Hollmann, den ehemaligen Leiter Volkshochschule in Grevesmühlen, gewandt.

Uta Woge hat inzwischen nicht nur das Angebot für Rudebo konkretisiert, sondern bietet ihre Hilfe auch öffentlich an. So hat das Unternehmen Wohnungen möbliert und mit allem Notwendigem ausgestattet, um Bewerbern kurzfristig eine fertige Wohnung anzubieten – beispielsweise für die Probezeit oder ein Praktikum. „Wir schließen die Mietverträge mit den Unternehmen ab, die dann für ihre Mitarbeiter Angebote machen können, sie es so woanders in dieser Form nicht gibt“, betont Uta Woge. Zwar liegen die Mietpreise leicht über den üblichen Preisen, aber dafür gibt es nicht nur die Ausstattung sondern auch angepasste Miet- und Kündigungsfristen eigens für die Firmen.

Zurzeit bietet die Wobag einige Ein-Raum-Wohnungen an, eine Musterwohnung können die Interessenten jederzeit besichtigen. „Aber bei Bedarf würden wir auch größere Wohnungen entsprechend ausstatten und anbieten, auch Wohngemeinschaften sind möglich.“ Entweder melden sich Firmen direkt bei der Wobag in Grevesmühlen oder bei Jörg Bolz in seinem Unternehmen. Der Chef der größten Reinigungsfirma in der Region hilft auch bei der Fachkräftesuche in Polen, die Erfahrungen, die er gemacht hat, gibt er jederzeit weiter. „Egal ob es um Anzeigen in polnischen Medien geht oder andere Dinge, ich helfe gern.“

Vorgestellt haben Uta Woge und Jörg Bolz ihre Kooperation auf dem Unternehmerfrühstück der Stadt Grevesmühlen am Freitag im Vereinshaus. Die Stadt organisiert zusammen mit dem Unternehmerverband Norddeutschland regelmäßig Veranstaltungen, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Zusammenhang mit der Wirtschaftsentwicklung beschäftigen. Neben der Suche nach Fachkräften ging es dieses Mal auch um die Frage, wie Firmen sich gegen einen längeren Stromausfall in der Region schützen können, beziehungsweise was im Ernstfall zu tun sei. Heiner Wilms, Geschäftsführer der Grevesmühlener Stadtwerke, mahnte dazu, dass sie viel zu wenige Unternehmer auf diesen Fall vorbereiten würden. „Ohne Strom, das muss man einfach so sagen, geht in unserem Leben nichts mehr.“ Die Stadtwerke stünden für Beratungen und Hilfe jederzeit zur Verfügung. „Es reichen schon ein paar einfache Maßnahmen, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Aber mann muss es auch tun.“

Michael Prochnow

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