Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Grieben: Eine Schönheit ohne Zukunft?
Lokales Nordwestmecklenburg Grieben: Eine Schönheit ohne Zukunft?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:52 19.09.2013
Prof. Henning Bombeck (Mitte) von der agrar- und umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock erläuterte den Einwohnern Chancen zur Dorfbelebeung. Quelle: Fotos: Maik Freitag

Das 160-Seelen-Dorf Grieben ist das aktuell schönste Dorf des Landkreises Nordwestmecklenburg. Trotzdem sehen die Einwohner wenig Chancen, das Dorf auch in Zukunft zu erhalten und das Dorfleben attraktiv zu gestalten. Deshalb gaben jetzt Regionalplanerin Ute Fischer-Gaede und Professor Henning Bombeck von der agrar- und umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock wichtige Hinweise, wie der Ort nicht nur gestalterisch noch schöner, sondern auch das Leben in der Gemeinschaft verbessert werden kann.

„Grieben ist ein Gesamtkunstwerk. Selten habe ich eine so herausragend erhaltene historische Struktur gesehen“, freute sich der Rostocker Professor, den Griebenern Tipps geben zu können. Diese bezogen sich zwar auch auf derzeit unzureichende Sichtachsen zwischen verschiedenen Wohneinheiten, hauptsächlich aber auf die neun noch erhaltenen riesigen Bauernhöfe.

„Die Bauernhöfe sind bis zu 12 000 Quadratmeter groß. Die Erhaltung und Sanierung kann keine einzelne Familie stemmen. Vor allem junge Menschen nicht“, ist sich Regionalplanerin Ute Fischer- Gaede sicher und gab erste Lösungsansätze. „Ein junger Mann, der hier aufgewachsen ist, möchte gerne bleiben, findet aber keinen passenden Wohnraum. Gut wäre es, wenn er zwei, drei Familien mit ins Boot holen könnte, um den zum Verkauf stehenden Bauernhof zu sanieren. Der Wohnraum hat eine Grundfläche von etwa 1000 Quadratmeter. Alle hätten genug Platz“, schlug die Rostockerin vor.

Allerdings warnte Fischer-Gaede auch vor einer ungewissen Zukunft des Dorfes. „Jeder Besitzer der übrigen Höfe muss sich Gedanken machen, was in 20 bis 30 Jahren ist. Noch zu Lebzeiten sollte geklärt werden, ob junge Leute die Möglichkeit bekommen, mit einzusteigen. Wenn sich nach dem Tod eine Erbengemeinschaft streitet, wird der Hof verfallen. Das lehrt die Vergangenheit“, zeigte die Planerin den vielen interessierten Einwohnern ein weiteres Problem auf. Das erkannte auch Griebens Bürgermeister Frank Lenschow. „Vieles bei uns macht die Feuerwehr. Dann haben wir noch eine Theatergruppe und viele Leute, die alleine was auf die Beine stellen. Was uns fehlt, ist ein Generationentreff und die Kommunikation untereinander“, bemängelte er.

Viele Einwohner kämen am Abend von der Arbeit nach Hause und ließen sich dann nicht mehr sehen. Über Handzettel würden die Menschen erfahren, wann Veranstaltungen im Ort stattfänden. Die Infotafel in der Nähe der Griebener Feuerwehr reiche zur Kommunikation nicht aus. „Trotzdem haben wir im vergangenen Jahr eine tolle 775-Jahr-Feier hinbekommen“, betonte der Bürgermeister. Er sieht aber auch eine neue Chance für das Dorf, näher zusammenzurücken. „Herr Bombeck schlug einen Mehrgenerationentreff vor. Auch tagsüber das Dorfgemeinschaftshaus für die Jugend aufzuschließen wäre eine Lösung, um miteinander besser zu kommunizieren“, nimmt sich Frank Lenschow den Gedanken des Professors an. „Wir haben viele Ideen und auch Kultur, aber wir drohen zu vereinsamen. Zum Glück haben wir einen tollen Zusammenhalt hier im Dorf. Jeder packt mit an“, erzählte der Bürgermeister, der für 2014 den nächsten Termin mit den Landschaftsplanern anberaumen will, um dann über die Verbesserung der Gärten und Grünanlagen zu reden.

Schönstes Dorf
Der 160-Seelen-Ort Grieben wurde 2012 Sieger im alle drei Jahre stattfindenden Kreisausscheid „Unser Dorf hat Zukunft — Unser Dorf soll schöner werden". 66 Gemeinden hatten teilgenommen.

Die besten sieben erhielten eine Fördersumme von 30 000 Euro und rutschten in den Landesvergleich. Auf Landesebene wurde das Dorf immerhin auf Platz drei gewählt. Sieger wurde das nur etwa 20 Kilometer entfernt liegende Dorf Dechow.

Die Freiwillige Feuerwehr und eine Theatergruppe sowie viele einzelne Initiatoren sorgen für das Dorfleben. 2012 feierte Grieben 775 Jahre, die Feuerwehr wurde zeitgleich 85 Jahre.

Maik Freitag

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ostdeutsche Sparkassenstiftung fördert Restaurierung wertvoller Panoramatapete im Welterbe-Besucherzentrum.

19.09.2013

Nach dem Rücktritt des nahezu kompletten Vorstands (die OZ berichtete), hat die Sportjugend des Landkreises wieder einen Vorsitzenden. Der Wismarer Jan Ladwig wurde zum neuen Chef gewählt.

19.09.2013

Kommunalpolitiker fühlen sich bei der Windenergie bevormundet. Schlotmann: Kreis gefährdet Energiewende.

19.09.2013
Anzeige